
Offizielle Amtssprache: Usbekisch
Vorsowjetische Sprachfamilien: Turksprachen, Iranisch, Slawisch, Arabisch
Hauptsächliche Umgangssprachen: Usbekisch, Russisch, Tadschikisch, Kasachisch, Karakalpakisch
Die Mehrheit der Bevölkerung spricht Usbekisch, in Karakalpakistan Karakalpakisch. Es gibt auch eine kleine türkische Minderheit, in Karakalpakistan auch eine beträchtliche kasachische. Russisch spielt noch eine große Rolle, es leben auch noch einige Einwanderer aus Sowjetzeiten im Lande, die meist Russisch sprechen. Usbekisch soll seit 1993 mit lateinischen statt kyrillischen Buchstaben geschrieben werden, daran hält sich aber nur ein Teil der Schriftbenutzer.
Es gibt eine sehr kleine arabisch sprechende Minderheit (Usbekisch-Arabisch), sowie eine sehr große persischsprachige. Letztere sprechen meist Tadschikisch, außer dem nichtausgewanderten Rest der Juden, die Judenpersisch sprechen. Die Tadschikisch-Sprecher leben vor allem in großen Städten wie Samarkand und Buchara sowie in einer der drei usbekischen Enklaven in Kirgisien. Im Westen des Landes, dem alten Choresm, also auch in Karakalpakstan, wohnt auch eine beträchtliche Zahl Turkmenen. Die kirgisische Minderheit lebt vor allem im Fergana-Tal. Die uigurische Minderheit im Fergana-Tal ist weitgehend usbekisch assimiliert.
Nach dem Ethnologue gibt es noch folgende Sprachen in Usbekistan: Tadschikisch-Arabisch, Armenisch, Aseri, Baschkirisch, Weißrussisch, Tschetschenisch, Tschuwaschisch, Dargwa, Domari, Dunganisch, Erzya, Georgisch, Deutsch (wohl auch Niedersächisch), Inguschisch, Karatschaiisch, Balkarisch, Koreanisch, Lak, Lesgisch, Litauisch, Nogaiisch, Ossetisch, Parya, Rumänisch, Tabassaranisch, Tatarisch, Tsakhur, Ukrainisch, Uigurisch, Krimtatarisch (die Juden, soweit sie noch im Land sind, sprechen einen besonderen Dialekt). Sie dokumentieren Usbekistans sozusagen unfreiwillige Rolle als Einwanderungsland in sowjetischer Zeit. Einige der Gruppen kamen unfreiwillig wie die Wolgadeutschen (die niedersächsische und deutsche Dialekte sprachen - die Unter-60-jährigen sprechen fast ausschließlich Russisch) und die Krimtataren.
Bis in die 30er Jahre hatte Usbekistan mit Kasachstan, Turkmenistan, Kirgisien und Aserbaidschan eine gemeinsame Schriftsprache, das Tschagatai-Türkische, das mit arabischen Buchstaben geschrieben wurde. In den 30er Jahren wurde die usbekische Schriftsprache geschaffen, erst mit lateinischen, seit den 40ern mit kyrillischen Buchstaben.
Usbekisch läßt sich in folgende Dialektgruppen untergliedern: Kiptschakisch im Norden und Nordwesten, das das Bindeglied zum Kasachischen und Karakalpakischen darstellt; Nordusbekisch im Norden; Westusbekisch, das das Bindeglied zum Turkmenischen darstellt, Südusbekisch, das Grundlage der Schriftsprache ist und in den kulturellen Zentren (Buchara, Samarkand, Taschkent) gesprochen wird; letzteres läßt sich unterteilen in iranisierte Dialekte und weniger iranisierte Dialekte. Erstere sind Grundlage der Schriftsprache und werden vor allem in den Städten gesprochen.
Die Juden Bucharas sind nach Israel oder andere Teile der Sowjetunion ausgewandert. Sie sprachen Judenpersisch.
Die ersten Völker, die wir kennen, waren Baktrer, Sogden, Massageten und Skythen. Sie gehörten alle zu den iranischen Völkern. Die Skythen verließen Usbekistan im 6. Jh.v.Chr. Im gleichen Jahrhundert kam das gesamte heutige Staatsgebiet unter persische Herrschaft, nachdem die Massageten den Persern noch eine Weile Widerstand leisteten. Mit dem übrigen persischen Reich fiel das Gebiet im 4.Jh.v.Chr. an Alexander, nach dessen Tod an seine Diadochen, hier an die Seleukiden. Mitte des 3. Jh.v.Chr. wurden sie von den Parthern abgelöst, die ein von griechischer Kultur geprägtes persisches Reich schufen. Baktrien wurde ein unabhängiges hellenistisches Reich. Schriftsprache war Griechisch und die (mittel)iranische Sprache Baktrisch, die mit griechischen Buchstaben (mit einigen Zusatzbuchstaben) geschrieben wurde. Um 130v.Chr eroberten Tocharer das baktrische Reich. Sie gründeten das Reich von Kuschan. Schriftsprache blieb meist das griechisch geschriebene Baktrisch. Nach dem Ende des Kuschan-Reiches im 3. Jh.n.Chr. gerieten Sogdien und Baktrien unter die Herrschaft des persischen Sassaniden-Reichs. 150 Jahre später wurden sie von den Weißen Hunnen oder Hephthaliten abgelöst. Diese assimilierten sich aber schnell an die eimheimische Kultur. Ende des 6. Jhs. wurde das hephthalitische Reich zwischen den Sassaniden (Baktrien) und türkischen Völkern (Sogdien) aufgeteilt; der sassanidische Teil fiel aber bald ebenfalls an die Türken. Im 8. Jh. eroberten die Araber das Gebiet. Die Bevölkerung wurde nach und nach islamisiert. Später entstanden arabische Staaten auf dem Gebiet Usbekistan; in ihnen kam es zur Wiederentstehung der persischen Schriftsprache, die jetzt mit arabischen Buchstaben geschrieben wurde und viele arabische Fremdwörter übernommen hatte. In Usbekistan waren die herrschenden Dynastien die Samaniden, später Karachaniden und Ghasnawiden. Im 13. Jh. eroberten die Mongolen Usbekistan. Im 14. Jh. wurde das Gebiet Teil des Timuriden-Reichs. Während dieser Epochen war das heutige Usbekistan ein Zentrum persischer Kultur.
Um 1500 wanderten erobernd die Usbeken aus der Steppe in das heutige Usbekistan. Sie gründeten drei Chanate: Chiwa, Buchara und Kokand. Ihre Schriftsprachen waren Persisch und Tschagatai-Türkisch. Sie assimilierten viele Einheimische. Eine persischsprachige Minderheit konnte sich aber halten, vor allem im Gebiet um Samarkand. Im 19. Jh. gerieten diese Chanate unter russische Herrschaft, das Chanat Kokand wurde aufgelöst und dem Russischen Reich zugeschlagen, Chiwa und Buchara blieben als Protektorate bestehen, waren aber faktisch auch Teil Rußlands. Sie konnten aber die persische oder tschagataiische Schriftsprache halten, während das Kokander Gebiet unter die Russifizierungspolitik des ausgehenden 19. Jhs. fiel. Nach der Oktoberrevolution wurden die Chanate zunächst in Volksrepubliken umgewandelt: VR Buchara und VR Choresm. 1924 wurde sie als Usbekische SSR zusammen mit dem Kokander Gebiet, das Teil der Turkestanischen ASSR war, Teil der Sowjetunion. Karakalpakistan und die Kisilkum-Wüste kamen 1936 dazu (vorher Teil Kasachstans). Eine usbekische Schriftsprache wurde geschaffen, zunächst mit lateinischen Buchstaben, seit 1940 mit kyrillischen Buchstaben geschrieben. Periodisch griff aber auch in der Sowjetunion eine Russifizierungspolitik, sodaß gegen Ende derselben Russisch allgemeine Schriftsprache geworden war und viele auch besser Russisch als Usbekisch sprachen. Zudem wurden in den 40er Jahren viele Völker nach Usbekistan deportiert, später wanderten viele Russen ein, sodaß Usbeken nur noch eine Minderheit im Land waren.
Die Karakalpaken wurden im 18. Jh. von den Kasachen in ihre heutigen Siedlungsgebiete vertrieben.
1991 wurde Usbekistan unabhängig. Viele Russen und Mitglieder anderer Nationalitäten (die inzwischen auch meist russischsprachig waren) verließen das Land. Heute sind 73,7% Usbeken, 5,5% Russen, 5,1% Tadschiken, 4,2% Kasachen, 2% Krimtataren, 2% Karakalpaken, 1,1% Koreaner. Außerdem gibt es noch Uiguren, Deutsche, Mescheten, Aserbaidschaner und Kurden. 1993 ersetzte die lateinische Schrift offiziell die kyrillische. Viele benutzen aber bis heute weiterhin die kyrillische.
Ethnologue.
Judith Peltz (2000): Usbekistan entdecken:
Entlang der Seidenstraße nach Samarkand, Buchara und Chiwa (Trescher Reihe
Reisen), Berlin: Trescher.
http://karakalpak.com/history.html.
Hermann Parzinger (2004): Die Skythen (Beck'sche Reihe Wissen), München: Beck.