
Offizielle Amtssprache: Türkisch
Sprachfamilien: Turksprachen, Kaukasisch, Iranisch, Semitisch, [Griechisch, Armenisch, Romanisch (Kastilisch), Slawisch, Albanisch, Indoarisch (Zigeuner)]
Die Türkei besteht offiziell aus 81 Provinzen, die inoffiziell zu sieben Regionen zusammengefaßt werden. Diese Regionen sind die Grundlage der folgenden Beschreibung. Einige Provinzen und Gebiete werden gesondert behandelt.
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Der größte Teil der Türkei ist türkischsprachig. Es werden einige weitere Turksprachen gesprochen, diese werden aber vom türkischen Staat nicht als eigene Sprachen anerkannt und ihre Sprecher nicht als Minderheit.
Aufgrund von Aus- und Rückwanderung und Tourismus sind Englisch und Deutsch als Fremdsprachen weit verbreitet, teilweise auch Französisch. Über das Land verteilt sind Zigeuner, die Domari oder Romani sprechen. Auch Kurden finden sich heute im ganzen Land, außerhalb Kurdistans stellen sie aber nur kleinere Minderheiten.
Bis 1922 waren die Griechen eine bedeutende Minderheit. Sprachlich galten als Griechen zwei Gruppen: griechischsprachige und türkischsprachige. Menschen, die Türkisch sprachen und orthodoxe Christen waren, galten also ebenfalls als Griechen. Auch sie wurden 1923 nach Griechenland vertrieben, wo sie sich schnell assimilierten. Griechischsprecher lebten vor allem im kompakten Gebiet an der Westküste sowie in der Gegend von Trapezunt (Trabzon) und in Kappadokien. Sie stellten in diesen Regionen die Bevölkerungsmehrheit. Letztere beide Gebiete waren vom übrigen griechischsprachigen Gebiet isoliert, so daß sich dort besondere Dialekte entwickelt hatten; der Trapezunter Dialekt wird Pontisch genannt. Besonders dieser ist vom übrigen Griechischen sehr weit entfernt.
Griechisch- wie türkischsprachige Christen (auch sie wurden "Griechen" genannt) mußten in einem Bevölkerungstausch, in dem eine halbe Million Muslime (griechisch- und türkischsprachig) in die Türkei und ein bis anderthalb Millionen Christen nach Griechenland ausgesiedelt wurden, ihre Heimat verlassen. In Griechenland waren von dem Bevölkerungstausch Ostthrakien ausgenommen, in der Türkei nur Istanbul und die Ägäis-Inseln Imbros und Tenedos. Inzwischen sind in beiden Gebieten die meisten Griechen ausgewandert, d.h. durch Repressionen aus dem Land getrieben, man findet kaum noch Griechischsprecher. Viele sind auch Muslime geworden.
Über West- und Zentral-Anatolien verteilt finden sich adygeische Gruppen; früher wurden sie Tscherkessen genannt.Nachdem im Balkan die osmanische Herrschaft beendet wurde, flohen oder übersiedelten viele Muslime in die Türkei. Die Mehrheit von ihnen sprach Türkisch, es waren aber auch Muslime anderer Muttersprache darunter, die also vor allem Bosnisch, Bulgarisch oder Mazedonisch sprechen (oder auch Griechisch, s.o.). Zum großen Teil haben sich ihre Nachkommen wohl inzwischen assimiliert, es gibt aber immer noch eine schwer bezifferbare, über das Land verstreute bosnisch-, bulgarisch- und mazedonischsprachige Minderheit.
Während des Afghanistan-Kriegs flohen viele Kirgisen aus Afghanistan in die Türkei. Sie leben heute in der Nähe des Van-Sees (Prov. Van und Kars).
Umgangssprachen: Türkisch, (Lasisch, Georgisch, Kurdisch, Abchasisch), [Griechisch, Ubychisch]
Zur Region Marmara gehört auch die europäische Türkei, die hier als Thrakien und Istanbul gesondert behandelt wird. Auch die Inseln Imbros (Gökceada) und Tenedos (Bozcaada) werden getrennt besprochen.
Im asiatischen Festlands-Teil der Marmara-Region wird heute fast nur Türkisch gesprochen, nachdem die griechische Bevölkerungsmehrheit 1923 das Land verlassen mußte. In der Provinz Sakarya gibt es georgische, abchasische und lasische Dörfer, lasische auch in Kocaeli. In Kocaeli leben auch viele Kurden.
Im asiatischen Teil der Marmara-Region befinden sich außer Istanbul die Provinzen die Provinzen Çanakkale (allerdings nur ein Teil, der Rest liegt in Europa) sowie Balıkesir, Bursa, Bilecik, Yalova, Kocaeli und Sakarya.
Geschichte
In der Antike bestand der asiatische Teil der Marmara-Region aus den Landschaften Mysien, Bithynien und Troja.
In Mysien (etwa heutige Prov. Balıkesir) sind Thraker, genauer der thrakische Stamm der Mysoi, die älteste bekannte Bevölkerung. Die Myser gerieten im 6. Jh.v.Chr. unter persische Herrschaft.
Hethitische Quellen nennen die Wilusa in der späteren Landschaft Troja (etwa asiatischer Teil der heutigen Prov. Çanakkale), die genauer Troas genannt wird, um sie von ihrem Zentrum, der Stadt Troja, zu unterscheiden. Die Wilusa sind sprachlich nicht zuzuordnen, ebensowenig wie die Troier, Troer oder Ilier, der Bevölkerung, die im 12. oder 13. Jh.v.Chr. von den Griechen im berühmten Trojanischen Krieg erobert wurde; nach dem Krieg wurden die Troier von Achäern und Äoliern verdrängt oder assimiliert. Die Troier waren aber möglicherweise ein illyrisches Volk, ebenso wie die benachbarten Dardaner oder Teukrer (die aber vielleicht auch zu den Troiern gehörten), die sich wohl über den Krieg hinaus bis in persische Zeit halten konnten. Auch Troja geriet im 6. Jh.v.Chr. unter persische Herrschaft und wurde seit der Diadochenzeit als Teil der Landschaft Mysien behandelt.
Auch in Bithynien lebten wohl Thraker, und zwar die Stämme der Thynier und Bithyner. Auch sie wurden im 6. Jh.v.Chr. persisch.
Fast die gesamte Küste entlang bildeten sich im 8. Jh.v.Chr. äölische griechische Stadtstaaten, die ebenfalls im 6. Jh.v.Chr. an das persische Reich fielen.
Die persische Herrschaft hatte sprachlich kaum Auswirkungen. Nur im (seltenen) Verkehr mit der Zentralregierung brauchte man das Aramäische.
Im 4. Jh.v.Chr. wurde das persische Reich von Alexander erobert. Nach seinem Tod bildeten sich die sogenannten Diadochenreiche. In der Region waren dies die kleinräumigen Reiche Pergamon (Mysien) und Bithynien. Während dieser Zeit wurden die Thraker hellenisiert. Das Thrakische starb in Asien aus. Im 2. Jh.v.Chr. fiel der Westen, im 1. Jh.v.Chr. der Rest der Region an das Römische Reich. Hier bildeten sie die Provinzen Asia (u.a. Mysien) und Bithynien und Pontos. Das Griechische blieb unter römischer Herrschaft die Hauptsprache der Region. Nach der Reichsteilung 395 war sie Teil des Oströmischen Reichs. Die Region wurde christlich (später genauer orthodox).
1204 wurde die Region Teil des Lateinischen Kaiserreichs, das Nizäische Reich (der Nachfolger Ostroms(Byzanz)) ragte aber in die heutige Region hinein. In ersterem gab es eine meist romanischsprachige Oberschicht. 1261 wurde das Byzantinische Reich wiederhergestellt. Schon gut hundert Jahre später (Teile davon sogar nur fünfzig Jahre) bildete die Region aber den Kern des Osmanischen Reichs. Türken wanderten ein. Unter osmanischer Herrschaft wurde ein Teil der Bevölkerung türkisiert und islamisiert. Griechen blieben aber bis 1923 die Bevölkerungsmehrheit oder zumindest ein großer Teil der Bevölkerung. Später wanderten auch einige Georgier, Lasen, Abchasen und Kurden ein.
1920 kam die Region unter internationale Kontrolle. Seit 1923 ist sie Teil der Rep. Türkei, die griechische orthodoxe Bevölkerung wurde vertrieben, Türken aus anderen Regionen traten an ihre Stelle. Die Umgangssprache ist daher und aufgrund der Nähe zu Istanbul nah am Standard.
Wikipedia.
Walter Leisering (Hrsg.)(1983): Putzger
Historischer Weltatlas, 100. Aufl., 5. Druck, Bielefeld: Cornelsen-Velhagen & Klasing.
Thrakien ist die Osthälfte der historischen Landschaft Thrakien. Die Westhälfte gehört zu Griechenland.
Man spricht Türkisch. Bis 1922 gab es hier viele Griechen; 1920-1922 gehörte die Region auch zu Griechenland. Griechisch geprägt war die Region seit dem Altertum, nachdem die Thraker während des Hellenismus ihre Sprache zugunsten des Griechischen aufgegeben hatten. Seit dem 14. Jh. kam ein türkischer Einfluß hinzu. Islamisierung führte oft zur Übernahme des Türkischen. Allerdings gab es auch einige Pomaken, bulgarischsprachige Muslime. Da einige Griechischsprecher Muslime waren, waren auch sie vom Bevölkerungstausch ausgenommen. Außerdem kamen griechischsprachige Muslime aus Makedonien und West-Thrakien. Sie sprechen meist nordgriechische Dialekte, deren Bestand aber zugunsten des Türkischen bedroht ist. An Christen leben heute nur einige Gagausen in Türkisch-Thrakien.
Schon nach den Balkan-Kriegen (1912/1913) flohen zahlreiche Muslime nach Türkisch-Thrakien, die nicht alle Türkisch sprachen. Unter den geflohenen Muslimen waren neben Griechischsprechern auch Albaner, (weitere) Pomaken und Bosnier.
Es gibt ein estnisches und ein polnisches Dorf.
Außer Istanbul finden sich auf europäischer Seite die Provinzen Tekirdag, Edirne, Kirklareli und ein Teil der Provinz Çanakkale.
Istanbul war vom Bevölkerungstausch mit Griechenland teilweise ausgenommen. Nur etwa die Hälfte der Griechen mußte die Stadt (noch heute heißt Istanbul auf griechisch einfach "die Stadt") in Richtung Griechenland verlassen. Auch der Patriarch von Konstantinopel ist noch in der Stadt. Dennoch machen Griechen heute im Vergleich zum Osmanischen Reich nur eine kleine Minderheit aus. Die Spannungen zwischen Griechenland und der Türkei, die die türkische Regierung oft auch an den Istanbuler Griechen ausbadete, führten in mehreren Schüben dazu, daß heute nur noch ein paar Tausend Griechen noch (?) nicht nach Griechenland ausgewandert sind. Auch die Armenier, die auch einen Patriarchen in der Stadt haben, sind nur noch eine kleine Minderheit; aufgrund des Völkermordes von 1915 leben aber die meisten türkischen Armenier heute in Istanbul (denn die übrigen wurden zumeist ermordet). Obwohl gleichfalls eine kleine Minderheit, sind die sephardischen Juden interessant, da das Judezmo, das sie sprechen, sonst heute nahezu ausgestorben sind. Es gibt auch Arabischsprecher, Kurden/Zaza, Tataren, Uiguren und Kasachen (letztere Flüchtlinge aus Afghanistan) in der Stadt. Diese gehen auf relativ rezente Einwanderung zurück. Istanbul ist das Zentrum innertürkischer Migration. Mindestens zwei Drittel der Bevölkerung sind aber Türken. Der Istanbuler Dialekt ist die Basis des Standardtürkischen. Die nicht zur Stadt gehörenden Teile der Provinz Istanbul sind als Teil Thrakien bzw. der Marmara-Region zu betrachten. Das Ubychische in Haci Osman ist ausgestorben.
Bis 1923 wurde auf den beiden Inseln nur Griechisch gesprochen (seit der Antike). Im Frieden von Lausanne 1923 wurde den Inseln Autonomie zugesichert, diese wurde aber nie eingelöst. Die Inseln wurden der Provinz Çanakkale zugewiesen. Im Gegenteil setzte ein Repressionspolitik von Seiten der türkischen Regierung ein. Im Laufe der Jahrzehnte wurden viele Griechen so aus dem Land getrieben, außerdem wurden systematisch Türken vom Festland auf den Inseln angesiedelt. Heute gibt es auf Tenedos (türk. Bozcaada) fast keine Griechen mehr, auf Imbros (türk. Gökçeada) sind sie deutlich in der Minderheit. Sie tendieren auch zum Sprachwechsel zugunsten des Türkischen.
Die westlichen zwei Drittel waren bis 1923 mehrheitlich von Griechen bewohnt. 1920-1922 gehörten diese Gebiete zu Griechenland. Die Griechen wurden 1923 vertrieben. In den Gebieten siedelten sich Türken aus anderen Landesteilen an. Man spricht dementsprechend teilweise wohl Ausgleichsdialekte. Später zogen auch Kurden (einschl. Zaza), vielleicht auch einige Aramäischsprecher in das wirtschaftlich prosperierende Gebiet. In Izmir (Smyrna) wohnen auch seit Jahrhunderten Ladino-sprachige Juden. Sie sind aber großenteils nach Israel ausgewandert. Es gibt auch eine kleine ossetische Minderheit in der Prov. Mugla. In der Stadt Salihli in der Prov. Manisa leben Kasachen, Flüchtlinge aus Afghanistan.
Die Ägäis-Region besteht aus den Provinzen Manisa, Kütahya, Izmir, Aydin, Mugla, Denizli, Ushak und Afyonkarahisar (die Provinz hieß bis 2005 Afyon).
Historisch besteht die Ägäis-Region aus den (antiken) Landschaften Phrygien, Lydien und Karien sowie Ionien. An der Küste bestanden in der Antike dorische und ionische griechische Stadtstaaten. Ionien war ein bedeutendes kulturelles Zentrum der griechischen Kultur; darunter sind berühmte Städte wie Smyrna und Ephesus.
Die Schwarzmeerregion besteht aus den historischen Landschaften Bithynien, Paphlagonien und Pontus. Im Westen gab es auch ionische Kolonien. Bithynien war in der Antike von Thrakern bewohnt, Paphlagonien von den Pala.
In der Landschaft Pontus (östl. ab Prov. Ordu) hat sich das Griechische lange erhalten, tlw. bis heute. Bis 1923 gab es hier eine sehr bedeutende griechische Minderheit. Durch die Isolation hat sich ein besonderer Dialekt entwickelt, das Pontische. Da einige der Griechen Muslime waren, gibt es diesen Dialekt bis heute in dieser Region, allerdings mit Sprachwechseltendenzen zum Türkischen. In den Provinzen Rize und Artvin wohnen kaukasische Völker, vor allem Georgier und Lasen. Die Lasen sind zu einem großen Teil Muslime, aber es gibt auch christliche Lasen. Die Georgier sind meist Christen, nur zu einem geringen Teil Muslime. Außerdem gibt es Abasinen. Georgier gibt es auch in Ordu. In Bolu gibt es Abchasen, in Tokat Turkmenen. Es gibt auch "Meskhetische Türken". Sie unterteilen sich in die West-Hamscheni, die einen armenisch beeinflußten türkischen Dialekt sprechen, die Ost-Hamscheni, die Hopa-Hamscheni, einen archaiischen armenischen Dialekt sprechen, und die Nord-Hamscheni, die ebenfalls den armenischen Hamscheni-Dialekt sprechen. Die Nord-Hamscheni sind armenische Christen, die Hopa-Hamscheni sind Ende des 19. Jhs. zum Islam übergetreten. Die West-Hamscheni sind wohl schon im 17. Jh. zum Islam übergetreten und haben später auch das Türkische übernommen; vorher sprachen sie Armenisch.
Die Schwarzmeerregion besteht aus den Provinzen Bolu, Düzce (bis 1999 Teil Bolus), Zonguldak, Bartin, Karabük, Çankiri, Çorum, Kastamonu, Sinop, Samsun, Amasya, Tokat, Ordu, Giresun, Günüshhane, Bayburt, Trabzon, Rize und Artvin.
Die heutige türkische Region "Ostanatolien" unterteilt sich historisch, und zwar bis 1915, in die Regionen Westarmenien, Ardahan und Nordkurdistan. Sprachlich gesehen gehörte auch ein Teil Ostarmeniens zur heutigen Türkei, dies Gebiet soll hier aber unter Westarmenien mit subsumiert werden. Westarmenien war überwiegend von Armeniern besiedelt (West- und Ostarmeniern), Ardahan von Georgiern, Nordkurdistan von Kurden.
In ganz Ostanatolien gibt es einen großen Anteil Kurden an der Bevölkerung. In den meisten Provinzen stellen sie die Mehrheit der Bevölkerung, nur in Kars, Igdir, Erzurum, Erzincan und Malatya sind sie nur eine Minderheit, in Elazig, Tunceli, Mush und Bitlis stellen sie weniger als die Hälfte der Bevölkerung. In Hakkari sind 90% der Bevölkerung Kurden. Im Westen sprechen die Kurden zu einem Teil Zaza. Unter den Zaza betrachten sich die Sunniten (islam. Konfession) meist als Kurden, die Alewiten als eigenes Volk. Bis 1915 waren nördlich der Hakkari-Provinz Armenier ein großer Bevölkerungsanteil (z.B. ein Viertel in der Prov. Bitlis), tlw. die Bevölkerungsmehrheit (vor allem im Norden). Bis auf den Süd- und den Westrand gehörte Ostanatolien 1918-1923 (faktisch 1920) zu Armenien. Heute leben nur noch wenige Armenier in Ostanatolien. Hakkari gehörte zum Irak. Im Rest Ostanatoliens waren Volksabstimmungen vorgesehen. Die Türken im äußersten Osten sprechen schon Dialekte, die als aserbaidschanisch anzusehen sind (vor allem Kars, Agri und Igdir). Einige sehen sich auch als Aseri, auch deshalb, weil sie Schiiten sind. Auch die Karapapaken, die u.a. in Mush siedeln, sprechen einen aserbaidschanischen Dialekt. In Kars und Erzurum gibt es auch eine ossetische Minderheit. In den Städten sprechen auch viele Nicht-Türken Türkisch.
Die Prov. Ardahan ist besonders. Es gehört schon in den georgischen "Dunstkreis". Ardahan gehörte zwischen 1918 und 1923 (faktisch 1920) zu Georgien. Neben Türken und Aseris leben hier Karapapaken und kaukasische Minderheiten, vor allem Lasen. In jüngster Zeit leben hier auch viele Gastarbeiter aus Georgien und Armenien.
Ostanatolien besteht aus den Provinzen Shirnak, Hakkari, Van, Bitlis, Mush, Bingöl, Elazig, Malatya, Erzincan, Tunceli, Erzurum, Agri, Igdir, Kars und Ardahan.
Geschichte
Westarmenien gehörte im 3. Jt.v.Chr. zum Siedlungsgebiet der Churriter. Um 2000v.Chr. besiedelten indogermanische Völker, vor allem die Hethiter und Luwier, den Westrand des Gebiets. Während des 2. Jts.v.Chr. bildete sich hier das (ethnisch nicht einheitliche) Reich von Urartu. Trotz vieler Indogermanen waren die Urartäer die bedeutendste Bevölkerungsgruppe; sie sind möglicherweise Nachfahren der Churriter. Seit dieser Zeit existiert Schrift in der Region, zunächst noch in Form des Akkadischen. Bald wurde aber das Akkadische durch das in Keilschrift geschriebene Urartäische abgelöst. Daneben gab es eine einheimische Hieroglyphenschrift, die noch nicht entziffert ist. Sie ist wohl älter als Urartu. Schon in urartäischer Zeit wanderten Indogermanen unklarer Herkunft, vielleicht luwischer, nach Urartu ein. Sie vermischten sich mit den Urartäern, kaukasischen und vielleicht auch semitischen Bewohnern. Dies ist die gängige Theorie der Entstehung der Armenier.
Im 7. Jh.v.Chr. wurden die Urartäer von den Medern unterworfen. Diese wurden schon ein halbes Jahrhundert später Teil des Persischen Reichs. Im Persischen Reich war Aramäisch Amtssprache. Innerhalb Persiens bildete sich in Urartu eine lokale armenische Dynastie, die Jerwandiden. Diese wurde von Alexander dem Großen beseitigt. Nach seinem Tod gehörte Armenien zum Seleukidenreich. Griechisch löste das Aramäische ab. Spätestens Anfang des 2. Jhs.v.Chr. machten sich lokale Herrscher unabhängig und schufen das erste armenische Königreich. Ende des Jhs. umfaßte dieses Reich weite nicht-armenische Gebiete Kleinasiens. Griechisch blieb daher lingua franca des Reichs. Im 1. Jh.v.Chr. wurde Armenien römischer Vasall, was an der hellenistischen Ausrichtung seiner Kultur nichts änderte. In dieser Zeit wurde Armenien zum Zankapfel zwischen Rom und dem Partherreich. Armenien tendierte dabei immer nach Rom.
301 oder 314 wurde das Christentum Staatsreligion in Armenien. Damit ist Armenien das erste christliche Land der Geschichte. In dieser Zeit nahm es auch syrische Einflüsse auf. Im 5. Jh. begann die kulturelle Emanzipation von der griechischen Kultur. Es wurde eine armenische Schrift geschaffen, für griechische Termini armenische Entsprechungen entwickelt. Gleichzeitig begann im Christentum die konfessionelle Spaltung. Armenien tendierte im Gegensatz zu Rom/Byzanz zum Monophysismus. So bildete sich auch eine unabhängige armenische apostolische Kirche.
In den folgenden Jahrhunderten unterstand Armenien zeitweise den Parthern oder Sassaniden, Byzanz, später auch den Arabern, zeitweise war es unabhängig bzw. in mehrere unabhängige Staaten unterteilt.
Im 11. Jh. erfuhr Armenien eine einschneidende Veränderung. Es wurden von den (turksprachigen) Seldschuken unterworfen. Während die übrigen Oberherrscher nur nominell waren bzw. Tribute forderten, siedelten sich Seldschuken im armenischen Gebiet an; die Armenier wurden in höhere Lagen vertrieben. Nach dem Ende der seldschukischen Herrschaft kamen allerdings viele Armenier wieder in tiefere Regionen. Schon bald darauf zerfiel das seldschukische Reich nämlich in verschiedene Emirate. Mit den Seldschuken kamen möglicherweise Kurden; sie werden zumindest im 11. Jh. zum ersten Mal erwähnt. Zwischen 1236-1245 wurde Armenien dann, wie fast ganz Asien, Teil der Mongolischen Reichs. Auch diese Herrschaft begründete wieder eine Auswanderungswelle. Wie die Juden haben die ausgewanderten Armenier die Besonderheit entwickelt, sich weniger zu assimilieren als andere Auswanderer. So bildeten sich in mehreren Ländern Europas und Asiens armenische Minderheiten. Die Mongolen wurden vom Timuridenreich abgelöst, diese von den Kara und Ak Kojunlu, turkmenischen Stämmen.
Seit Anfang des 16. Jhs. war Armenien wieder zwischen zwei Großmächten umstritten: dem Osmanischen Reich und Persien, dem Safawidenreich. Armenien wurden zwischen diesen beiden Reichen mit wechselnden Grenzziehungen aufgeteilt. Im wesentlichen fiel der heutige Staat Armenien an Persien, Westarmenien an das Osmanische Reich; dort und in dessen Nachfolgestaat, der Türkischen Republik, ist es seitdem verblieben.
Westarmenien wurde auf die Generalgouvernemente Erzurum, Kars, Sebaste (Sivas), Wan und Diyarbakir aufgeteilt. Seit 1864 wird in der Türkei nicht mehr von Armenien (türk. Ermenistan) geredet, sondern Westarmenien als Teil Anatoliens betrachtet. Im Osmanischen Reich, das nach Glaubensgemeinschaften eingeteilt war, bildeten die Armenier eine eigene (türk.: millet). Mit der osmanischen Inbesitznahme begann kurdische Einwanderung nach Westarmenien. Diese lebten meist als nomadische Viehzüchter und von Überfällen auf armenische Dörfer in halbautonomem Status. Eine weitere Auswanderungswelle, diesmal innerhalb des Osmanischen Reichs, setzte ein.
1828 war der heutige Staat Armenien russisch geworden. 1878 fielen weite Teile des heute türkischen Teils ebenfalls an Rußland, vor allem die heutige Prov. Kars.
Nach dem jungtürkischen Putsch begann 1915 der Genozid an den Armeniern im Osmanischen Reich (die geringe internationale Aufmerksamkeit auf dieses Ereignis inspirierte später auch Adolf Hitler in seinen Plänen mit den europäischen Juden). Seitdem gibt es fast keine Armenier mehr in Westarmenien. Türken wanderten ein. Sie stellen seitdem vor den Kurden die Bevölkerungsmehrheit in der Region.
Nach der russischen Revolution bildete sich im heutigen Armenien und in Kars die "Demokratische Republik Armenien". Sie eroberte in der Folge auch weitere Gebiete Westarmeniens (in denen nun keine Armenier mehr lebten). Viele der Armenier, die den Massakern nach 1915 über die russische Grenze entflohen waren, kehrten zurück.
Zwei Jahre später eroberte die Türkei die Gebiete zurück, auch Kars (während das heutige Armenien an Sowjetrußland fiel). Die Armenier flohen wieder, diesmal auch diejenigen in Kars. Seitdem ist Westarmenien endgültig "armenierfrei". Die türkischen Einwanderer nahmen spätestens in der zweiten Generation die osttürkischen Dialekte der Umgebung an (?).
Tessa Hofmann (1997): Annäherung an Armenien: Geschichte und Gegenwart
(Beck'sche Reihe; 1223), München: Beck.
Wikipedia.
Südostanatolien ist im wesentlichen kurdisches Gebiet. In den Prov. Gaziantep und Kilis haben viele Kurden in den letzten Jahrzehnten das Türkische angenommen. Heute sprechen hier nur noch 20% Kurdisch. Daneben gibt es hier eine arabische sowie eine kleine usbekische Minderheit. Diese Minderheiten wohnen vor allem in den Städten. Die beiden Provinzen machen traditionell die türkisch-kurdische Sprachgrenze aus, daher gibt es auch auf dem Land viele Türken.
In den übrigen Provinzen stellen Kurdischsprecher weiterhin die Bevölkerungsmehrheit.
Es gibt eine beachtliche arabischsprachige und eine kleine türkische Minderheit. Die Kurden sprechen zwei Sprachen: Kurmandschi oder Kurdisch und Zaza, auch Dimli genannt. Unter den Zaza betrachten sich die Sunniten (islam. Konfession) meist als Kurden, die Alewiten als eigenes Volk. Letztere wohnen vor allem im Norden. In Urfa gibt es eine usbekische Minderheit. Im Osten gibt es eine beachtliche aramäischsprachige Minderheit. Zumindest Araber und Aramäer sprechen im kurdischen Gebiet meist auch Kurdisch. In den Städten sprechen auch viele jüngere Nicht-Türken Türkisch.
Aramäer sind fast ausschließlich Christen, und zwar entweder monophysitische Jakobiten (Suryani) oder Nestorianer (die sich Assyrer oder Chaldäer nennen; letztere sind mit der katholischen Kirche uniert). Auch unter den Arabern in der Türkei sind die Mehrheit Christen.
Südostanatolien besteht aus den Provinzen Kilis (früher Teil von Gaziantep), Gaziantep, Adıyaman, Şanlıurfa (bis 1983 Urfa), Diyarbakır, Mardin, Batman und Şiirt. Der Südrand Südostanatoliens gehörte 1920-1923 zu Syrien und Irak.
Kurden scheinen schon im Altertum die Gegend bewohnt zu haben, kulturell und historisch ist es im übrigen im Zusammenhang mit Mesopotamien zu betrachten.
Die Provinz Hatay wird weiter unten gesondert behandelt.
Die Mittelmeer genannte Region besteht aus den historischen Provinzen Lydien, Pamphylien, Lykaonien, Isaurien, Kilikien und Antiochia. Der Nordwesten gehörte zu Karien und Pisidien. In Pamphylien sprach man in der Antike Pamphylisch, um die Stadt Side aber Sidetisch. Lyder, Pamphylier, Karier und Pisidier waren Indogermanen und sprachen anatolische Sprachen, die Kiliker waren wohl Semiten und sprachen wahrscheinlich Aramäisch. Die Isaurier wurden niemals hellenisiert, erst mit den türkischen Zuwanderern verschmolzen sie. Antiochia wird als Hatay gesondert behandelt. Kilikien (heute Çukurova genannt) wurde im Mittelalter von Armeniern besiedelt und blieb bis 1915 vornehmlich armenischsprachig (nachdem es vom 7.-11.Jh. zum Kalifat gehörte). Es wurde auch Kleinarmenien genannt und war längere Zeit ein unabhängiges Königreich. Heute herrscht hier Türkisch vor, wie auch schon seit dem Mittelalter im übrigen Südanatolien. Grund dafür ist der Genozid von 1915, in dem die meisten Armenier umgebracht wurden. Es gibt eine arabische Minderheit, die Çukurova-Arabisch spricht.
In der Prov. Antalya gibt es eine ossetische Minderheit.
Auch Südanatolien, die Mittelmeer-Region, ist durch den Tourismus wirtschaftlich gut gestellt. Es gibt Einwanderer aus anderen Teilen der Türkei, auch Kurden. Vor allem Mersin ist stark "kurdisiert", die Kurden sind hier aber meist Kriegsflüchtlinge. Die "Griechen", die hier bis 1923 lebten, sprachen meist Türkisch; auch sie mußten aber das Land verlassen, nach Griechenland umsiedeln und dort Griechisch lernen.
Außer Hatay besteht die Region Mittelmeer aus den Provinzen Isparta, Burdur, Antalya, Karaman, Mersin (bis 2002: Içel), Adana und Osmaniye.
Hatay stand bis 1938 (seit 1920) unter französischer Herrschaft, als Teil Syriens. Danach entstand hier die kurzlebige Republik Hatay, die kurz nach ihrer Gründung der Türkischen Republik als Provinz Hatay einverleibt wurde.
In Hatay wohnen traditionell Türken, Arabischsprecher (die tlw. Christen, tlw. Muslime sind), Armenier, Kurden, Adygeier (Tscherkessen), Juden und Griechen. Viele Armenier waren erst nach dem Genozid 1915 eingewandert. Von den übriggebliebenen flohen viele 1939 in (das übrige) Syrien, ebenso Araber, Griechen emigrierten nach Griechenland. Die Juden zogen meist nach 1948 nach Israel. Auch in späteren Jahrzehnten sind noch Nicht-Türken aus Hatay ins Ausland geflohen. Bei der Einverleibung Hatays in die Türkei wurden Teile der Prov. Gaziantep und Adana zu Hatay geschlagen, um den Anteil von Türken an der Provinzialbevölkerung zu erhöhen. Heute gibt es eine kleine usbekische Minderheit.
Historisch besteht Zentralanatolien aus den Landschaften Kappadokien, Galatien sowie Teilen von Pontus, Lykaonien, Pisidien, Phrygien, Bithynien und Paphlagonien. Die westlichen zwei Drittel wurden während des Hellenismus griechischsprachig. Dieser Prozeß war aber erst in der Spätantike abgeschlossen. In Galatien wurde eine keltische Sprache gesprochen, das Kappadokische war eine anatolische Sprache (?). In Kappadokien hielt sich danach das Griechische besonders lang. Bis 1923 gab es eine bedeutende griechische Minderheit; diese hat durch die Isolation einen besonderen Dialekt entwickelt, der durch seine Verpflanzung nach Griechenland im Aussterben begriffen ist. Der äußerste Osten gehörte in der Antike zu verschiedenen Landschaften, "zuletzt" zu Armenien. In Sivas und Kahramanmarash sind gut 20% der Bevölkerung Kurden, außerdem gibt es in Ankara und Kirshehir eine beachtliche kurdische Minderheit und eine kleinere in Konya, die auf Einwanderung während des 19. Jhs. zurückgeht. Im Osten Sivas siedeln auch Karapapaken, die einen aserbaidschanischen Dialekt sprechen.
Möglicherweise gibt es in der Prov. Ankara noch Krimtatarischsprecher, die im 18./19. Jh. von der Krim geflohen sind.
In Kayseri gibt es besonders Kabardiner, Kasachen und Uiguren.
Zentralanatolien besteht aus den Provinzen Sivas, Yozgat, Kirshehir, Kirikkale, Ankara, Eskishehir, Konya, Aksaray (bis 1989 zu Nigde), Nigde, Nevshehir, Kayseri und Kahramanmarash.
Für eine genauere Darstellung vgl. die Kapitel zu den einzelnen Regionen.
Die Türkei ist eines der Länder, in dem wir besonders lange die sprachliche Entwicklung (bis zu einem gewissen Grad) nachvollziehen können. Schon zu Beginn des 3. Jahrtausends v.Chr. gab es auf heute türkischem Territorium eine Schriftsprache, das Hethitische, das mit Keilschrift geschrieben wurde. Später entwickelten sich auch verschiedene andere, meist indogermanische Sprachen zu Schriftsprachen, so daß wir sie kennen. Seit der Epoche des Hellenismus (3. Jh. v.Chr.) begann das Griechische in ganz Westanatolien die anderen Sprachen zu verdrängen, abgeschlossen war dieser Prozeß aber erst etwa im 6. Jh. n.Chr. Im frühen Mittelalter wurde entsprechend in der heutigen West-Türkei praktisch nur Griechisch gesprochen. Nach 1000 n.Chr. begann aber die Einwanderung türkischer Stämme. Sie assimilierten nach und nach die Griechen und auch Völker in Ostanatolien. Dabei wurde Inneranatolien schon ab 1100 türkisiert, die Küstenregionen erst im 14. Jh. "Abgeschlossen" ist dieser Prozeß zu einem gewissen Grade im letzten (also dem 20.) Jahrhundert, als die meisten Einwohner der heutigen Türkei, die nicht wie die türkischen Einwanderer Muslime geworden waren, das Land verlassen mußten. Vorher waren nur zwei Drittel türkischsprachig. Seitdem ist Türkisch die Sprache der überwiegenden Mehrheit der Einwohner der Türkei. Aber noch heute gibt es einige Minderheiten. Vor allem aufgrund der großen Zahl von Kurden machen Türken nur 80% der Gesamtbevölkerung aus.
Ethnologue.
Erkan Dilovan (p.M.)
Erich Feigl (1995): Die Kurden. Geschichte und Schicksal eines Volkes, München: Universitas.
Ralph-Johannes Lilie (1999): Byzanz: Geschichte des oströmischen Reiches 326-1453 (C.H. Beck Wissen in der Beck'schen Reihe; 2085), München: Beck.
Heinz Heinen (2003): Geschichte des Hellenismus. Von Alexander bis Kleopatra
(Beck'sche Reihe Wissen), München: Beck.