
Offizielle Amtssprache: Rumänisch
Umgangssprachen: Rumänisch, Ungarisch, Mitteldeutsch, Alemannisch, Stokawisch, Romani, ((Judezmo, Türkisch, Aromunisch, Ukrainisch, Polnisch))
[Die Karte stammt aus der Wikipedia. Die verschiedenen Farben bezeichnen die vier Großregionen Rumäniens.] |
|
Rumänien besteht aus vier Großregionen: Transsilvanien, der Walachei, der Moldau und der Dobrudscha. Alle vier Regionen sind in ihrer Mehrheit rumänischsprachig. Die hier in vorrömischer Zeit lebenden Daker sind unter der römischen Herrschaft romanisiert worden. Als Romanen bildeten sie aber seit Ausgang des Altertums eine Sprachinsel in anderssprachiger Umgebung. Das Gebiet wurde häufig Opfer der Invasionen von aus dem Osten kommenden Steppenvölkern. Dabei entstand z.B. das ungarische Volk in rumänischer Nachbarschaft, das einzige der Steppenvölker, aus dem ein modernes Volk hervorging. Bedeutender noch war die Wanderung der Slawen. Außer Ungarn ist das rumänische Sprachgebiet heute nur von slawischsprachigen Völkern umgeben.
Rumänien wurde von Byzanz aus christianisiert. Kirchenslawisch blieb bis ins 16. Jh. alleinige Schriftsprache in Rumänien. Erst in der Folge der türkischen Eroberung entstand eine rumänische Schriftsprache. Unter den Rumänen war ein Bewußtsein der Andersartigkeit der Sprache gegenüber den umgebenden Völkern. Erst im 19. Jh. wurde ihnen aber der romanische Charakter ihrer Sprache bewußt. 1860 wurde daher die kyrillische Schrift zugunsten der lateinischen aufgegeben. Im weiteren wurden sehr viele Wörter (und wenige grammatische Erscheinungen) aus dem Französischen übernommen.
Im 16. Jh. gerieten Walachei und Moldau unter türkische Herrschaft. Die beiden Regionen waren aber nur tributpflichtige Vasallen der Türken. Daher hatte die türkische Herrschaft eine geringere Tragweite als in anderen Teilen des Osmanischen Reichs. So gab es keine muslimische Minderheit, die ja in anderen Teilen die Oberschicht bildete. Im 18. Jh. wurden die einheimischen Fürsten durch von den Osmanen ausgewählte Griechen ersetzt. Dies führte nur zu der Änderung, das in der Folge das Neugriechische die Sprache der Oberschicht wurde und das Rumänische, das gerade erst das Kirchenslawische als Schriftsprache ersetzt hatte, auch als Schriftsprache verdrängte.
Direkt unter osmanischer Herrschaft stand die Dobrudscha.
Transsilvanien und die Bukowina wurden früh aus türkischer Herrschaft gelöst und habsburgischer Herrschaft unterstellt. Transsilvanien war schon im Mittelalter Teil Ungarns gewesen, daher rührt eine ungarische und ein ungarischsprachige Minderheit namens Szekler. Auch aus Deutschland waren Siedler ins Land geholt worden. Unter österreichischer Herrschaft galten nur diese drei Völker als "Nationen" Transsilvaniens bzw. Siebenbürgens, ins Banat und nach Sathmar wanderten weitere Deutsche ein. Rumänen blieben hier die Bevölkerungsmehrheit, stellten aber vornehmlich die Unterschicht. Erst 1918 wurde das Gebiet Teil Rumäniens, wurden die Herrschaftsverhältnisse wieder umgekehrt.
Die rumänischen Juden lebten vornehmlich in Siebenbürgen und der Bukowina. Sie waren Aschkenasen. Viele von ihnen gaben im 20. Jh. das Jiddische zugunsten des Rumänischen auf. Nur in Bukarest gab es eine größere Zahl sephardischer, judezmo-sprachiger Juden.
Roma stellen inzwischen möglicherweise die größte Minderheitengruppe in Rumänien dar. Auf jeden Fall sind die rumänischen Roma die größte Gruppe von Zigeunern in Europa. Sie sind inzwischen meist seßhaft, werden aber auch heute noch tendentiell von anderen Bevölkerungsgruppen diskriminiert und stellen daher meist die Unterschicht dar.
Heute gehört nur die Norddobrudscha zu Rumänien, von 1918-1940 auch die Süddobrudscha, die heute, wie vor 1918, zu Bulgarien gehört. In der Süddobrudscha stellten Rumänen nur 2% der Bevölkerung, es lebten vor allem Türken und Bulgaren in der Region. In der Norddobrudscha gab es viele Rumänen, aber auch eine starke türkische Minderheit. Im Gegensatz zu Walachei und Moldau gehörte die Dobrudscha einst direkt zum Osmanischen Reich; daher waren vor allem die Städte stark türkisch und muslimisch geprägt. Die Türken sind 1936 in die Türkei ausgewandert.
Daneben lebten in der Dobrudscha von etwa 1840 bis 1940 die Dobrudschadeutschen. Sie kamen aus Rußland, später gesellten sich Schwaben hinzu. Sie sind 1940 nach Polen ausgesiedelt.
Im 20. Jh. sind einige Aromunen in die Dobrudscha eingewandert, die in die Süddobrudscha eingewanderten zogen 1940 in die Norddobrudscha. Sie sprechen teilweise noch ihre Sprache, diese ist aber als bedroht anzusehen.
Die Region Moldau im weiteren Sinne besteht aus der eigentlichen Moldau-Region und der Bukowina im Norden, auch Buchenland genannt. Dieser Teil der Großregion gehörte bis 1918 zu Österreich. Hier lebten neben Rumänen viele Juden und Deutsche. Die Juden waren vornehmlich jiddischsprechende Aschkenasen. Viele Juden haben auch das Rumänische angenommen. Die Juden wurden meist in Konzentrationslagern umgebracht, die Überlebenden wanderten nach Israel aus. Die Buchenlanddeutschen wurden bereits 1940 ausgesiedelt, oft in die neueroberten polnischen Gebiete (Wartheland, Süd-Ostpreußen), von wo aus sie fünf Jahre später nach Deutschland fliehen mußten. Von geringerer Bedeutung waren die Minderheiten der Polen, Ukrainer (sie lebten eher im Norden der Bukowina, die heute zur Ukraine gehört) und Ungarn. Auch sie verließen nach 1945 meist die Bukowina.
Die Rumänen der gesamten Großregion sprechen Dialekte der moldauischen Dialektgruppe, zu dem auch der moldawische Standard zählt.
Im 20. Jh. sind einige Aromunen in die Moldau eingewandert. Sie sprechen teilweise noch ihre Sprache, diese ist aber als bedroht anzusehen.
Im Norden der Moldau leben die Csango. Sie sprechen einen altertümlichen ungarischen Dialekt, nutzen aber von Alters her Rumänisch als Schriftsprache. Sie fühlen sich als Rumänen und sind erst seit kurzem als ethnische Minderheit "entdeckt" worden. Sie neigen zum Sprachwechsel zum Rumänischen.
Transilvanien besteht aus den Regionen Banat, Kreisch, Sathmar, Maramuresch und Siebenbürgen. Das Gebiet kam als Kriegsbeute des Ersten Weltkriegs zu Rumänien. Davor war es jahrhundertelang Teil Ungarns. Transilvanien ist vielsprachig. Die germanischsprachigen Siedler sind zwar in den letzten Jahrzehnten ausgewandert, es blieben aber die meisten Ungarn und einige andere. Im Banat leben Serben, im Inneren Siebenbürgens die Szekler, ein ungarischer Volksstamm.
Die transilvanischen Deutschen teilen sich in die Donauschwaben oder Banater Schwaben im Banat, die Sathmarer Schwaben um Satu Mare und die Siebenbürger Sachsen im Inneren des Landes. Die Sathmarer Schwaben sind die Nachfahren oberschwäbischer Einwanderer des 18. Jhs. Die Donauschwaben kamen nach den Türkenkriegen aus Franken, Bayern/Österreich und den alemannischsprachigen Gebieten. Die Siebenbürger Sachsen kamen in zwei Wellen. Die erste datiert noch aus dem 12. Jh.; damals kamen Siedler aus dem Maas-Mosel-Raum, Flandern, Thüringen, Bayern und dem Rheinland. Zur Zeit der Gegenreformation folgte eine zweite Welle aus verschiedenen Teilen des heutigen Deutschland. Die Deutschen sind in der Zeit des Kommunismus durch Auswanderung stark dezimiert worden. Die Juden in diesem Teil des Landes sprachen Ungarisch oder Jiddisch, meist ersteres. Sie sind nach Israel oder Deutschland ausgewandert, soweit sie den Holocaust überlebten.
Die Walachei ist vornehmlich rumänischsprachig. Sie gliedert sich in zwei Regionen: Muntenien und Oltenien. In Muntenien wird muntenisch gesprochen, in Oltenien oltenisch. Muntenisch entspricht weitestgehend dem rumänischen Standard. Die oltenische Dialektgruppe ist berühmt, weil sie als einzige die analytischen Perfektformen bewahrt, die sonst nur in der Schriftsprache gebraucht werden. Neben Rumänen leben Zigeuner und Juden in der Walachei; letztere sind aber zumeist im Holocaust umgekommen. Sie sprachen Judezmo, waren aber teilweise auch ans Rumänische assimiliert.
Für die geschichtliche Entwicklung Rumäniens muß man die verschiedenen Großregionen getrennt betrachten: Transsilvanien, die Walachei, die Moldau und die Dobrudscha.
Die älteste Bevölkerung, die wir kennen, waren (in allen Regionen außer der Dobrudscha) die Daker und die Geten. Beides waren thrakische Stämme. Im 1. Jh.v.Chr. bildeten die Daker ein größeres Reich, zu dem bald auch die Geten gehörten. Im 2. Jh.n.Chr. wurde das dakische Reich von Rom erobert. Römische Siedler wanderten ein, die Daker und Geten wurden romanisiert. Ein Teil Dakiens blieb frei. Dennoch setzte sich auch dort die romanische Kultur durch. Schon im 4. Jh. verließen die römischen Truppen das Land wieder.
In der Dobrudscha lebten die Thraker im engeren Sinne. An der Küste gab es griechische Kolonien. Ende des 1. Jh.v.Chr. kamen beide an Rom, als Teil der Prov. Moesien.
Bald darauf eroberten verschiedene Nomadenvölker das Gebiet:
Seit dieser Zeit muß man Transsilvanien getrennt vom übrigen Rumänien betrachten.
Horst G. Klein/Katja Göring (1995): Rumänische Landeskunde,
Tübingen: Narr
Wikipedia.