Offizielle Amtssprache: Spanisch
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Wie überall in Europa hat es in Spanien im letzten Jahrhundert viel Binnenwanderung gegeben. Aus wirtschaftlichen Gründen ist die Wanderungsrichtung hierbei meist von Süden nach Norden. Das Ergebnis der Wanderung ist eine Ausbreitung des Standardspanischen. Im Rahmen der Reconquista hat es schon vorher breite Wanderungsbewegungen gegeben, die die heutige sprachliche Situation in Spanien geprägt haben. Zudem waren die von Muslimen beherrschten Teile des Landes vom 8.-15. Jh. weitgehend arabisch- und berberischsprachig. Diese Bevölkerungsteile wurden im 16. Jh. vertrieben.
Die ältesten Bewohner, die wir kennen, waren die Iberer. Ihre Sprache ist nur sehr wenig bekannt, daher sind auch ihre Verwandtschaftsverhältnisse kaum festzustellen. Später wanderten Kelten ein; sie vermischten sich mit den Iberern, übernahmen vieles aus ihrer Kultur, bewahrten aber ihre Sprache. Die (aber nicht sprachlich) iberisierten Kelten werden Keltiberer genannt. Daneben gab es seit dem 8. Jh.v.Chr. phönizische bzw. punische Kolonien im Küstenbereich. Um 200v.Chr. wurde die iberische Halbinsel römisch. Die Bevölkerung wurde romanisiert, und zwar schneller als in anderen Teilen des Reiches. Noch vor der Zeitenwende wurde nur noch Latein bzw. Vulgärlatein gesprochen. Lediglich die Basken im äußersten Norden, von denen wir erst spät Kenntnis erhalten, die aber wahrscheinlich auch zu iberischen Zeiten die Nordküste und wohl auch weite Teile der Pyrenäen besiedelten, haben bis heute ihre Sprache bewahrt (wenn auch seit ca. hundert Jahren nur noch Teile des Volkes, deren Anteil immer geringer wird).
Zu der romanischsprachigen Bevölkerung kamen in der Völkerwanderungszeit die Westgoten, die eine dünne Oberschicht stellten und ihre germanische Sprache, das Gotische, im Laufe ihrer Herrschaft aufgaben und auch romanisiert wurden (vor allem, nachdem sie nach 589 vom arianischen zum katholischen Glauben übertraten) ein Teil Andalusiens gehörte für einige Jahrzehnte zum Oströmischen Reich, ohne westgotische Oberschicht, mit rein lateinisch-romanischer Sprache).
Im 8. Jh. fiel der größte Teil Spaniens unter arabische Herrschaft (und zwar zunächst die gesamte Halbinsel außer einigen baskischen Gebieten und der "Spanischen Mark" im heutigen Katalonien). In diese Gebiete wanderten Araber und Berber ein. Als Umgangssprache setzte sich aber wahrscheinlich ein maghrebinischer arabischer Dialekt durch. Daneben gab es eine christliche Minderheit, die das Romanische bewahrten. Die jüdische Minderheit sprach Romanisch oder Spanisch-Arabisch. Das Romanische unter arabischer Herrschaft wird Mozarabisch genannt. Schriftsprache war Arabisch, es sind nur einige wenige mozarabische Texte überliefert, in arabischer Schrift. Juden schrieben Arabisch mit hebräischen Buchstaben.
In den nicht arabisch besetzten, rein christlichen Gebieten entwickelten die romanischen Dialekte ihre Eigenheiten weiter und bildeten neue romanische Sprachen heraus. Diese waren: das Galicische im Westen, das Asturische östlich davon, das Katalanische im Osten und das Aragonesische westlich davon, außerdem das Kastilische in der Mitte. Im Laufe der Jahrhunderte dehnte sich das christliche Gebiet immer weiter aus. Die Bevölkerung in den eroberten Gebieten nahm meist die Sprache der Eroberer an, zugunsten des Mozarabischen, die muslimische und jüdische Minderheit wanderte in der Regel in die noch arabisch beherrschten Gebiete aus oder assimilierte sich.
So entstanden Kolonialdialekte der romanischen Sprachen Nordspaniens: das Portugiesische, das Leonesische, das Valencianische, später auch das Murciano. Auch das kastilische Sprachgebiet weitete sich aus.
Im 13. Jh. war bis auf ein kleines Gebiet in Andalusien ganz Spanien christlich beherrscht (Reconquista). Unter den christlichen Staaten fand ein Konzentrationsprozeß statt, der auch sprachliche Folgen hatte. Es gab nur noch drei Staaten im christlichen Gebiet: Portugal, Kastilien-Leon und Aragon. Portugal nahm eine eigene Entwicklung (die unter Portugal beschrieben ist). Die nördlichen Gebiete das galicischen Sprachgebiets fielen an Kastilien-Leon und wurden dadurch sprachlich vom portugiesischen Gebiet getrennt; sie entwickelten sich unabhängig weiter und nahmen viele kastilischen Elemente auf (vor allem in der Aussprache). In Kastilien-Leon setzte sich Kastilisch als lingua franca durch, in Aragon Katalanisch. Es begann eine Kastilisierung des Asturisch-Leonesischen, kastilisch setzte sich in den eroberten Gebieten Andalusiens durch.
Ende des 15. Jhs. wurden Kastilien-Leon und Aragon vereint. Bald darauf fiel das letzte muslimische Reich auf spanischem Boden. Seitdem befinden sich die nicht-kastilischen Sprachen auf dem Rückzug. In Andalusien wurde das Mozarabische vollständig durch das Kastilische verdrängt, es entstand eine kastilische Kolonialvariante, das Andalusische. Die arabischsprachigen Juden übernahmen wohl eine jüdische Variante des Kastilischen, das Judenspanische, als Umgangssprache. Nur die Muslime blieben beim Arabischen. Im Laufe des 17. Jhs. wurden Muslime und Juden aus Spanien vertrieben. Die Muslime siedelten sich vor allem in Marokko an, die Juden im Osmanischen Reich. Erstere bewahren dort teilweise bis heute ihre spanisch-arabischen Dialekte, letztere bis vor wenigen Jahrzehnten das Judenspanische (inzwischen konzentrieren sie sich in Israel und geben es zugunsten des Hebräischen auf).
In den übrigen Gebieten wurden die nicht-kastilischen Sprachen zurückgedrängt. Weitgehend erfolglos war diese Politik nur im Baskenland und in Katalonien. In den übrigen Gebieten ging die lokale Sprache in unterschiedlichem Maße zurück. Am stärksten war das Aragonesische betroffen, das nur noch in einigen Bergdörfern gesprochen wird. Schriftsprache war seit dem 18. Jh. allerdings nur noch Kastilisch. Im 20. Jh. hat die Kastilisierungspolitik noch einmal einen Schub bekommen, unter anderem auch durch Binnenwanderung. Heute gibt es kein einsprachig nicht-kastilisches Gebiet mehr in Spanien, aber viele einsprachig kastilische. Erst seit 1975 gewinnen die regionalen Sprachen wieder an Raum. Das erfolgreichste Beispiel ist Katalonien, in dem das Katalanische heute wieder die primäre Sprache ist. Im übrigen Spanien ist aller Föderalisierungspolitik zum Trotz die primäre Sprache Kastilisch.
verschiedene Werke zur spanischen
Geschichte.
Wikipedia.
Simon James (1996): Das Zeitalter der Kelten,
Düsseldorf: ECON.