
Offizielle Amtssprache: Polnisch
Umgangssprachen seit 1945/1947: Standard-Polnisch/(† Masurisch)/Kresy, Roma, (((Ukrainisch)))
Umgangssprachen bis 1945/1947: [Niederpreußisch, Hochpreußisch/(·)Hochdeutsch, Masurisch, [Altpreußisch]]
Über 99% der heutigen Einwohner sind Einwanderer aus anderen Teilen dessen, was vor dem 2. Weltkrieg Polen war. Dabei kam gut ein Viertel aus dem angrenzenden Masowien und Podlachien, gut ein Viertel aus den ehem. polnischen Ostgebieten (sie waren also meist die Nachfahren polonisierter Weißrussen oder Ukrainer, s. Weißrußland/Ukraine), von den übrigen waren viele aus Deutschland zurückgekehrte polnische Zwangsarbeiter sowie Ukrainer aus dem Südosten Polens, die hierher geschickt wurden, um die ukrainische Nationalbewegung dort zu schwächen.
Die Einwanderer selbst sprechen bzw. sprachen entweder Hochpolnisch, Masowisch/Podlachisch oder ostpolnische Dialekte (Kresy). Viele legten diese Dialekte in der neuen Heimat aber ab, zumal ja die Einwanderer aus verschiedenen Regionen kamen. In aller Regel beherrschen die Nachfahren der Einwanderer die Dialekte nicht mehr, sondern sprechen nur Standard-Polnisch.
Für die unter 1% Vorkriegs-Ostpreußen und deren Nachfahren sind zwei Gruppen zu unterscheiden: die Masuren und die übrigen Ostpreußen. Unter ersteren sprechen die über 90-jährigen in der Regel noch Masurisch als Muttersprache, die 70-90-jährigen in der Regel Hochdeutsch als Muttersprache, die jüngeren Standard-Polnisch. Die übrigen (Süd-)Ostpreußen sprachen früher ostniederdeutsche (Niederpreußisch) oder mitteldeutsche (Hochpreußisch) Dialekte. Allerdings ist ihr Anteil wohl noch geringer als der der im Land gebliebenen Masuren. Auch hier wird es eine Altersschicht ähnlich der masurischen Deutschsprecher geben, in der neben den germanischen Dialekten hochdeutsche Muttersprachler zu finden sind, allerdings sind sie auch unter den 70-90jährigen nur eine Minderheit. Auch hier sprechen alle jüngeren Standard-Polnisch.
Die Masurischsprecher machen ebensowenig wie die Deutsch- und Niederdeutschsprecher im Alltag von ihren Kenntnissen Gebrauch. Allgemeine Umgangssprache ist wie unter den jüngeren Einwanderern Standard-Polnisch.

Die Woj. stellt im wesentlichen die Südhälfte der historischen Region Ostpreußen dar. Die Nordhälfte gehört heute zu Rußland. Der äußerste Westen der Woj. gehört zum Kulmer Land, also zu Westpreußen. Er wird unter dem Eintrag zur Woj. Pommerellen behandelt. Der äußerste Südrand ist masowisch und wird unter Masowien behandelt.
Seit 50v.Chr. war Ostpreußen war westl. der Passarge von Goten bewohnt, östlich davon von Prussen.
Sprachlich teilte sich Süd-Ostpreußen in drei Regionen: das polnischsprachige Masuren, das hochpreußische Oberland und mittlere Ermland sowie das niederpreußische übrige Ostpreußen. Dabei sticht das Ermland insgesamt kulturell noch durch die direkte Zugehörigkeit zu Polen zwischen 1466 und 1772 und den daraus resultierenden katholische Glauben heraus. Auch Binnenwanderung fand vornehmlich einerseits innerhalb des Ermlandes, andererseits innerhalb des gesamten übrigen Ostpreußens statt. Der Adel, also die Ordensritter, kam meist aus dem mittel- und oberdeutschen Sprachraum. Er sprach daher Ostmitteldeutsch, seit der Reformation genauer hochdeutsch (also Standard-Deutsch), das auch in ganz Ostpreußen als Schriftsprache diente. Nur in Elbing (und Danzig) wurde die Hansesprache (Mittelniederdeutsch) als Schriftsprache benutzt; im Samland gab es im 16. Jh. auch altpreußische Schriftstücke.
Masuren
Bis zum 13. Jh. siedelten in Masuren Balten, wenn es auch wohl nicht dicht besiedelt war. Die hiesigen Balten teilten sich in die prussischen Stämme der Sassen und Galinden sowie die Jatwinger in der Landschaft Sudauen. Im Zuge des Krieges des Deutschen Ordens gegen die Prussen wurde Masuren weitgehend entvölkert und blieb es bis ins 15. Jh. Erst im 15. Jh. wurde das Gebiet von Deutschen und Polen besiedelt. Beide waren vom Deutschen Orden eingeladen worden. Der Anteil der polnischen Siedler war dabei der weitaus größere, die wenigen Deutschen assimilierten sich schnell. Sie waren meist Einwanderer aus dem Ermland, dem Kulmerland und Pomesanien, wohin ihre Vorfahren wenige Generationen vorher meist aus Schlesien gezogen waren. Da die Polen vor allem aus Masowien kamen, setzte sich der masowische Dialekt durch. Durch die politische Trennung von Masowien, das an Masuren grenzt, die Herrschaft der meist deutschen Ordensritter, das Substrat der wenigen deutschen Siedler und wenigen im Land verbliebenen Prussen ließen einen neuen Dialekt entstehen, das Masurische. Im 16. Jh. wurden die Masuren Protestanten. Masurisch wurde seitdem auch geschrieben, in einer vom Polnischen abweichenden Rechtschreibung und mit Fraktur-Buchstaben (besser bekannt unter der Bezeichnung "altdeutsche Schrift"), wie das Deutsche.
Während dreier Jahrhunderte wurde in der Region nur Masurisch gesprochen. Im Zeitalter des Nationalismus wurden die Masuren zu einer Anomalität, da sie zwar einen polnischen Dialekt sprachen, mit der polnischen Nationalbewegung aber nichts anfangen konnten. Diese Anomalität wurde für die Masuren spürbar, als ihr nicht-nationaler preußischer Staat, dem sie die Treue hielten, in einem nationalen deutschen Staat aufging. Dies geschah 1871. In ihrer Treue zum neuen Staat begannen einzelne Masuren, Schon kurz nach ihrer Einwanderung wurden die Masuren Protestanten. Vielleicht darum, vielleicht aufgrund der Tatsache, daß ihre Region nie unter direkter polnischer Herrschaft stand, jedenfalls sprachen die Masuren einen polnischen Dialekt, fühlten sich aber als Preußen bzw. nach 1871 als Deutsche. Gegen Ende des 19. Jh. ging etwa ein Viertel der Masuren zum (Hoch-)Deutschen als Umgangssprache über, das ihnen immer schon als hauptsächliche Schriftsprache gedient hatte. Masurisches Schrifttum (in Fraktur-Schrift, oft "altdeutsch" genannt, mit einer vom Polnischen abweichenden Orthographie) war mit der "Dialektliteratur" im germanischsprachigen Deutschland zu vergleichen. Seit dem 19. Jh. gab es in eher geringem Umfang erstmals seit der Ankunft der masowischen Siedler Einwanderung. Sie bestand aus Deutschen, die in den Städten siedelten, und Polen aus Westpreußen und Posen, die in Westmasuren ansässig wurden. Auf die sprachlichen Verhältnisse hatte die Einwanderung insofern Auswirkungen, als die Städte noch im 19. Jh. begannen, zunehmend deutschsprachig zu werden. Umgekehrt gab es eine starke Auswanderungsbewegung von Masuren vor allem ins Ruhrgebiet, wo sie sich schnell sprachlich assimilierten.
Nach dem 1. Weltkrieg beanspruchte Polen Ostpreußen. Es kam 1920 in Masuren (und dem südl. Ermland) zu einer Volksabstimmung, in der ca. 99% der Masuren für Deutschland stimmten. Der Landkreis Soldau fiel ohne Abstimmung an Polen. In der Folge wanderten 80% der dort lebenden Masuren in die deutsch gebliebenen Gebiete ab. Die übrigen fühlten sich mindestens zur Hälfte dennoch weiterhin Deutschland verbunden; der Germanisierungsprozeß wurde hier schwächer, aber Deutsch blieb Schriftsprache Nr. 1. Die nach Masuren eingewanderten Polen wanderten fast geschlossen nach Polen aus.
Während des 2. Weltkrieg sprach die polnische Exilregierung mit den Alliierten ab, daß Ostpreußen nach dem Krieg an Polen fallen sollte. Kurz vor dem Einmarsch der Roten Armee wurde Ostmasuren evakuiert, allerdings nur in den Kreis Sensburg. Als Ostpreußen sowjetisch besetzt war, flohen ca. 80-90% der Einwohner Masurens Richtung Westen, mindestens 20% kamen bei dem Versuch ums Leben. Von den Dagebliebenen wurden alle ohne polnisch klingenden Namen 1945-1946 vertrieben. Die beiden östlichen Landkreise wurden der Wojewodschaft Bialystok zugewiesen; hier war ja die Bevölkerung evakuiert worden, hier wohnten also ausschließlich Einwanderer. Der Rest des "nicht-westpreußischen" Ostpreußen bildete seit 1946 die Wojewodschaft Allenstein bzw. Olsztyn. 1947 gab es noch ungefähr 10000 nicht-masurische Deutsche in dieser Wojewodschaft. Die Masuren durften das Land nicht verlassen. Gleichzeitig stieg die Einwanderung. 1950 waren noch ca. 15% der Bevölkerung einheimisch. Den größten Anteil machten sie im Landkreis Sensburg aus, wohin 1944 die Ost-Masuren evakuiert wurden. Knapp die Hälfte dieser Einheimischen erwarb die polnische Staatsbürgerschaft. Nach 1956 kam eine neue Auswanderungswelle Einheimischer. Die Hälfte verließ in den darauffolgenden Jahren Ostpreußen/die Wojewodschaft Allenstein. In den 60er Jahren gab es eine weitere Welle; danach waren noch gut 5% der Bevölkerung in Masuren Masuren. Die letzten gingen in den schwierigen 80er Jahren. Für 1990 rechnet man noch mit etwa 8000 Masuren, die in Masuren lebten. Die Zahl ist seitdem möglicherweise noch weiter gefallen. Geblieben waren ohnehin praktisch nur noch Masuren mit nicht-masurischem Ehepartner, so daß ihre Nachkommen sowohl Nachkommen der Einwanderer wie der Einheimischen sind.
Ermland
Aus Warmien und Teilen Pogesaniens entstand das Ermland. Das Ermland wurde vor allem von Schlesien und der Mark Meißen (heute Sachsen) aus besiedelt. Viele Siedler kamen aus Pomesanien und dem Kulmerland, die wiederum von Schlesien und Meißen aus besiedelt worden waren. Der Norden wurde allerdings vom niedersächsischen Sprachgebiet besiedelt, viele davon aus der nordwestlichen Mark Brandenburg. Holsteiner fanden sich vor allem im Küstenbereich. Siedler aus den Niederlanden und Oberdeutschland gab es, sie waren aber gering an Zahl und ohne Einfluß auf die Sprache, die sich im Neuland durchsetzte.
Daher nannten die Bewohner des mittleren Ermlands ihren Dialekt "Breslausch". Im nördlichen Ermland entstand ein niederpreußischer Dialekt, das Haff-Niederpreußische. Das Ermland wurde zu einer einheitlichen Region, als es im Gegensatz zum übrigen späteren Ostpreußen im 1466 unter direkte polnische Herrschaft kam (allerdings war es autonom und wurde vor allem vom Ermländischen Bischof regiert). Von da an unterschied man ein Königliches Preußen, zu dem das Ermland und Westpreußen gehörten, und ein Herzogliches Preußen, das das übrige spätere Ostpreußen umfaßte. Letzteres unterstand einem Herzog, der offiziell polnischer Lehnsnehmer war, de facto aber weitgehend unabhängig. Er war gleichzeitig Kurfürst von Brandenburg. Mit Brandenburg wurde das Herzogliche Preußen im 16. Jh. protestantisch. Das Königliche Preußen blieb katholisch, und dies machte nach 1772, als beide unter preußischer Herrschaft (und bald darauf Teil der Provinz wurde, die zunächst Preußen, später Ostpreußen genannt wurde) vereinigt wurden, einen Großteil der kulturellen Verschiedenheit zwischen Ermländern und übrigen Ostpreußen aus. So sprach man im südlichen Ermland Masurisch, wenn auch mit einer beachtlichen deutschsprachigen Minderheit. Dennoch galt das Süd-Ermland nicht als Teil Masurens. Als im 19. Jh. der Nationalismus aufkam, konnten sich einige (wenige) masurischsprachige Ermländer als Katholiken mit der polnischen Nationalstaatsidee anfreunden, von den Masuren praktisch niemand. Dieser südliche Teil gehörte 1920 auch zum Abstimmungsgebiet: Die Bevölkerung mußte sich entscheiden, ob sie zu Deutschland oder Polen gehören wollte. Über 90% stimmten für Deutschland.
Übriges Ostpreußen
Von dem heute zu Polen gehörenden Teil machen Ermland und Masuren den größten Teil aus. Westlich von beiden gab es nur zwei Landkreise, Mohrungen und Preußisch-Holland (Landschaft: Oberland), die vor 1918 ostpreußisch waren, aber weder zum Ermland noch zu Masuren gehörten, während im Osten die ehem. Landkreise Heiligenbeil, Preußisch-Eylau, Bartenstein, Rastenburg, Gerdauen, Darkehmen (nach 1938 Angerapp), Angerburg und Goldap (Landschaften: Barten, Natangen, Rominten) den nicht-ermländisch-nicht-masurischen Teil "Polnisch-Ostpreußens" darstellen.
Das Oberland wurde (wie das mittlere Ermland) von Schlesien und der Mark Meißen aus über das Kulmerland besiedelt. Es bildete später zusammen mit dem mittleren Ermland das "hochpreußische" Sprachgebiet, also die mitteldeutsche Enklave in Ostpreußen. Die übrigen Regionen wurde erst ab 1330 von "Deutschen" besiedelt. Sie kamen hauptsächlich aus "Niederdeutschland". Hier blieben die Prussen zunächst Bevölkerungsmehrheit, wurden aber später germanisiert.
Im 16. Jh. wurden auch mennonitische Niederländer in der Gegend von Elbing und Pr. Holland angesiedelt. Sie bewahrten bis Ende des 18. Jhs. Niederländisch als Schrift- und Umgangssprache.
Quellen:
Walther Ziesemer (1924): Die ostpreußischen Mundarten,
Kiel: Ferdinand Hirt, ND 1979: Wiesbaden: Sändig.
Adrian von Arburg, Wlodzimierz
Borodziej, Jurij Kostjaschow (2005): Als die Deutschen weg waren Was nach der
Vertreibung geschah: Ostpreußen, Schlesien, Sudetenland; Das Buch zur
WDR-Fernsehserie, Berlin: Rowohlt.
Richard Blanke (2001): Polish-speaking Germans?: language and national identity
among the Masurians since 1871 (Ostmitteleuropa in Vergangenheit und Gegenwart;
24), Köln: Böhlau.
Heinz Neumeyer (1993): Westpreußen. Geschichte und Schicksal, München: Universitas. [Ich distanziere mich entschieden von dem nationalistischen Tenor dieses Werks; die meisten Fakten scheinen aber zu stimmen.]