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Johannes Reese

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Freistaat Sachsen (Deutschland)

Offizielle Amtssprache: Deutsch

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Einheimische Umgangssprachen: Obersächsisch/Lausitzisch/Erzgebirgisch, Vogtländisch, Obersorbisch/(Mittelsorbisch), ((Nordbairisch))

Der Name des Landes ist von den Herzögen abgeleitet, die das ursprüngliche Sachsen, d.h. die heutigen Länder Niedersachsen, Westfalen (d.i. der Nordteil von Nordrhein-Westfalen), Bremen, Hamburg, Holstein (d.i. der Südteil von Schleswig-Holstein) und das westliche Sachsen-Anhalt, beherrschten. Als das Herzogtum 1180 politisch aufgelöst wurde, wurde ein Rest-Herzogtum im Osten Sachsens eingerichtet. Dieses teilte sich bald in Sachsen-Lauenburg und Sachsen-Wittenberg. Der Herzogstitel (bald: Kurfürstentitel) fiel an Sachsen-Wittenberg. Sachsen-Wittenberg fiel später an die Herrscher der Mark Meißen, mit ihm der Kurfürstentitel. Mit der Zeit wurde dann der Name auch für die nun beherrschte Region verwendet, so daß für das eigentliche Sachsen die Bezeichnung Niedersachsen erfunden werden mußte. In Abgrenzung von letzterem nannte man früher Sachsen auch Obersachsen.

Sprachlich ist Sachsen in vier Großräume zu teilen: das eigentliche Sachsen (also die ehem. Mark Meißen), die Lausitz, das Vogtland und das Erzgebirge.

Eigentl. Sachsen (Mark Meißen)

Im eigentlichen Sachsen oder der Mark Meißen unterscheidet die Dialektforschung folgende Dialekträume: Osterländisch im Norden (um Leipzig), um Dresden des eigentliche Meißnisch. Um Chemnitz beginnen die vorerzgebirgischen Dialekte. Im Osterländischen sind noch niederdeutsche Einflüsse spürbar, während die vorerzgebirgischen Dialekte den Übergang vom Meißnischen und Osterländischen zum Erzgebirgischen darstellen.

Die Region war das Zentrum bei der Entwicklung der neuhochdeutschen Schriftsprache. Die Dialekte waren erst im 13. Jh. als Kolonialdialekte bei der Ostsiedlung entstanden; sie waren Ausgleichsdialekte, bei denen das Ostfränkische wohl die größte Rolle spielte. Schon um 1500, als das Neuhochdeutsche entstand, begannen die Dialekte zu schwinden zugunsten von neuen Dialekten auf der Basis des Schriftdeutschen (das ja ebenfalls auf Grundlage des Ostmitteldeutschen entstanden war). Ein solcher Sprachwechselprozeß hat wohl im Laufe der Jahrhunderte mehrfach stattgefunden, jedes Mal entstand ein Dialekt, der noch näher am Schriftdeutschen war. Der jüngste Sprachwechsel fand im 20. Jh. statt. Die seitdem entstandenen Dialekte unterscheiden sich kaum noch vom Standarddeutschen. Allerdings entstand in dieser Zeit erstmals ein allgemein anerkannter Aussprachestandard, das Mediendeutsche (s. unten). Dieser ist in seinen Anfängen nur zu einem geringen Teil sächsisch geprägt gewesen. So entstand das moderne Sächsische als vom Hochdeutschen abweichende Aussprachenorm. In jüngster Zeit gibt es noch einen Sprachwechsel: Es entsteht ein Aussprachekontinuum zwischen Sächsisch und Mediendeutsch (auf der sächsischen Seite des Kontinuums finden sich auch (immer) noch grammatische Erscheinungen, die auf das früheste Meißnisch/Osterländisch zurückgehen.

Lediglich im Osten des osterländischen Raums haben die letzten Sprachwechsel noch nicht stattgefunden, so daß die Sprache dort als dialektaler empfunden wird.

Lausitz

Die Lausitz besteht aus der Ober- und der Niederlausitz. Die Niederlausitz ist heute fast vollständig Teil Brandenburgs. Der Osten der Oberlausitz gehört heute zu den poln. Wojewodschaften Lebus und Niederschlesien.

In der Lausitz wird heute auch vornehmlich (Hoch-)Deutsch gesprochen. Auch hier entstanden Neudialekte auf schriftdeutscher Grundlage. Hervorzuheben ist hier das sog. Neulausitzische, das im Gebiet nördlich Bautzens gesprochen, wo bis vor wenigen Jahrzehnten nur sorbisch gesprochen wurde.

Nur im oberlausitzischen Dialektgebiet (das nicht mit der Oberlausitz identisch ist) ist der Dialekt noch lebendig.

Die (praktisch ausgestorbenen) westlausitzischen Dialekte ähnel(te)n dem Obersächsischen in der Aussprache, sie bildeten auch Übergangsdialekte zu diesem. Die oberlausitzischen Dialekte sind charakteristisch eigen. Das Ostlausitzische erinnert bereits etwas an das vom Aussterben bedrohte Schlesische.

In einigen Gebieten, vor allem im "neulausitzischen" Sprachgebiet, hat sich noch das Obersorbische halten können.

Vogtland und Erzgebirge

Im südlichen (oberen) Vogtland (um Markneukirchen und Bad Brambach) wird Nordbairisch (Oberpfälzisch) gesprochen. Bis zum 2. Weltkrieg stellte die Gegend um Asch in Böhmen die Verbindung zum übrigen nordbairischen Sprachraum dar. Heute ist das Nordbairische in Sachsen eine sprachliche Enklave. Im übrigen Vogtland spricht man Vogtländisch, das zum Ostfränkischen zu zählen ist. Die Übergangsdialekte von Vogtländisch, also Ostfränkisch, und (Ober-)Sächsisch stellt das Erzgebirgische dar, das in Westerzgebirgisch und Osterzgebirgisch zu unterteilen ist. Um Glauchau wird Vorvogtländisch gesprochen.

Die Dialekte sind (für sächsische Verhältnisse) noch sehr lebendig.

Geschichte
Die ersten Bewohner, von denen wir wissen, waren Germanen. Sie sind wohl etwa um 500v.Chr. eingewandert. Sie verließen allerdings das Land während der Völkerwanderung, so daß es bei der Ankunft der Slawen im 6. Jh. unbesiedelt war. Im 10. Jh. wurden die Slawen von deutschen Rittern erobert und ins Hl. Römische Reich eingegliedert. Sie behielten aber zunächst ihre slawische Sprache und Kultur, trotz anderer Bemühungen meistens sogar ihren Glauben. Im 12. Jh. begann die deutsche Ostsiedlung (in der Lausitz erst um 1200). Sie dauerte bis Ende des 14. Jhs. Vor allem aus dem ostfränkischen, in geringerem Maße auch aus dem rheinischen und rheinfränkischen Raum kamen Siedler ins Land. Zunächst lebten sie in von den Slawen getrennten Siedlungen. Im Laufe der Zeit assimilierten sie die ansässige Bevölkerung. Es bildeten sich Kolonialdialekte auf fränkischer und bairischer Grundlage. Diese werden heute als Ostmitteldeutsch zusammengefaßt. Nur in der Lausitz konnte sich das Slawische halten. Es wurde hier ursprünglich Milzenisch, später Sorbisch genannt. Allerdings entstanden auch hier ostmitteldeutsche Dialekte; sie waren anfangs auf die Siedlungen der Einwanderer beschränkt. Mit den Jahrhunderten assimilierten sie aber die Randgebiete der Lausitz. Das Sorbische hielt sich nur im Osten der Region. Erst im 20. Jh. begannen die ostmitteldeutschen Dialekte das Sorbische auch hier verdrängen.

Das Vogtland und das westliche Erzgebirge waren bis zur Ostsiedlung unbewohnt. Sie wurden vornehmlich durch ostfränkische, in geringerem Maße auch schon von Neusiedlern in den ehemals slawischen Gebieten, besiedelt. Dabei entwickelten sich neue Dialekte, die Übergangsdialekte zwischen Ostfränkisch und Ostmitteldeutsch darstellen. Im Vogtland sind sie noch dem Ostfränkischen zuzurechnen, im Erzgebirge schon dem Ostmitteldeutschen.

Dabei lag im heutigen Sachsen ein Kerngebiet der Entwicklung der frühneuhochdeutschen Schriftsprache. Die Dialekte waren also schon zu jener Zeit wenig vom sich entwickelnden Standarddeutschen verschieden. Schon um 1500 begannen diese, die anfänglichen Kolonialdialekte zu verdrängen. Es bildeten sich im Laufe der Jahrhunderte wohl mehrmals Neudialekte auf Basis des Schriftdeutschen, jedes Mal mit größerer Nähe zum Standard. Diese Entwicklung fand im größten Teil des heutigen Sachsens statt. Der jüngste Sprachwechsel fand in den Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg statt, so daß heute die Umgangssprache in den mitteldeutschen Gebieten sich nur unwesentlich, fast nur in der Aussprache, vom Mediendeutschen unterscheidet. Mediendeutsch bezeichnet dabei Hochdeutsch, wie es in Radio und Fernsehen gesprochen wird. Hochdeutsch hat an sich keine einheitliche Aussprachenorm. Erst durch die Sprechmedien entstand eine deutschlandweit anerkannte Aussprachenorm mit immer geringer werdender regionaler Varianz.

Lediglich in einigen Randgebieten, Teilen der Oberlausitz, des Vogtlands und des Erzgebirges blieben die Dialekte weitestgehend intakt. Im östlichen osterländischen Raum und im äußersten Norden gibt es noch Sprachformen, die einen oder mehrere der Sprachwechsel nicht mitgemacht haben, also noch deutlich näher am ursprünglichen Meißnischen sind.

Der Name des Landes war seit dem Mittelalter Mark Meißen (einschl. Vogtland und Erzgebirge). Die Lausitz wurde nicht als Teil dieses Landes betrachtet, sondern bildete ein eigenes Land, eine Markgrafschaft, die Teil der Länder der Böhmischen Krone war. Die Herzöge der Mark Meißen übernahmen zum Ausgang des Mittelalters den Herzogstitel von Sachsen. Sachsen war das Gebiet, das heute auf die Bundesländer Niedersachsen, Bremen und Hamburg sowie den Norden Nordrhein-Westfalens, den Westen Sachsen-Anhalts und den Süden Schleswig-Holstein verteilt ist. Seit dem 19. Jh. wurde der Name Sachsen von den Herzögen, inzwischen Kurfürsten, auf das Land Mark Meißen übertragen. Teilweise sprach man schon vorher von Obersachsen.

Die Lausitz gehörte seit dem ausgehenden Mittelalter als Teilstaat dem sächsischen Kurfürsten. Sie wurde 1815 zwischen Preußen (Niederlausitz und Osten der Oberlausitz) und dem (nunmehr) Königreich Sachsen (Oberlausitz) geteilt. Die Niederlausitz gehörte fürderhin zur preuß. Provinz Brandenburg, der preußische Teil der Oberlausitz zur preuß. Prov. Schlesien.

Mit der Zeit wurde die königlich-sächsisch gebliebene Oberlausitz zunehmend auch unter Sachsen subsumiert. Letzte Versuche Anfang der 1990er Jahre, ein Bundesland Lausitz zu errichten, scheiterten. 1945 wurde der zur Prov. Schlesien gehörende Teil der Oberlausitz an das Land Sachsen angegliedert.

1815 wurde das Königreich Sachsen gebildet, das im wesentlichen dem heutigen Freistaat entsprach, nur der äußerste Norden war damals preußisch (Prov. Sachsen), ebenso wie ein Teil der Oberlausitz (Prov. Schlesien). Dieses wurde 1920 zum Freistaat, 1945 zum Land Sachsen, jetzt in den heutigen Grenzen, 1952 auf die DDR-Bezirke Leipzig, Karl-Marx-Stadt und Dresden aufgeteilt. 1990 wurde der Freistaat Sachsen wiedererrichtet.

Die Entwicklung der Sprechmedien Radio und Fernsehen fällt zu einem großen Teil in die Zeit der deutschen Teilung. Während das Standard-Deutsche oder "Hochdeutsche" bis dahin keine wirklich allgemeine Aussprachenorm kannte, entwickelte sich eine solche durch die Sprechmedien. Das Ergebnis nenne ich Mediendeutsch. Dieses Mediendeutsch ist auch in ständiger Veränderung, die Varianz innerhalb der in den Medien akzeptierten Aussprachevarianten nimmt dabei ab. Anfang des Jahrhunderts spielte der ostfälische Raum bei der Entwicklung des Mediendeutschen eine bedeutende Rolle (daher stammt die Mär, daß in Hannover oder Celle das beste Hochdeutsch gesprochen werde, in der schlimmeren Variante soll es sogar da entstanden sein). In der DDR entwickelte sich ein Mediendeutsch, das in der Aussprache etwas stärker vom Meißnischen beeinflußt war (allerdings nur in Nuancen) als im "Westen". Heute existiert ein Kontinuum zwischen dem obersächsischen Dialekt (der an sich schon der Schriftsprache ähnlich ist) und einem Hochdeutsch mit dem auf der Deutschland-Seite beschriebenen DDR-Mediendeutsch. In jüngster Zeit verschwinden die Unterschiede zwischen Ost- und Westmediendeutsch; dabei spielen die Ballungsräume im ehemals rheinfränkischen Raum und Berlin heute wohl die größte Rolle.

Wikipedia.
Peter Kosta/Madlena Norberg (Hrsg.)(2003): Reflexionen zur sorbischen/wendischen Sprache, Kultur und Literatur (Potsdamer Beiträge zur Sorabistik; 5), Potsdam: Institut für Slavistik der Univ. Potsdam.
Anthony R. Rowley (1990): North Bavarian, in: Charles V.J. Russ (Hrsg.): The Dialects of Modern German: A Linguistic Survey, London: Routledge.
Gunter Bergmann (1990): Upper Saxon, in: Charles V.J. Russ (Hrsg.): The Dialects of Modern German: A Linguistic Survey, London: Routledge.