Offizielle Amtssprache: Deutsch
Einheimische Umgangssprachen: Sächsisch/·Hochdeutsch, Thüringisch, [[Ostfälisch, Ostniederdeutsch]]
Das Land Sachsen-Anhalt teilt sich traditionell in vier Sprachräume: das Ostfälische im Norden westlich der Elbe, das Ostniederdeutsche im Norden östlich der Elbe und in der Altmark, das Sächsische im Süden östlich von Elbe und Saale und das Thüringische im Süden westlich von Elbe und Saale. Zusätzlich ließe sich eine fünfte aufstellen, die in der Region um die Städte Dessau, Köthen und Bernburg (Saale) liegt; hier werden brandenburgisch-nordostthüringische Mischdialekte gesprochen, die zuweilen als "Anhaltisch" bezeichnet werden (dort sagt(e) man z.B. ich und Appel).
Altmark, Fläming und Schollener Land
Die Altmark entspricht etwa den heutigen Landkreisen Altmarkkreis Salzwedel und Stendal sowie dem äußersten Nordwesten des Landkreises Jerichower Land. Östlich der Elbe in den Landkreises Stendal (Amt Elbe-Havelland) und dem Norden des Landkreises Jerichower Land liegt das Land Schollene (das vielleicht schon unter einer Großregion Havelland subsumierbar ist). Der sachsen-anhaltinische Anteil des Fläming liegt im Norden der Landkreise Anhalt-Bitterfeld und Wittenberg und dem größten Teil des Landkreises Jerichower Land.
In der Altmark und dem Schollener Land wurde bis vor einigen Jahrzehnten Ostniederdeutsch gesprochen. In der Altmark gibt es davon noch Spuren, im Schollener Land ist es wohl ausgestorben. Der Sprachwechsel fand in diesen ländlichen Regionen hauptsächlich im 20. Jh. statt, vornehmlich in der ersten Hälfte. Seit den 50er Jahren wird das Ostniederdeutsche nicht mehr an die jüngere Generation weitergegeben. An ihre Stelle ist im Schollener Land Berlinisch, in der Altmark Hochdeutsch, das eine Mittelstellung zwischen dem modernen niedersächsischen Hochdeutsch und dem Berlinischen darstellt, getreten (?).
Der Norden der Landkreise Anhalt-Bitterfeld und Wittenberg (etwas bis knapp nördlich von Wittenberg) sowie der größte Teil des Landkreises Jerichower Land gehören zur Landschaft Fläming. Hier wurde Flämingisch gesprochen, ein stark flämisch beeinflußtes Ostniederdeutsch. Es ist in der zweiten Hälfte des 20. Jhs. ausgestorben.
Ostfalen
Der ostfälische Teil Sachsen-Anhalts besteht im wesentlichen aus den Landkreisen Börde, der Stadt Magdeburg und dem Norden der Landkreise Harz und Salzlandkreis.
Die Region war einst ein integraler Bestandteil des niedersächsischen, genauer ostfälischen Sprachraums. Früher als westlich der Landesgrenze begann aber auch hier der Sprachwechsel. Heute gibt es wohl keine Ostfälisch-Sprecher in der Region mehr. Allgemeine Umgangssprache ist Hochdeutsch mit starkem Einfluß sowohl des modernen Sächsischen als auch des Berlinischen, weniger auch der thüringischen Umgangssprache. Ostfälische Spuren finden sich kaum noch in der modernen Umgangssprache.
Thüringisches Gebiet (Südwesten)
Der thüringische Teil Sachsen-Anhalts entspricht dem größten Teil der Landkreise Harz, Salzlandkreis, Saalekreis und Burgenlandkreis, dem Landkreis Mansfeld-Südharz und Teilen der Stadt Halle.
Die sprachliche Situation ähnelt der im eigentlichen Thüringen. Die Dialekte waren bis ins 20. Jh. thüringisch, seitdem machen sie einer Umgangssprache Platz, die stark thüringisch beeinflußt, in ihrem Kern allerdings hochdeutsch ist. Im Gegensatz zum Freistaat gibt es hier keine Dialekt-Rückzugsgebiete, außer vielleicht dem Mansfeld.
Sächsisches Gebiet (Südosten)
Der sächsischsprachige Teil Sachsen-Anhalts entspricht im wesentlichen dem Süden der Landkreise Wittenberg und Anhalt-Bitterfeld, der Stadt Dessau-Roßlau und Teilen der Stadt Halle und der Landkreise Burgenlandkreis und Saalekreis.
Im sächsischen Gebiet werden traditionell nordobersächsische und osterländischen Dialekte gesprochen, in denen im Gegensatz zum Meißnischen noch niederdeutsche Einflüsse spürbar sind.
Die Region war das Zentrum bei der Entwicklung der neuhochdeutschen Schriftsprache. Im größten Teil des Gebiets waren bei der Ostsiedlung zunächst ostniederdeutsche Dialekte entstanden. Im Süden waren Ausgleichsdialekte entstanden, bei denen das Ostfränkische wohl die größte Rolle spielte. Schon um 1500, als das Neuhochdeutsche entstand, begann einerseits die Sprachgrenze zwischen Ostniederdeutsch und Ostmitteldeutsch nach Norden zu wandern, andererseits die Dialekte (auch die, die gerade auf Kosten des Ostniederdeutschen im Entstehen begriffen waren) zu schwinden zugunsten von neuen Dialekten auf der Basis des Schriftdeutschen (das ja ebenfalls auf Grundlage des Ostmitteldeutschen entstanden war). Ein solcher Sprachwechselprozeß hat wohl im Laufe der Jahrhunderte dann mehrfach stattgefunden, jedes Mal entstand ein Dialekt, der noch näher am Schriftdeutschen war. Der jüngste Sprachwechsel fand im 20. Jh. statt. Die seitdem entstandenen Dialekte unterscheiden sich kaum noch vom Standarddeutschen. Allerdings entstand in dieser Zeit erstmals ein allgemein anerkannter Aussprachestandard, das Mediendeutsche (s. unten). Dieser ist in seinen Anfängen nur zu einem geringen Teil sächsisch geprägt gewesen. So entstand das moderne Sächsische als vom Hochdeutschen abweichende Aussprachenorm. In jüngster Zeit gibt es noch einen Sprachwechsel: Es entsteht ein Aussprachekontinuum zwischen Sächsisch und Mediendeutsch (auf der sächsischen Seite des Kontinuums finden sich auch (immer) noch grammatische Erscheinungen, die auf das früheste Meißnisch/Osterländisch zurückgehen.
Das slawische Gebiet wurde im 10. Jh. von deutschen Rittern erobert und dem Hl. Römischen Reich eingegliedert. Zunächst konnten die Slawen ihre Kultur und Sprache, meist sogar ihre Religion, bewahren. Im 12. Jh. begann die Einwanderung von Germanen. Im Norden kamen die Einwanderer vornehmlich aus Westfalen und den Niederlanden. Im Süden kamen sie aus verschiedenen Teilen des fränkischen Stammesgebiets, hauptsächlich aus Ostfranken. Im Grenzbereich zum thüringischen Raum kamen vor allem Thüringer. Daher weist dieser Raum starken Einfluß oder sogar ein Kontinuum zum Thüringischen auf. Im übrigen entstanden Kolonialdialekte. Im Norden bildete sich das Ostniederdeutsche, im Süden das Obersächsische. Das Ostniederdeutsche teilt sich auf sachsen-anhaltinischem Raum heute auf in: das Westaltmärkische, das den Übergang zum Wendländischen darstellt, und das Brandenburgische. Das Brandenburgische teilt sich in diesem Bundesland in das Altmärkische, das Nordbrandenburgische und das Mittelbrandenburgische. Im sächsischen Teil wurden Nordobersächsisch, Nordost-Osterländisch und Südwest-Osterländisch gesprochen.
Im Laufe der Jahrhunderte hat es einige Bevölkerungsverwerfungen gegeben, vor allem im Zusammenhang mit der Pest im 14. und dem 30jährigen Krieg im 17. Jh. Spätestens damals entstand ein Sprachkontinuum, das die verschiedenen Sprachregionen miteinander verknüpft. Dabei wurde das Ostniederdeutsche wohl insgesamt "verniedersächsischt", während vorher das niederfränkische Element stärker war. Die deutsch-niedersächsische Sprachgrenze ist zur gleichen Zeit noch weiter noch Norden gewandert. So war die Stadt, in der Luther aufwuchs (Eisleben), eine Generation vorher noch (ost)niederdeutschsprachig gewesen; Luthers Sprache aber war bereits das Ostmitteldeutsche, das schon auf dem Weg zu einer Einheitssprache im ober- und mitteldeutschen Sprachraum war und dessen Weg zur Standardsprache Deutschlands er forcierte.
Im 19. Jh. begannen außerhalb des obersächsischen Raums die Dialekte zugunsten des Hochdeutschen zu verschwinden (während dieser Prozeß im Sächsischen schon um 1500 begann, s.o.). Dieser Prozeß erfaßte zuerst die Kernbereiche und griff dann nach Süden und Norden aus. Dabei bildete sich im Hochdeutschen nun eine Sprachgrenze zwischen der Provinz Sachsen (heute Sachsen-Anhalt) und dem Königreich, später Provinz Hannover sowie Braunschweig. Bis dahin waren die Dialekte westlich der Elbe denen in Hannover und Braunschweig ähnlich, nun begann sich die hochdeutsche Aussprache nach Osten hin zu orientieren. Durch die Grenze zwischen BRD und DDR im 20. Jh. wurde diese Prozeß noch verstärkt. Heute klingt für einen Westdeutschen schon wenige Kilometer hinter der ehem. Zonengrenze die Sprache "sächsisch". Das Kontinuum bewegt sich zwischen Ostmediendeutsch und dem modernen Sachsen-Anhaltinischen, das in der Altmark stärker brandenburgisch, im Südwesten stärker thüringisch, im Südosten und im sächsisch gefärbt ist, während im ehemals ostfälischen Raum alle diese Einflüsse aufeinandertreffen.
Norbert Eisold/Edeltraud Lautsch (1991): Sachsen-Anhalt:
zwischen Harz und Fläming, Altmark und Unstrut-Tal - Kultur, Geschichte und
Landschaft an Elbe und Saale (DuMont-Dokumente: DuMont-Kunst-Reiseführer), Köln: DuMont.
Karl Spangenberg (1998): Die Umgangssprache im Freistaat Thüringen und im
Südwesten des Landes Sachsen-Anhalt, Rudolstadt: Hain.
Gunter Bergmann (1990): Upper Saxon, in: Charles V.J. Russ (Hrsg.): The Dialects
of Modern German: A Linguistic Survey, London: Routledge.
Karl Spangenberg (1990): Thuringian, in: Charles V.J. Russ
(Hrsg.): The Dialects of Modern German: A Linguistic Survey, London:
Routledge.
Eberhard Krienke (1996): Uns Uckermark: Sprache und mundartliche Literatur einer Region, Milow: Schibri.