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Slowakei

Offizielle Amtssprache: Slowakisch

Umgangssprachen: Slowakisch/(Tschechisch), Ungarisch, Ruthenisch, (Deutsch), Burgenlandkroatisch, Burgenlandkroatisch (Tschakawisch), Burgenlandkroatisch (Kajkawisch), Roma, ((Polnisch))

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In der Slowakei gab es nach 1945 kaum Einwanderung.

Die Mehrheit der Bevölkerung spricht Slowakisch, das sehr nah mit dem Tschechischen verwandt ist (gegenseitige Verständlichkeit). Man unterscheidet Westslowakisch, Mittelslowakisch und Ostslowakisch. Die Dialekte spielen noch eine relativ große Rolle. Jahrhundertelang wurde als Schriftsprache (slowakisiertes) Tschechisch verwendet, erst im 19. Jh. entstand eine neue slowakische Schriftsprache auf mittelslowakischer Grundlage. Auch Deutsch, Ungarisch (vor allem 1867-1918, s.u.) und Latein waren als Schriftsprachen in Gebrauch.

Die bedeutendste Minderheit sind die Ungarn. Sie leben vor allem im Süden des Landes. Bis 1918 gehörte die Slowakei zu Ungarn. 1867-1918 gab es eine starke Madjarisierungspolitik, die den Anteil der Ungarischsprecher erhöhte. Ungarn leben im wesentlichen seit der Besetzung Ungarns durch die Türken im Land (1541). Damals war die Slowakei fast der einzige Teil Ungarns, der nicht unter türkische Herrschaft kam. Es gibt Minderheiten von Ungarn, Zigeunern, Tschechen, Ukrainern, Polen. Dabei ist die ungarische die weitaus größte; die Slowakei gehörte seit dem Mittelalter bis 1918 zu Ungarn. Es gibt auch eine kleine burgenlandkroatische Minderheit. Die slowakischen Juden sprachen meist Ungarisch; sie sind zum größten Teil ausgewandert.

Es gab drei Gebiete mit einer deutschen Minderheit, die sog. Karpatendeutschen, und zwar um Preßburg, in der Zips (Ostslowakei) und in einigen Sprachinseln in der Mittelslowakei, die als Hauerland zusammengefaßt werden. Sie wurden am Ende des Zweiten Weltkriegs evakuiert, kehrten dann meist zurück, wurden aber aufgrund der Benesch-Dekrete wieder vertrieben. Rund ein Sechstel (ca. 20000) blieb aber zunächst im Land, heute beträgt die Zahl noch etwa 6000. Sie genießen heute Minderheitenschutz. Die Deutschen stellten im Mittelalter die Oberschicht in den Städten, wurden jedoch teilweise assimiliert bzw. flohen im 15. Jh. vor einwandernden tschechischen Hussiten.

Roma (Zigeuner) gibt es seit dem 14. Jh. im Land, seit 18. Jh. sind sie eine zahlenmäßig bedeutsame Minderheit.

Im Osten des Landes gibt es eine bedeutende ruthenische Minderheit. Als Schriftsprache benutzten diese bis 1952 meist Russisch, seitdem Ukrainisch (aufgrund eines Regierungserlasses). Seit dieser Zeit assimilierten sich viele Ruthenen.

Geschichte

Die frühesten Bewohner der Slowakei, die wir sprachlich einordnen können, waren Kelten, die etwa seit dem 5. Jh. v.Chr. im Land lebten. Sie wurden um die Zeitenwende von germanischen Stämmen, Quaden und Wandalen, erobert. In der Spätantike siedelten sich auch noch Langobarden an. Die meisten dieser Völker verließen während der Völkerwanderung das Gebiet. Nach ihr kamen Awaren und Slawen. Obwohl letztere die Herrscherschicht stellten, assimilierten sie sich mit der Zeit an die Slawen. Im 9. Jh. entstand in der Westslowakei und Osttschechien das Großmährische Reich. Dieses christianisierte sich mithilfe der Slawenapostel Kyrill und Method, die eine südslawische Sprache in glagolitischer Schrift als erste Schriftsprache in der Slowakei einführten. Im Kampf mit Karolingern und Ungarn kam die Slowakei schließlich im 10. Jh. an Ungarn, das Gebiet war danach tausend Jahre als Oberungarn bekannt. Schriftsprache war nun Latein. Die Ungarn assimilierten in den Ebenen die slawischen Völker, in Oberungarn aber nur im äußersten Süden. Im übrigen Land hielt sich das Slawische. Die Oberschicht war aber fortan ungarischsprachig. Außerdem holten die Ungarn in großer Zahl deutsche Siedler ins Land. Die neuentstehenden Städte waren zu einem großen Teil deutschsprachig. Im 15. Jh. wurden die Deutschen von Ungarn und Slowaken überflügelt. Die Slowakei war einer der wenigen Teile Ungarns, die nie türkisch wurden. Sie kam 1526 an Habsburg. Preßburg/Bratislava war 1531-1848 (habsburgisch-)ungarische Hauptstadt. Viele Slowaken schlossen sich der Reformation an, eine Entwicklung, die durch die spätere Gegenreformation eingedämmt wurde (heute sind etwa 20% der Slowaken lutherisch). Sie ersetzten die bis dahin geltende lateinische, teilweise auch ungarische oder deutsche Schriftsprache durch das Tschechische. Im 19. Jh. begann die ungarische Regierung eine Magyarisierungskampagne. In der Folge begannen auch Katholiken, ein slowakisiertes Tschechisch als Schriftsprache anzunehmen. Später wurde eine slowakische Schriftsprache auf westslowakischer Grundlage entwickelt, die zumindest unter Katholiken eine gewisse Verbreitung erfuhr. Schließlich setzte sich allerdings eine Schriftsprache auf der Basis mittelslowakischer Dialekte durch. 1918 wurde die Slowakei Teil der Tschechoslowakei; Slowakisch war jetzt alleinige Schriftsprache. Nachdem 1939-1945 die Slowakei unter nazi-deutscher Vorherrschaft formal unabhängig war, blieb sie bis 1993 Teil der Tschechoslowakei.

Roland Schönfeld (2000): Slowakei: Vom Mittelalter bis zur Gegenwart (Ost- und Südosteuropa, Geschichte der Länder und Völker), Regensburg: Pustet.