
Offizielle Amtssprache: Französisch, Deutsch
Einheimische Umgangssprachen: Frankoprovenzalisch, ·Französisch, Walliserdeutsch
[Die rote Linie bezeichnet die Grenze zwischen den deutsch- und den französischsprachigen Bezirken (letztere sind im Westen).]
Das Wallis teilt sich in das germanischsprachige Ober- und das romanischsprachige Unterwallis.
Im Oberwallis wird Walliserdeutsch gesprochen. Die Walliser sind die Nachkommen der Alemannen, die im 9. Jh. in das Oberwallis einwanderten, wahrscheinlich in zwei Wellen einerseits vom Berner Oberland her, andererseits aus der Innerschweiz kommend. Die walserdeutschen Dialekte teilen sich in das Unterwalserdeutsche im äußersten Nordosten, das Gomser Walserdeutsche und das Lötschenbergische. Zwischen dem Unterwalserdeutschen und dem Gomser Walserdeutschen gibt es eine Übergangszone. Unterwalserdeutsch und Lötschenbergisch weisen eine ganze Reihe von Merkmalen auf, in denen sie die Entwicklung vom Althochdeutschen zum Mittelhochdeutschen bis heute nicht mitgemacht haben (z.B. mehrere Infinitiv-Endungen, weniger reduzierte Silben (mit "Murmelvokal" -e-/Schwa)). Das Gomser Walserdeutsch weist diese Merkmale meist nicht auf, es weist schon zum Innerschweizerischen. Es ist von den übrigen walliserdeutschen Dialekten deutlich getrennt. Die Übergangsdialekte weisen bilden eine Zwischenposition, gehören aber insgesamt eher zum Unterwalserdeutschen. Das Lötschenbergische teilt auch einige Merkmale mit dem Berner Oberländischen, es hatte früher auch den relativ meisten Kontakt nach Norden.
Die Walliserdialekte stellen keine Sprachgemeinschaft mit dem übrigen Schweizerdeutsch (mehr) dar (außer teilweise das Unterwalserdeutsche). Das merkt man auch daran, daß in jüngster Zeit die Einflüsse aus dem Hochdeutschen anders umgesetzt werden. Es werden auch Wörter übernommen, die für übrige Schweizer nur als hochdeutsch empfunden werden, wie "Frühstück" statt "Zmorge". Walliser, die das Land verlassen, bedienen sich meist einer koine-ähnlichen Sprachform, teilweise auch ein Berner-Koine-ähnlichen Form, da sie vor allem ins Bernbiet auswandern. Im Unterschied zu anderen Schweizern verändern sie die Sprache im Kontakt mit Auswärtigen bewußt. Auch Hochdeutsch benutzen einige im Kontakt mit anderen Schweizern. Walliserdeutsch wird nämlich von übrigen Schweizern nicht verstanden - auch dies gilt für kaum einen anderen alemannischen Dialekt. In jüngster Zeit verändert sich das Walliserdeutsche und wird dadurch stärker verschieden von den außerhalb des Wallis gesprochenen walserdeutschen Dialekten, die in aller Regel konservativer sind: das Bündnerwalserische, das Walserdeutsche Liechtensteins und Vorarlbergs sowie die Sprachinseln in romanischem Gebiet, im Aostatal. Quelle des Einflusses ist vor allem Hochdeutsch, in geringerem Maße auch Berndeutsch oder die schweizerdeutsche Koine. Nach 1800 gab es eine Französisierungstendenz seitens des nun tonangebenden Unterwallis, die aber im 20. Jh. gestoppt wurde.
Weite Teile des Oberwallis sind vom Skitourismus geprägt. Es gibt daher auch viele auswärtige Arbeitskräfte, sowohl aus der übrigen Schweiz als auch aus Deutschland, in geringerem Maße auch aus anderen Ländern. Daher müssen Walliser auch im Wallis öfter auf das Ausgleichsschweizerische, das sie in der übrigen Schweiz benutzen, auf Hochdeutsch oder auch Französisch oder Englisch zurückgreifen. Die Tendenz, weiter Walliserdeutsch zu sprechen und den Auswärtigen damit zum Erwerb passiver Walliserdeutschkenntnisse zu zwingen, ist hier aber größer als in der "Üsserschwyz", wie die Walliser die übrige Schweiz nennen. Allerdings wird die Sprache dann immer eher von Koine oder Hochdeutsch beeinflußt sein als im Umgang mit gebürtigen (Ober-)Wallisern.
Im Unterwallis spricht man traditionell Valaisan, eine frankoprovenzalische Dialektgruppe. Heute wird diese Sprache noch in einigen Tälern vorwiegend gesprochen. Nur in der Gemeinde Evolène im äußersten Südosten des Sprachgebiets, also im höchstgelegenen und dem Deutschen am nächsten gelegenen Ort, wird allerdings Valaisan auch noch von den (meisten?) Kindern gesprochen. Im übrigen Unterwallis herrscht inzwischen ein frankoprovenzalisch beeinflußtes Französisch vor. Vor 1800 hatte Deutsch eine große Bedeutung, da das Unterwallis Untertanenland des Oberwallis war. Einige Städte, wie Sitten, wurden germanisiert. Diese Entwicklung drehte sich nach 1800 um.
http://www.arpitan.ch/.
Wikipedia.
Rudolf Hotzenköcherle
(1984): Die Sprachlandschaften der deutschen Schweiz (Sprachlandschaft; Bd. 1),
Aarau : Sauerländer.
Fritz René Allemann
(51985): 26mal die Schweiz (Serie Piper,
Panoramen der Welt), München/Zürich: Piper.