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Johannes Reese

Textzusammenfassung · Internat. Layout · Übersetzungen · Aussprachetraining · Historische Recherche · Ghostwriting

Saarland (Deutschland)

Offizielle Amtssprache: Deutsch

Einheimische Umgangssprachen: Moselfränkisch/Pfälzisch/(Lothringisch), (·Hochdeutsch)

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Im Saarland sind die traditionellen Dialekte noch allgemeine Umgangssprache. Sie sind wie alle Dialekte in Deutschland stark vom Hochdeutschen beeinflußt.

Das Saarland teilt sich in einen moselfränkischen und einen pfälzischen Teil (Saarpfalz und ein Streifen westlich davon). Dabei werden die nicht in der Saarpfalz gesprochenen pfälzischen Dialekte in der Regel in der Umgangssprache nicht als Pfälzisch bezeichnet, sondern entweder wird der Ortsdialekt (Ortsname plus "Platt") genannt oder man spricht von "Saarländisch". Sie prägen auch das Bild vom "Saarländischen" außerhalb des Saarlandes. Im äußersten Südosten (Teil der Saarpfalz) kann der Dialekt schon zum Fränkisch-Lothringischen gerechnet werden (wird aber meist als Pfälzisch oder Saarländisch bezeichnet). Dabei hat es Verschiebungen gegeben. Das Pfälzische hat im Saarland mehr Prestige. Die moselfränkischen Gebiete werden auch als "Lohei" bezeichnet; dieser Begriff hat die Konnotation "hinterwäldlerisch". Dementsprechend besteht für das Moselfränkische eine Tendenz, gegenüber dem Pfälzischen an Raum zu verlieren. So war Saarbrücken ursprünglich moselfränkisch, wechselte aber im 18. Jh. zum Pfälzischen (allerdings nennen sich die Dialekte außerhalb der Saarpfalz meist nicht Pfälzisch). Außerdem weisen die moselfränkischen Dialekte des Saarlandes schon stark zum Rheinfränkischen, also vor allem Pfälzischen. Das saarländische Pfälzisch gehört zum Westpfälzischen.

Im Unterschied zum übrigen Deutschland war bis vor wenigen Jahren Französisch erste Fremdsprache im Saarland. Seit neuestem besteht die Wahl zwischen Französisch und Englisch, die Hälfte wählt jetzt Englisch als erste Fremdsprache. Französisch ist aber weiterhin Pflichtfremdsprache an Gymnasien. Im Saarland gibt es jetzt auch viele Pendler aus Lothringen; diese sprechen meist Dialekt (pfälzisch, moselfränkisch oder luxemburgisch) in der Region, Hochdeutsch mit Vorgesetzten und Kunden, Französisch, manchmal auch Dialekt untereinander.

Geschichte
Für die Zeit vor 1920 macht es eigentlich keinen Sinn, das Saarland losgelöst von größeren Regionen, aber gemeinsam zu betrachten. Es ist ein Kunstprodukt des Versailler Vertrags.

Seit etwa 800v.Chr. war die Region von Kelten bewohnt, Treverern im Nordwesten, Mediomatrikern im übrigen Land. 52v.Chr. kam sie an das Römische Reich; eine Romanisierung einschl. römischer Einwanderung setzte ein. Im 5. Jh.n.Chr. endete die römische Herrschaft, die Franken eroberten das Land. Die Romanisierung war um diese Zeit entweder noch nicht oder erst seit kurzem abgeschlossen. Mit der fränkischen Herrschaft begann die Germanisierung, die Bevölkerung nahm das Fränkische an. Diese war nach wenigen Jahrzehnten abgeschlossen, nur in Ausläufern des Hunsrück im Norden hielt sich das "Hochlandromanische", das wohl als Teil des Moselromanischen zu betrachten ist, bis ins 9. Jh. Seit dieser Zeit bildet die Region den Übergang zwischen dem Moselfränkischen und dem Pfälzischen. Im Ostfränkischen Reich gehörte das heutige Saarland zum fränkischen Stammesherzogtum, das sich später in kleinere Herrschaften aufspaltete. Das heutige Saarland gehörte zu verschiedenen davon, der äußerste Westen zu Luxemburg, Saarbrücken war Hauptstadt einer Grafschaft, andere Teile gehörten zu Kurtrier, Lothringen usw. Im 30jährigen Krieg wurde die Gegend zu 80% entvölkert. Vor allem französischsprachige Siedler wanderten ein, die sich aber schnell assimilierten.

Seit Ende des 17. Jhs. war die Gegend um Saarlouis französisch, Lothringen kam Ende des 18. Jhs. zu Frankreich. Nach der Französischen Revolution wurde die gesamte Region französisch und blieb es bis 1815 (wie alle Gebiete westlich des Rheins). 1815 wurden die westlichen Dreiviertel preußisch, der Osten als Teil der Pfalz bayrisch (plus ein winziger Zipfel des Fürstentums Lichtenberg und des Fürstentums Birkenfeld im Nordosten). Im 19. Jh. verschob sich die Sprachgrenze zwischen Moselfränkisch und Pfälzisch zugunsten des letzteren. Das Gebiet entwickelte sich gleichzeitig zu einem bedeutenden Bergbau- und Industriegebiet. Daher wurde der südliche Teil der preußischen Rheinprovinz und zwei Bezirke (entspricht heutigen Kreisen) der bayerischen Pfalz 1920 als Saargebiet abgetrennt und unter internationale, faktisch französische Verwaltung gestellt. Ein kleiner Teil des heutigen Saarlandes blieb bei Preußen. 1935 fiel das Gebiet wieder an Deutschland, wurde aber nicht an die vormaligen Ländern zurückgegliedert, sondern nur als NS-Gau verwaltet. 1945 wurde das Saarland in den heutigen Grenzen wieder von Deutschland abgetrennt, autonom unter französischer Vormundschaft gestellt und die Grenzen geschlossen. Im Saarland gab es daher keine Flüchtlinge aus dem Osten Deutschlands. Wie bereits 1920 begann eine Französisierungskampagne durch die Besatzungsmacht. Nach einer Volksabstimmung wurde das Saarland 1957 ein Land der Bundesrepublik Deutschland. Als Reste der Französisierungsbemühungen ist Französisch bis heute erste Fremdsprache im Saarland (statt Englisch, wie in der übrigen Bundesrepublik).

Fred Oberhauser (1999): Das Saarland: Kunst, Kultur und Geschichte im Dreiländereck zwischen Blies, Saar und Mosel (DuMont-Kunst-Reiseführer), Köln: DuMont.
http://de.wikipedia.org/wiki/Saarl%C3%A4ndischer_Dialekt.
http://www.suertenich.com/html/moselfr.html.
Wikipedia.
http://www.mundart-saarland.de/geschichte.htm.
Heiko Riedel (1994): Wahrnehmung von Grenzen und Grenzräumen. Eine kulturpsychologisch-geographische Untersuchung im saarländisch-lothringischen Raum (Arbeiten aus dem Geographischen Institut der Universität des Saarlandes; Bd. 41), Saarbrücken: Selbstverlag der Fachrichtung Geographie der Universität des Saarlandes.