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Johannes Reese

Textzusammenfassung · Internat. Layout · Übersetzungen · Aussprachetraining · Historische Recherche · Ghostwriting

Paraguay

Offizielle Amtssprache: Spanisch, Guarani

Einheimische Sprachfamilien: Maskoyanisch, Waicuru, Tupi-Guarani, Zamukoanisch

Umgangssprachen: Guarani, Spanisch, Portugiesisch, Aché, Ayoreo, Chamacoco, Chiripá, Chorote, Riograndenser Hunsrückisch, Plautdietsch, Guana, Lengua, Maca, Nivaclé, Pai Tavytera, Sanapaná, Tapieté, Toba, Toba-Maskoy

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Paraguay teilt sich in zwei Großregionen: den Chaco im Westen, der etwa 60% der Landesfläche mit nur 5% der Bevölkerung ausmacht, und die Paraneña-Region im Osten. Die heutigen Grenzen sind erst seit 1938 fest. Vor allem 1870 verlor Paraguay weite Gebiete an Argentinien und Brasilien.

Im Paraneña sind die meisten Paraguayer Mestizen. 95% der Bevölkerung sprechen Guaraní. Paraguay ist damit das einzige Land, in dem eine indianische Sprache vorherrschende Umgangssprache unter Nicht-Indianern ist und auch das einzige Land, in dem überhaupt eine indianische Sprache vorherrschende Umgangssprache ist. Dabei hat sich ein eigener Paraguay-Guaranñ-Dialekt der Mestizen entwickelt, der sich vom "ursprünglicheren" Guarani entfernt, vor allem auch durch die spanische Beeinflussung.

Die Oberschicht spricht eher Spanisch. Spanisch ist die Sprache für alle "edleren" Verrichtungen. Obwohl Guarani seit einigen Jahren zweite Amtssprache ist, hat es sich als Schriftsprache kaum durchgesetzt. Lediglich in der Literatur taucht es häufiger auf. Das paraguayische Spanisch gehört zu den Rio-de-la-Plata-Dialekten, es unterscheidet sich von den übrigen aber vor allem dadurch, daß es stark durch das Guarani geprägt ist. Es gibt sogar Tendenzen zu einem Kontinuum zwischen Guarani und Spanisch. Jedenfalls spielt die gegenseitige Beeinflussung und auch code switching eine große Rolle; man nennt des Ergebnis Jopara. Allerdings ist code switching und überhaupt Guarani-Einflüsse im Spanischen sozial stigmatisiert.

Das Paraneña ist eine Region, die im Osten gebirgig ist und nach Westen zum Río Paraguay hin (der Chaco und Paraneña teilt) flach wird. Der Osten war früher nur dünn besiedelt. Dort lebten indianische Tupí-Guaraní-Völker, unter anderem auch Sprecher konservativerer Varianten des Guaraní. Seit einigen Jahrzehnten ist die Region Einwanderungsland. Neben Paraguayern aus anderen Regionen des Paraneña sind eine beträchtliche Zahl von Brasilianern eingewandert, so daß in Teilen des Ostens heute Portugiesisch die vorherrschende Umgangssprache und lingua franca ist. Unter den Brasilianern waren auch viele Deutschbrasilianer, die u.a. das Riograndenser Hunsrückische nach Paraguay gebracht haben.

Der Chaco im Westen ist flach und durch heißes Klima geprägt. Er ist bis heute nur gering besiedelt. Außer mennonitischen Einwanderern, die Plautdietsch sprechen, ist hier die indianische Besiedlung vorherrschend geblieben. Nur wenige gehören zu den Tupí-Guaraní, bedeutender sind die maskoyanischen und Waicuru-Völker. Außerdem gibt es noch ein paar Hundert Chamacoco im Grenzgebiet des Chaco zu Brasilien; die Sprache gehört zur zamukoanischen Sprachfamilie.

Sprachenkarte (Ethnologue)

Geschichte
Paraguay wurde im frühen 16. Jh. von Spanien erobert. Vorher lebten hier die Angehörigen der drei Sprachfamilien, die oben beschrieben sind. Sie waren meist Jäger und Sammler (?). Die Kolonie erschien den Spaniern erst vielversprechend, verlor aber schnell an Wert gegenüber den Fundgruben für Gold in anderen Teilen des Subkontinents. Eine Besonderheit Paraguays ist, daß hier systematisch die Indianer durch "Kreuzung" mit Europäern dezimiert wurden. So sank die Zahl der "reinrassigen" Indianer innerhalb relativ kurzer Zeit stark und machten einer fast rein mestizischen Bevölkerung Platz. Da Paraguay aber nicht so attraktiv für Spanier war, kamen auch wenig Spanier nach, die den mestizischen Charakter Paraguays sozusagen von der anderen Seite her hätten relativieren können. Eine weitere Besonderheit ist, daß die Mestizen nicht, wie in anderen Teilen Lateinamerikas, geschlossen die Sprache der Eroberer (also auch ihrer spanischen Vorfahren) annahmen, sondern ebenso geschlossen die ihrer indianischen Vorfahren (insofern ist Paraguay nur bedingt ein "lateinamerikanisches" Land).

Paraguay wurde für lateinamerikanische Verhältnisse früh unabhängig (1811). Sein erster Präsident "mestizierte" das Land noch mehr, indem er ... Durch den Krieg gegen einer Dreier-Allianz von Argentinien, Brasilien und Uruguay verlor Paraguay 1870 ein Viertel seines Territoriums an die Nachbarstaaten. Der Versuch Bolivien in den 1930er Jahren, sich des damals kaum besiedelten Chacos zu bemächtigen, scheiterte aber, und so gewann Paraguay 1938 einen Streifen vorher bolivianischen Landes im Chaco hinzu. Im 19. und 20. Jh. haben viele Paraguayer das Land verlassen, vor allem in Richtung Argentinien, erst seit wenigen Jahrzehnten gibt es Einwanderung nach Paraguay, vornehmlich aus Brasilien (von einigen Mennoniten im 19. Jh. abgesehen). Unter den Brasiliern sind viele Deutschsprachige, die in der Regel Riograndenser Hunsrückisch sprechen.


Dennis M. Hanratty / Sandra W. Meditz (Hrsg.)(1990): Paraguay: A Country Study (Area Handbook Series), Washington DC: Amerikanische Armee.