
)Offizielle Amtssprache: Arabisch
Umgangssprachen: Syrisch-Arabisch/Palästinensisch/Halbinsel-Arabisch/(Irakisch-Arabisch), Kurdisch, Aramäisch, Armenisch, Turkomanisch, (Türkisch), Griechisch, Domari
Antike Umgangssprachen: Ugaritisch, Akkadisch, Eblaitisch, Aramäisch, Phönizisch, Griechisch, Arabisch
[Der grüne Streifen wird von
UNO-Truppen kontrolliert und ist unbewohnt, der graue Streifen sind die
Golan-Höhen, die 1967 von Israel besetzt und 1981 annektiert wurden, völkerrechtlich aber noch als
Teil Syriens gelten. Sie sind unter Israel abgehandelt.]
Allgemeine Umgangssprache sind arabische Dialekte. Im Nordosten sind sie zum Irakisch-Arabischen zu zählen, im übrigen werden syrisch-arabische Dialekte gesprochen. Dabei zählen die nordsyrischen Dialekte als eigene Gruppe. Die Bevölkerung sind zu 75% sunnitische Muslime, zu 1% Schiiten, zu 6% Alawiten, zu 2% Drusen (wohnen im Süden), zu 15% Christen. Die Christen gehören zu verschiedenen Konfessionen, von denen einige Syrisch, andere Arabisch als Kirchensprache benutzen. Es haben sich auch bis heute einige aramäischsprachige Inseln in Syrien erhalten, und zwar im Nordosten sowie einigen Dörfern in der Nähe von Damaskus. Die Bewohner letzterer sind meist Muslime.
Im Nordosten leben neben einigen (meist christlichen) Aramäern vorwiegend Kurden. Sie sind teilweise Flüchtlinge aus dem Irak. Kurden leben auch im Bezirk Afrin (Gouv. Aleppo). In den großen Städten leben neben Arabern Griechen, Armenier und Turkomanen (syrische Turkmenen). Das syrische Turkmenisch ist von demjenigen in Turkmenistan deutlich verschieden; im Nordwesten ist sie dem Türkischen näher als dem mittelasiatischen Turkmenisch. Es gibt auch eine tscherkessische Minderheit, ein tschetschenisches Dorf im Nordosten, muslimische Griechen in Hamidiye an der libanesischen Grenze (sind im frühen 20. Jh. aus Kreta eingewandert und sprechen immer noch kretisches Griechisch). Über das Land verteilt streifen Domari. In der Wüste leben Beduinen, die meist halbinsel-arabische Dialekte sprechen.
Die seit dem Altertum im Land lebenden Juden, die besondere syrisch-arabische Dialekte sprachen, sind zum größten Teil in den 50er Jahren nach Israel ausgewandert. Umgekehrt sind viele Palästinenser in den letzten 50 Jahren nach Syrien geflüchtet.
Im Küstenbereich (Nordwestsyrien) entstand später eine andere Hochkultur, die von Ugarit. Ihr kommt das Verdienst zu, die erste Buchstabenschrift der Welt entwickelt zu haben; sie war eine Konsonantenschrift im Keilschriftdesign, das Alphabet umfaßte etwa 30 Zeichen. Das Ugaritische ist wohl westsemitisch, eine weitere verwandtschaftliche Zuordnung zu anderen westsemitischen Sprachen ist aber bisher nicht möglich. Neben Ugaritisch wurden in Ugarit Akkadisch, Sumerisch, Ägyptisch, Hethitisch, Hurrisch und Kyprominäisch als Schriftsprachen benutzt; zumindest bestanden so weitreiche Kontakte mit den Regionen, in denen diese Sprachen benutzt wurden, daß sich umfangreiche Texte in diesen Sprachen in Ugarit fanden.
Nach dem Sturm der "Seevölker" um 1200v.Chr. gab es Bevölkerungsverschiebungen. Unter anderem wanderten die Aramäer von der arabischen Halbinsel nach Obermesopotamien ein. Sie eroberten um 1000v.Chr. fast ganz Syrien. Sie waren in mehrere Kleinstaaten unterteilt. Seit dem 9. Jh.v.Chr. benutzten sie das Aramäische als Schriftsprache, in Südsyrien beginnend. Im 8. Jh.v.Chr. bildete sich für das schriftliche Aramäische eine gewisse Standardisierung heraus. Zur gleichen Zeit gerieten einige, später alle aramäischen Staaten unter assyrische Herrschaft; zu dieser Zeit übernahm aber Assyrien das Aramäische als Schriftsprache. Mit Assyrien wurde Syrien im 7. Jh.v.Chr. babylonisch, im 6. Jh.v.Chr. persisch, im 4. Jh.v.Chr. Teil des Reichs von Alexander, dann seiner Nachfolger, der Diadochen. Damit begann die hellenistische Zeit für Syrien. In Syrien setzten sich die Seleukiden durch. Sie wurden dann im 1. Jh.v.Chr. von den Römern abgelöst.
Das Aramäische wurde in den letzten Jahrhunderten v.Chr. Umgangssprache im ganzen Nahen Osten. Daneben wanderten etwa seit der Zeitenwende Araber von der arabischen Halbinsel in die Wüsten und wüstennahe Gebiete ein. Sie bewahrten in ihren Siedlungen das Arabische. In hellenistischer Zeit gab es griechischsprachige Städte, Schriftsprache wurde Griechisch, im übrigen wurde Aramäisch gesprochen. Später kam zum Griechischen noch das Latein hinzu, als Syrien römisch wurde. Nur Palmyra bewahrte eine Autonomie und die kulturelle Unabhängigkeit; es wurde nur aramäisch geschrieben. Umgangssprache war wohl Arabisch.
Mit der arabischen Eroberung schwand die Rolle des Griechischen. Hundert Jahre später war Griechisch verschwunden, und Aramäisch begann, durch Arabisch ersetzt zu werden, nachdem viele Araber in die vorher nicht-arabischsprachigen Teile Syriens (damals noch der weitaus größere Teil des Landes) eingewandert waren. Sie bildeten zunächst die Herrschaftsschicht, später verwischte die Unterscheidung zwischen eingewanderten Arabern und arabisierten und islamisierten Syrern. Die Arabisierung und Islamisierung dauerte in Syrien länger als in anderen Teilen der heute arabischen Welt (eine christliche Minderheit hält sich bis heute; besonders stark war das Festhalten am Christentum in einer Region, die aufgrund dieses Umstands seit Ende des 19. Jh. von Syrien gelöst wurde: dem heutigen Libanon). Seit dem Hochmittelalter war allerdings auch Syrien vornehmlich arabischsprachig (und islamisch), bis auf aramäische Sprachinseln sowie kurdische im Nordosten. Daran änderte auch die Herrschaft von Kreuzfahrerstaaten über Teile Syriens nichts. Dort sprach nur die neue Adelsschicht Latein und Latein wurde Amtssprache; die übrigen Einwohner sprachen weiter Arabisch.
Nach 1021 floh die Glaubensgemeinschaft der Drusen aus Ägypten und ließ sich in den Drusen-Bergen nieder, die heute auf Syrien, den Libanon, Israel und Jordanien verteilt sind. Obwohl sie von der Abstammung her sehr homogen sind, haben sie sich sprachlich dem Syrisch-Arabischen angepaßt.
Ab dem 16. Jh. wurde Arabisch durch das Osmanische als Amtssprache abgelöst, eine türkischsprachige Oberschicht wanderte ein; Syrien war Teil des Osmanischen Reichs geworden. Im 19. Jh. begannen die übrigen Bevölkerungsteile einzuwandern, nur die Domari sind wohl schon seit dem Mittelalter im Land. 1920 wurde Syrien französisches "Mandatsgebiet". Französisch wurde primäre Schrift- und Bildungssprache. Nach der Unabhängigkeit 1945/1946 wurde diese Funktion von offizieller Seite zurückgedrängt, aber Französisch behielt lange eine wichtige Rolle. Erst in jüngster Zeit verschwindet es allmählich aus dem syrischen Leben und wird als primäre Fremdsprache durch das Englische ersetzt. Französisch und/oder Englisch sind bis heute auch in Syrien Sprache der Naturwissenschaften geblieben.
Seit den 70er Jahren sind viele Palästinenser nach Syrien geflüchtet. Sie leben meist in Ghettos, die bewußt provisorischen Charakter haben, und bewahren ihre palästinensischen Dialekte.
http://de.wikipedia.org/wiki/Syrien.
http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Syriens.
http://en.wikipedia.org/wiki/History_of_Syria.
Sibylle von Reden (1992):
Ugarit und seine Welt. Die Entdeckung einer der ältesten Handelsmetropolen am
Mittelmeer, Bergisch-Gladbach: Gustav Lübbe.
Frank Rainer Scheck (1998): Syrien: Hochkulturen zwischen Mittelmeer und Arabischer Wüste (DuMont-Kunst-Reiseführer), Köln: DuMont.
http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/country_profiles/3393813.stm.
Dennis Pardee (1997): Ugaritic, in: Robert Hetzron (Hrsg.): The Semitic Languages,
London: Routledge.
Stanislav Segert (1975): Altaramäische Grammatik. mit Bibliographie, Chrestomathie
und Glossar, Leipzig: Enzyklopädie.