
Offizielle Amtssprache: Englisch (faktisch bevorzugte Amtssprache), Chinesisch (Kurzzeichen), Malaiisch (außerdem "Nationalsprache"), Tamil
Umgangssprachen: Singlish, Min, Kantonesisch, Hakka, Malaiisch, Tamil, Pandschabi, (Mandarin, Englisch, (Orang Selitar))
![]() [Die Karte ist aus der Wikipedia.] |
![]() [Singapur innerhalb des malaysischen Bundesstaates Johor] |
Allgemeine lingua franca in Singapur (das flächenmäßig etwa so groß wie Hamburg ist) ist heute Singlish, eine Kreolsprache auf englischer Basis mit starkem chinesischen (vor allem Min-) und malaiischem Substrat. Vor allem die Syntax ist quasi chinesisch. Unter jüngeren Singapurern ist Singlish teilweise auch Muttersprache, vor allem solche aus "gemischten" Familien. Es existieren verschiedene Sprachstufen, vielleicht auch ein Kontinuum. Man unterscheidet Singapurisches Englisch auf der gehobensten Ebene; das ist ein Standard-Englisch mit einigen nicht-systematischen Singapurer Besonderheiten, im Grunde die einem Singapurer minimalst mögliche, teilweise aber auch gewollte Abweichung vom Standard-Englischen britischer Prägung. Auf der anderen Seite gibt es "reines" Singlish, dazwischen ein oder zwei Sprachstufen, in die Elemente des Singlish wie des Englischen fließen; vielleicht gibt es auch keine Stufen, sondern ein stufenfreies Kontinuum.
Neben den "gemischten" Familien unterscheidet man viereinhalb große Volksgruppen: Chinesen (etwa drei Viertel), Malaiien, Inder (je etwa ein Fünftel) sowie andere, vor allem Europäer. Europäer leben oft nur zeitweise im Land. Sie sprechen dann in der Regel ihre europäische Muttersprache und verständigen sich im Land auf Englisch.
Die meisten Chinesen (auch wohl etwa zwei Drittel) sprechen Min, das in den Darstellungen zu Singapur meist als Teochew (ein Süd-Min-Dialekt) und "Hokkien" (eine andere Bezeichnung für Min) aufgeteilt wird. Die zweitgrößte Gruppe mit etwa einem Viertel sind Kantonesen. Außerdem gibt es Hakka.
Die Inder sind in ihrer großen Mehrheit Tamil; dabei gibt es auch unter diesen Muslime. Die zweitgrößte Gruppe sind Pandschabi (Sikhs und Muslime).
Von den protomalaiischen Orang Selitar, der "Urbevölkerung" Singapurs, gibt es nur noch sehr wenige. Die meisten Malaiien sprechen Malaiisch.
Muttersprache der meisten Singapurer ist eine der chinesischen oder indischen Sprachen (hier sind die Nicht-Tamil fast vernachlässigbar) oder Malaiisch. Die muttersprachlichen Singlish-Sprecher sind eine ständig wachsende, aber zur Zeit noch kleine Gruppe. Da die Volksgruppen tendentiell unter sich bleiben, ist die Muttersprache auch die am häufigsten verwendete. Der Anteil des Singlish an den täglichen Kommunikationssituationen wächst aber.
Wichtigste (aber nicht bei weitem wichtigste) Schriftsprache ist heute Englisch. Daneben benutzen die Chinesen Mandarin, das aber viele nicht perfekt beherrschen, Inder in der Regel Tamil, Malaiien Malaiisch. Die Singapurer Literatur verteilt sich auf alle vier Sprachen, öffentliche Beschilderung ist ebenfalls meist viersprachig, manchmal aber auch nur auf Englisch zu lesen.
Bis 1819 teilte Singapur das Schicksal Malaysias. In diesem Jahr baute ein englischer Kapitän eine Niederlassung auf der Insel, die seit einer Blütephase im späten Mittelalter Singapur, vorher Temasek, genannt wurde, auf. Zu dieser Zeit lebten nur ein paar Hundert orang laut (genauer wohl Orang Selitar) und chinesische Einwanderer in Singapur. 1824 kaufte die Britische Ostindien-Gesellschaft dem Sultan von Johor die Insel ab. 1867 wurde sie britische Kronkolonie.
Fast alle heutigen Einwohner Singapurs sind also Nachfahren von Einwanderern des 19. und 20. Jhs. Die größte Gruppe stellten immer schon die Chinesen; 1860 stellten sie 62%, Malaiien 13,5%, Inder 16,5%, Europäer 8%. Inder kamen schon bald nach dem Kauf, zumeist als verschleppte Strafgefangene. Die meisten von ihnen waren Tamilen, vor allem aus dem heutigen Sri Lanka. Daneben gab es auch Sikhs und andere Nordinder.
Es lebten also von Anfang an verschiedene Sprachgruppen im Land. Sie bewahrten meist ihre Muttersprache. Im Verkehr innerhalb der Chinesen diente meist Min (Hokkien), die Sprache der größten chinesischsprachigen Gruppe im Land, zwischen Indern Tamil oder Englisch, zwischen verschiedenen der vier großen Volksgruppen Bazar-Malaiisch, eine Kreolsprache auf malaiischer Grundlage. Englisch war alleinige Amtssprache und die wichtigste Schriftsprache.
1963 wurde Singapur als Teil der Föderation Malaysia unabhängig. Schon 1965 wurde die Stadt aber aus dem malaysischen Verband entlassen. Seitdem ist sie eine unabhängige Republik. Seit der Unabhängigkeit wuchs die Stellung des Englischen. Neben dem Bazar-Malaiischen hatte sich auch eine englischbasiertes Pidgin herausgebildet, die jetzt dem Bazar-Malaiischen als lingua franca den Rang abzulaufen begann. Unter jüngeren Singapurern gibt es inzwischen auch Muttersprachler des Singlish, damit ist die Sprache zu einer Kreolsprache geworden. Die Muttersprachler sind häufig aus "gemischten" Familien. Singlish ist zunehmend die lingua franca in Singapur, immer mehr auch unter Sprechern verschiedener Sprachen der gleichen "Volksgruppe". Dadurch nahm auch die Rolle des Min als innerchinesische lingua franca ab. Neben Singlish ist unter diesen eher Mandarin zum Verständigungsmittel geworden. Mit der Unabhängigkeit begann eine Regierungsinitiative zur Förderung des Mandarin. Es ist heute offizielle Unterrichtssprache an den chinesischen Schulen. Die Regierung wollte auch, daß Chinesen zu Hause Mandarin sprechen, also ihre Muttersprache zugunsten des Mandarin aufgeben. Das hat wohl nicht geklappt, aber als Folge wird es einige Chinesen geben, die bevorzugt Mandarin sprechen. Singapur hat dabei auch die Rechtschreibreform durchgeführt, die in der VR China gestartet wurde und bei der gut 2000 Zeichen vereinfacht wurden.
Wikipedia.
http://countrystudies.us/singapore/20.htm.
Marianne
Mehling (Hrsg.)(1996): Knaurs Kulturführer in Farbe: Hongkong, Singapur, München:
Droemer Knaur.