Offizielle Amtssprache: Deutsch
Einheimische Umgangssprachen: ·Hochdeutsch/Ruhrdeutsch, [Westfälisch], Siegerländer Platt/Wittgensteiner Platt
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Weil Lippe bis 1945 ein eigenes Land war, im Gegensatz zu den übrigen westfälischen Staaten, die schon spätestens 1815 an Preußen fielen, wird der Landesteil offiziell Westfalen-Lippe genannt. Lippe ist aber in jeder kulturellen und geschichtlichen Hinsicht (von der preußischen abgesehen) Teil Westfalens. Das gilt aber nicht für den Kreis Singen-Wittgenstein; er wird oft wegen seiner Zugehörigkeit zur ehem. Prov. Westfalen zu Westfalen gerechnet, gehört aber (vor-preußisch) historisch und sprachlich nicht dazu.
Das Westfälische, eine Dialektgruppe des Niedersächsischen (auch Niederdeutsch oder Plattdeutsch genannt) unterteilt sich in das Münsterländische im Münsterland, zu dem auch im weiteren Sinne die Dialekte des Ruhrgebiets zu zählen sind, das Westmünsterländische im Grenzgebiet zu den Niederlanden und zum Niederrhein, das Ostwestfälische, das jenseits der Landesgrenze auch in der Südhälfte des Osnabrücker Landes einschl. der Stadt Osnabrück gesprochen wird, sowie das Sauerländische. Die charakteristische westfälische Diphthongierung ist im Ostwestfälischen besonders ausgeprägt.
Westfalen, vor allem Ostwestfalen ist ein Zentrum rußlanddeutscher Immigration, unter anderem auch der plautdietschsprachigen Mennoniten. Die übrigen Rußlanddeutschen sprechen meist Russisch.

Im äußersten Osten und Nordosten weisen die traditionellen Dialekte zum Nordniedersächsischen (um Minden) bzw. zum Ostfälischen (um Lügde und Höxter). Im übrigen Ostwestfalen wurden früher die ostwestfälischen Dialekte gesprochen, die sich durch eine extreme Diphthong-Vielfalt auszeichnen.
Der westfälische Anteil am Ruhrgebiet besteht aus Teilen der Reg.-Bz. Münster, Arnsberg sowie der Stadt Essen (Reg.-Bz. Düsseldorf; die südöstlichen eingemeindeten Gemeinden sind niederrheinisch). Der Kr. Recklinghausen und der Kr. Unna haben nur teilweise Anteil am Ruhrgebiet. Hier sind die Gebiete nördlich der Lippe Teil des Münsterlandes. Letzteres gilt auch für Hamm. Für die südlichen Stadtteile der Stadt Hamm ist die Zuordnung zu einer Region ganz unklar. Hagen wiederum wird teilweise schon dem Sauerland zugeordnet.
Allgemeine Umgangssprache ist ein Kontinuum zwischen Hochdeutsch und Ruhrdeutsch. Die (einheimische) Bevölkerung teilt sich in zwei Gruppen: Die eine spricht mehr Hochdeutsch mit weniger ruhrdeutschen Einflüssen, die andere mehr Ruhrdeutsch mit mittleren hochdeutschen Einflüssen. Ruhrdeutsch kann ein hochdeutscher Dialekt genannt werden. Er entstand im 19. Jh. durch die Übernahme des Hochdeutschen durch Sprecher westfälischer Dialekte. Der neue Dialekt weist sehr starkes und auffälliges Substrat durch die westfälischen Dialekte auf. Er ist aber nicht einfach westfälisch beeinflußtes Hochdeutsch. Die Aussprache z.B. ist "neu". Sie stimmt weder mit dem Hochdeutschen, wie wir es heute verstehen, noch mit den westfälischen Dialekten überein, sondern unterscheidet sich von beiden ganz erheblich.
Die traditionellen westfälischen Dialekte, die im äußersten Süden schon (wenige) rheinische Einflüsse aufwiesen und im äußersten Südwesten etwas stärkere niederrheinische, ist so gut wie ausgestorben. Nur noch vereinzelte Personen beherrschen einen von ihnen, und sie sind auch im Bewußtsein der Bevölkerung nicht mehr vorhanden. Die meisten Bewohner der Region wissen nicht mehr, daß in ihrer Region einmal Westfälisch gesprochen wurde, bzw. meist wissen sie nicht einmal, was "westfälische Dialekte" bedeutet. Am extremsten ist die Situation in Essen. Diese westfälische Stadt gehört seit 1815 zur Rheinprovinz bzw. zum Reg.-Bz. Düsseldorf und zum Landschaftsverband Rheinland. Viele Essener ordnen ihre Stadt nicht mehr Westfalen zu (?).
Die westfälisch-rheinische Grenze durchzieht den Südrand des Ruhrgebietes. Der westfälische Teil ist also der größere. Die sprachliche Situation ist im Ruhrgebiet tendentiell einheitlich, aber der sprachliche Unterschied zwischen (nieder)rheinischem Ruhrgebiet und westfälischem Ruhrgebiet ist noch spürbar.
Heute wird unter Münsterland meist auch das Tecklenburger Land (eine der evangelischen Enklaven in Nordwestdeutschland) sowie das Westmünsterland subsumiert. Dadurch entspricht die Vorstellung von "Münsterland" heute meist dem Reg.-Bz. Münster ohne seinen Anteil am Ruhrgebiet.
In den Grafschaften Steinfurt (die ehemalige Grafschaft umfaßt nur die Hälfte der heutigen Gemeinde Steinfurt, die aus den Ortshälften Burgsteinfurt (ehemals Gft.) und Borghorst (ehemals münsterisch) besteht) und Lingen (der NRW-Anteil entspricht ungefähr dem Altkreis Tecklenburg, heute Teil des Landkreises Steinfurt) war nach der Ablösung des Niederdeutschen bis ins 19. Jh. Niederländisch vorherrschende Schriftsprache.
Man spricht Hochdeutsch, teilweise mit sauerländischem Substrat. Dies gilt vor allem für die Älteren, die auch im Hochdeutschen noch das gerollte R verwenden (so Franz Müntefering, um ein prominentes Beispiel zu nennen, ebenso der ehem. Bundespräsident Lübke). Das Sauerländische hört man höchstens noch unter alten Leuten auf dem Land. Dabei ist das Sauerland in einen westlichen dichter besiedelten protestantischen Teil und einen östlich, höher gelegenen und katholischen Teil geteilt. Die Wahrscheinlichkeit, auf Sauerländischsprecher zu treffen, ist im katholischen Teil höher, auch die Wahrscheinlichkeit für sauerländisches Substrat. Im protestantischen märkischen Sauerland wird praktisch nur noch Hochdeutsch mit westfälischem Anklang gesprochen. Die Wittgensteiner Höhendörfer im Hochsauerlandkreis sind erst vor einigen Jahrhunderten (durch Sauerländer) besiedelt worden.
Im Siegerland, das zwar in das heutige Rheinland-Pfalz hereinragte, dessen größter Teil aber zur preußischen Provinz Westfalen gehörte, werden traditionell moselfränkische Dialekte gesprochen, das Siegerländer Platt. Im ebenfalls zur Prov. Westfalen gehörenden Wittgensteiner Land (das heute mit dem Siegerland zu einem Landkreis vereinigt ist), wird Oberhessisch gesprochen.
Diese Dialekte sind heute aber bedroht. Allgemeine Umgangssprache ist Hochdeutsch, mit moselfränkischem bzw. hessischem Substrat.
Geschichte des Siegerlandes
Wohl seit der Mitte des 1. Jts.v.Chr. lebten Kelten in der Gegend. Sie holzten die Wälder der Region ab und vernichteten damit ihre Lebensgrundlage. Zwischen dem 1.-8. Jh. war die Region daher unbesiedelt. Danach wurde sie durch Franken neubesiedelt. Die Siedler kam wohl vor allem aus dem Südwesten, da das Siegerland heute den nordöstlichsten Vorposten des Moselfränkischen darstellt. Damals war sie Grenzgebiet zu den Sachsen, schon bald nach der Besiedlung wurde Sachsen aber ebenfalls fränkisch. Die Sprachgrenze blieb aber bestehen, obwohl in den folgenden Jahrhunderten sächsisch, genauer westfälische Einflüsse auf die lokalen Dialekte wirkte. Stärker waren die hessischen Einflüsse aus dem Osten und die ripuarischen aus dem Westen. Das Siegerland war Teil des Hzt. Franken im Ostfränkischen Reich. Dieses Reich wurde später Hl. Römisches Reich Dt. Nation genannt, nach der Auflösung der Stammesherzogtümer kam die Region schließlich zu Nassau, nach der Teilung Nassaus entstand das Fst. Nassau-Siegen, das seinen Kern im Siegerland hatte und auch den größten Teil der Region umfaßte. Dadurch wurde oder blieb das Siegerländer Platt eine Mundart mit ausgeprägten eigenen Merkmalen. Daran änderte auch die spätere Teilung Nassau-Siegens in einen katholischen und einen evangelischen Teil nichts. Seit 1815 ist das Siegerland preußisch, seit 1817 Teil der Prov. Westfalen, die 1947 in das Land Nordrhein-Westfalen überging; in diesem wurde es 1974 mit dem Kreis Wittgenstein vereinigt. Sie gehören dabei als einzige nicht-westfälische Region zum Landesverband Westfalen-Lippe. Spätestens seit dem 20. Jh. ist das Siegerländer Platt bedroht. Der Dialekt nahm immer mehr hochdeutsche Elemente auf. Seit den 70er Jahren wachsen die meisten jüngeren Siegerländer ganz mit dem Hochdeutschen auf, es bleibt nur ein geringes siegerländisches Substrat zurück.
K. Heeroma (1964): Stratigrafie van de
Oostnederlandse volkstaal, in: Heeroma, K. en Naarding, J.:
Oostnederlands. Bijdragen tot de geschiedenis en de streektaalkunde van
Oost-Nederland, 's Hertogenbosch.
Ludger Kremer (1983): Mundart im Westmünsterland (Schriftenreihe des Kreises
Borken; 5), Borken: Kreis Borken.
Alfred Metzenroth (p.M.)
Wikipedia.