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Surinam

Offizielle Amtssprache: Niederländisch

Einheimische Sprachfamilien: Caribe, Arawak, Warao

Umgangssprachen: Niederländisch, Sranan Tongo, Saramaccan, Aukan, Kwinti, Guyanesisch, Ndyuka, Sarnami Hindi, Javanisch, Akurio, Arawak, Carib, Sikiana, Tiriyó, Wayana, Warao, Akan

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60% der Bevölkerung haben Niederländisch als Muttersprache. Das gesprochene Niederländisch in Surinam hat einige Besonderheiten gegenüber dem europäischen. Die Niederländischsprecher siedeln in den Städten, vor allem in der Agglomeration von Paramaribo. Die Unter- und untere Mittelschicht in den Städten spricht teilweise Niederländisch, teilweise die Sprache ihrer ethnischen Herkunft als Muttersprache.

Die "Sprache der ethnischen Herkunft" ist für die Europäischstämmigen teilweise Niederländisch, teilweise auch Sranan Tongo. Sranan Tongo ist eine Kreolsprache mit verschiedenen Einflüssen, die eine Zuordnung zu einer Basissprache schwierig machen; sie wird aber meist als englischbasiert klassifiziert. Andere europäische Sprachen sind verschwunden, obwohl Niederländer nie die Mehrheit der europäischstämmigen Surinamer bildeten. Für die städtischen Afrikanischstämmigen ist es Sranan Tongo. Sie sind die Nachfahren der afrikanischen Sklaven. Daneben gibt es Chinesen: Sie sprechen Hakka, Yue, Mandarin und Min. Eine große Gruppe ist indischer Herkunft. Die Inder stellen sogar die größte ethnische Gruppe in Surinam. Bei diesen ist die "Sprache ethnischer Herkunft" inzwischen einheitlich Sarnami Hindi, ein Kolonialdialekt des Hindustani. Indonesische Einwanderer kommen fast ausschließlich aus Java und sprechen daher Javanisch als "Sprache ethnischer Herkunft". Es hat sich ein javanischer Kolonialdialekt gebildet. So gut wie alle Städter beherrschen neben gegebenenfalls einer Herkunftssprache auch Niederländisch und Sranan Tongo. In Konversationen ist oft code switching zwischen verschiedenen Sprachen, vor allem Niederländisch und Sranan Tongo, zu hören.

Die meisten Städter beherrschen auch Englisch, zumindest passiv. Die Sprache im Fernsehen ist zwar theoretisch meist Niederländisch, Sendungen aus dem englischsprachigen Ausland werden aber ohne Synchronisation oder Untertitel ausgestrahlt. Im Radio sind sowohl Niederländisch als auch Sranan Tongo vertreten.

Auf dem Land sprechen in der Küstenregion die meisten Menschen die Sprache ihrer ethnischen Herkunft als Muttersprache. Lingua franca ist hier Sranan Tongo.

Im dünnbesiedelten Landesinneren sowie im Osten wohnen die Nachfahren entlaufener Sklaven, die sog. Bosnegers, und Indianer. Die Indianer sprechen Caribe- und Arawak-Sprachen, im Grenzgebiet zu Guyana gibt es auch Warao-Sprecher. In jüngerer Zeit sind aber die indianischen Sprachen vom Sranan Tongo bedroht. Die "Bosnegers" sprechen vornehmlich Saramaccan, eine Kreolsprache auf englischer Basis. Kleinere Gruppen sprechen die ebenfalls englischbasierten Kreolsprachen Guyanesisch, Kwinti, Ndyuka und Aukan.

Geschichte

Surinam ist seit etwa 3000v.Chr. besiedelt. Die ältesten sprachlich eindeutig zuzuordnenden sind die Arawak-Völker. Später stießen Caribe-Völker hinzu. Möglicherweise lebten Warao schon vor den Arawak in Surinam. Heute stellen die surinamischen Warao nur eine Splittergruppe dar; sie leben am Corantijn-Fluß an der Grenze zu Guyana auf beiden Seiten der Grenze. Die Mehrzahl der Warao lebt aber in Venezuela.

Niederländisch war zwar die gesamte Kolonialzeit hindurch Amtssprache in Surinam, also seit dem 17. Jh., aber als Umgangssprache konnte es sich erst recht spät durchsetzen. Dies lag u.a. daran, daß nur ein Teil der europäischen Siedler aus den Niederlanden kamen. Diese europäischen Siedler benutzten lange ihre angestammte Sprache, auch in Eingaben an die niederländische Regierung. Mit der Zeit setzte sich bei ihnen eher Sranan Tongo als gemeinsame Sprache durch als Niederländisch. Die Protagonisten des Niederländischen wurden die sozial aufsteigenden ehemaligen Sklaven. Sie waren die ersten, die Niederländisch als Umgangssprache unter sich einführten. Im Laufe der Jahrhunderte wurde so die Stellung des Niederländischen als Umgangssprache und Muttersprache immer wichtiger. Auch Zuwanderer vom Land nahmen das Niederländische an, wenn sie sozial aufstiegen bzw. aufsteigen wollten. Heute dominiert das Niederländische in den Städten daher. Sranan Tongo blieb aber, auch als lingua franca präsent. Auf dem Land sah die Situation anders aus. Die verschiedenen Ethnien blieben bei ihrer Muttersprache und nahmen Sranan Tongo als Zweitsprache an. In Mischehen setzte sich Sranan Tongo durch. Das Landesinnere blieb von diesen Entwicklungen unberührt. So bewahrten die Indianer ihre Sprachen, die Bosnegers blieben bei ihren Kreolsprachen. Kontakte zu anderen Ethnien hatten diese Ethnien kaum; zudem ist es sowohl bei Bosnegers wie bei Indianern üblich, unabhängig von sprachlichen Schwierigkeiten mit Fremden via Dolmetscher zu kommunizieren. In jüngerer Zeit nehmen die Kontakte zu, bei den Bosnegers führt dies teilweise zu Sranan Tongo-Kenntnisse, während die indianischen Sprachen sogar bedroht sind, da viele Indianer ihre Sprache zugunsten des Sranan Tongo, teilweise auch des Niederländischen aufgeben.

Sprachenkarte (Ethnologue)

Ethnologue.
Wikipedia.
Michiel van Kempen (2002): Een geschiedenis van de Surinaamse literatuur, Paramaribo: Okopipi (zit. nach der nl. Wikipedia).
http://tcl.sfs.uni-tuebingen.de/a2/warao3.pdf.