
Offizielle Amtssprache: Ungarisch
Umgangssprachen: Ungarisch, Stokawisch, Tschakawisch, Kajkawisch, Bairisch, Alemannisch, Mitteldeutsch, Roma, Slowakisch, Ruthenisch, [Ossetisch]
Man muß für Ungarn unterscheiden zwischen dem vornehmlich ungarischsprachigen Kernland und den Landschaften in der Peripherie, in denen Ungarn traditionell lediglich die Bevölkerungsmehrheit stellen. Die Landschaften in der Peripherie sind meist Teile historischer Landschaften, die 1920 zwischen Ungarn und anderen Staaten aufgeteilt wurden. Solche Landschaften sind vor allem die Batschka im Süden, die zwischen Serbien (Vojvodina) und Ungarn geteilt ist, und der Banat, der gleich zwischen drei Staaten aufgeteilt ist: Serbien (Vojvodina), Ungarn und Rumänien. Die Batschka wird von Ungarn, Serben, Donauschwaben, ... bewohnt, der Banat von Ungarn, Serben, Rumänen, Donauschwaben, ... Auch die übrigen Grenzregionen sind sprachlich durchmischter; sie waren es vor dem Ersten Weltkrieg noch in höherem Maße. Im Norden siedeln im Grenzgebiet zur Slowakei viele Slowaken. Im Nordosten siedeln auch Ruthenen. Im Südwesten gibt es viele Slowenen, und außer im Banat sind auch in Bihar und Békés Rumänen zu finden. Nur im Westen ist die Grenze zum österreichischen Burgenland weitgehend auch eine Sprachgrenze. Nur Ödenburg (Sopron), das wie in Zipfel nach Österreich hineinragt, ist hauptsächlich bairischsprachig; lediglich die Burgenlandkroaten sind auf beiden Seiten der Grenze zu finden.
"Donauschwaben" sind Nachfahren fränkischer, alemannischer und bairischer Einwanderer zu Zeiten der Türkenkriege. Viele Donauschwaben sind nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland ausgewandert, doch war in Ungarn das Ausmaß der Auswanderung weit geringer als im übrigen Osteuropa.
Außer diesen tendentiell grenznahen Siedlungsgebieten gibt es folgende kompakte Minderheitensiedlungen: Slowaken im Komitat Békés, Donauschwaben im südwestlichen Mittelgebirge und in der Schwäbischen Türkei im Süden des Landes, Serben in der Kiskun und in Baranya, in Resten auch um Budapest. Zigeuner, meistens Roma, sind in Ungarn eine bedeutende Minderheit, trotz großer Verluste im Holocaust. Radikaler sind die ungarischen Juden ausgelöscht worden. Sie waren meist im 19. Jh. eingewandert und sprachlich weitgehend assimiliert. Die wenigen Überlebenden leben heute in Israel.
Das ungarische Volk ist recht homogen, auch hinsichtlich der Sprache. Sie führen sich auf die im 9. Jh. eingewanderten Ungarn zurück. In den Landschaften Kiskun und Nagykun leben die Nachfahren von Kumanen aus dem 12. Jh., die sich sprachlich aber assimiliert haben. Ebenso auf kumanische Einwanderung ohne sprachlichen Rückstände gehen wahrscheinlich die Paloczen, die entlang der Flüsse Ipoly, Zagyva und Sajó siedeln, zurück. Die Menschen der Jászság führen sich auf ossetische Einwanderung zurück; der Jász-Dialekt des Ossetischen ist allerdings bereits im 15. Jh. ausgestorben. Eigene Traditionen pflegen auch die Matyoer in der Großgemeinde Mezökövesd.