Schriftrichtung: senkrecht-linksläufig (Langzeichen) und rechtsläufig (Kurzzeichen, manchmal Langzeichen)
Für die moderne chinesische Schrift muß man zweieinhalb Untersysteme unterscheiden: die sog. Kurzzeichen und die sog. Langzeichen.
In der VR China fand nämlich in den 50er Jahren eine Rechtschreibreform statt. Durch diese wurden etwa 1500 chinesische Zeichen vereinfacht (daher die Bezeichnung Kurzzeichen). Die Vereinfachung betrifft nur das Mandarin, also moderne Hochchinesisch, insofern sog. Radikale (in vielen Zeichen auftauchende Elemente) vereinfacht wurden, auch die Schreibweise für chinesische Dialekte, in keinem Fall allerdings das Klassische Chinesisch. Bei der Reform wurde auch offiziell die Schreibrichtung geändert: Sie ist für Kurzzeichen ausschließlich rechtsläufig. Auch Klassisches Chinesisch wird in der VR China nun meist rechtsläufig geschrieben.
Der Reform hat sich neben der VR China Singapur angeschlossen. In allen übrigen Ländern der Welt gelten weiterhin die Langzeichen (wenn auch die Kurzzeichen im Bereich Chinesisch als Fremdsprache sich zunehmend durchsetzen; Literatur und Zeitungen sind allerdings außerhalb der VR fast nur in Langzeichen zu bekommen). Für die Langzeichen gilt grundsätzlich die senkrecht-linksläufige Schreibweise. Sogar in den Fällen, in denen aus typographischen Gründen waagerecht geschrieben werden soll (vgl. auch senkrechte Schreibweise lateinischer Buchstaben z.B. auf Buchrücken), soll linksläufig geschrieben werden. Allerdings taucht auch im "Langzeichen-Chinesischen" rechtsläufige Schreibweise auf, so in wissenschaftlicher Literatur. Außerdem stellt für Computer senkrechte Schreibung immer noch ein Problem dar.
Auch in Japan hat nach 1945 eine Vereinfachung von Schriftzeichen stattgefunden (das ist sozusagen das halbe Untersystem); diese betrifft auch das Okinawa, soweit es noch geschrieben wird. Diese Reform unterscheidet sich aber von der "rotchinesischen"; insgesamt kann man sie als weniger weitgehend beschreiben, außerdem wurden die Zeichen in der Regel weniger stark vereinfacht als in den chinesischen Kurzzeichen. Dennoch gilt grundsätzlich, daß, wer Chinesisch und Japanisch lernen will, für einzelne Zeichen drei verschiedene Versionen lernen muß (in den Fällen, wo die Zeichen im Chinesischen und Japanischen übereinstimmen). Auch im Japanischen gilt grundsätzlich senkrechts-linksläufige Schreibweise, wobei die Linksläufigkeit kaum in aus typographischen Gründen waagerechten Textteilen beibehalten wird. Auch im Japanischen beherrscht die rechtsläufige Schreibung bestimmte Textsorten, wie z.B. wissenschaftliche Literatur.
Soweit sie noch benutzt werden, werden die koreanischen chinesischen Zeichen, die hanja, in Langzeichenfassung benutzt.
früher auch: