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Johannes Reese

Textzusammenfassung · Internat. Layout · Übersetzungen · Aussprachetraining · Historische Recherche · Ghostwriting

Niedersachsen (Deutschland)

Offizielle Amtssprache: Deutsch

Einheimische Umgangssprachen: ·Mitteldeutsch (Hochdeutsch), Niedersächsisch, (Ostniederdeutsch), Saterfriesisch, (Pfälzisch/Thüringisch)

Lkr. Ammerland Lkr. Aurich Lkr. Grafschaft Bentheim Lkr. Celle Lkr. Cloppenburg
Lkr. Cuxhaven Lkr. Diepholz Lkr. Emsland Lkr. Friesland Lkr. Gifhorn
Lkr. Goslar Lkr. Göttingen Lkr. Hameln-Pyrmont Lkr. Harburg Lkr. Helmstedt
Lkr. Hildesheim Lkr. Holzminden Lkr. Leer Lkr. Lüchow-Dannenberg Lkr. Lüneburg
Lkr. Nienburg/Weser Lkr. Northeim Lkr. Oldenburg Lkr. Osnabrück Lkr. Osterholz
Lkr. Osterode am Harz Lkr. Peine Lkr. Rotenburg Lkr. Schaumburg Lkr. Soltau-Fallingbostel
Lkr. Stade Lkr. Uelzen Lkr. Vechta Lkr. Verden Lkr. Wesermarsch
Lkr. Wittmund Lkr. Wolfenbüttel Braunschweig Delmenhorst Emden
Oldenburg (Oldenburg) Osnabrück Salzgitter Wilhelmshaven Wolfsburg
Geschichte

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Für die sprachliche Situation in Niedersachsen muß man zwei Epochen betrachten: bis ca. 1970 und seitdem.

Seit ca. 1970 setzt sich das Standarddeutsche als Schriftsprache flächendeckend durch. Auf nennenswerten Widerstand trifft es nur noch in Ostfriesland und im Saterland. Somit sind nach 1970-1980 geborene in aller Regel Muttersprachler des Standards, wie er in Radio und Fernsehen zu hören ist, mit einem norddeutschen Substrat. Dieses Substrat ist im Norden stärker, im Süden vor allem unter Akademikern schwächer. Unter diesen Jüngeren spricht nur noch eine Minderheit die Sprachen, die bis in die 70er in Niedersachsen vorherrschend waren. Von dieser Einheitlichkeit weichen nur die nach 1950 gekommenen Einwanderer ab, die in der 2., 3. und 4. Generation teilweise noch ihre Herkunftssprache sprechen, meist neben Hochdeutsch (oder Kanakisch).

Die traditionellen sprachlichen Verhältnisse in Niedersachsen sind demgegenüber: ein friesischsprachiges Gebiet im Saterland (heute eine Samtgemeinde im Lkr. Cloppenburg), ein nordthüringischsprachiges Gebiet am Südostrand im Südharz, eine winzige pfälzische Sprachinsel in einem Stadtteil Braunschweigs, ein erzgebirgischsprachige Enklave im Oberharz zwischen Lautenthal und St. Andreasberg (um Clausthal-Zellerfeld), sowie ein großer niedersächsischsprachiger Rest.

Das niedersächische Gebiet teilte sich auf in ein (kleines) westfälisches (das zum Ostwestfälischen gehört: Stadt und Südkreis Osnabrück), ein ostfälisches im Südosten sowie ein ostniederdeutsches im Landkreis Lüchow-Dannenberg sowie dem Amt Neuhaus (das erst seit 1994 zu Niedersachsen gehört). Der Rest wird in der Germanistik als Nordniedersächsisch zusammengefaßt. Möglicherweise ist auch eine Trennung in Westniedersächsisch und Nordniedersächsisch sinnvoll. Unter den westniedersächsischen Dialekten sticht das Ostfriesische Platt hervor, aufgrund seines friesischen Substrats (s. Geschichte). Außer dem Ostfriesischen Platt kann man die westniedersächsischen Dialekte noch in Emsländisch, Südemsländisch, Hümmlinger Platt, Oldenburgisch, Südoldenburgisch, Bentheimisch und Nordosnabrückisch unterteilen. Das Südemsländische bildet den Übergang zum Westfälischen, das Oldenburgische ist schon dem Nordniedersächsischen (i.e.S.) nahe. Die nordniedersächsischen (i.e.S.) Dialekte Niedersachsens werden als Nordhannoverisch zusammengefaßt.

Die traditionelle Sprachsituation wurde seit der ersten Hälfte des 19. Jhs. verändert, als die Oberschicht der Großstädte Ostfalens (Hannover, Braunschweig usw.) die Schriftsprache zu einer Umgangssprache ausbaute und das Niedersächsische zugunsten dieser neuen Umgangssprache aufgab. Die Grammatik wurde dabei leicht ostfälisch beeinflußt, die Aussprache beruhte auf einer Mischung des bis dahin als Norm geltenden (Ober-)Sächsischen und dem ostfälischen der Region. Man wollte sich schließlich abgrenzen. In der zweiten Hälfte des Jhs. weitete sich diese neue Sprache auch auf die übrigen größeren Städte aus, teilweise auch auf die Oberschicht in ländlichen Regionen. Dabei veränderte sie sich nochmals. Um die Jahrhundertwende begannen auch die übrigen Schichten in den größeren Städten das Hochdeutsche zu übernehmen, allerdings meist mit stärkerem niedersächsischen Substrat. In der ersten Hälfte des 20. Jhs. gab es also zunehmend hochdeutsche größere Städte neben weitgehend niedersächsischsprachigen ländlichen Gebieten. Dabei entwickelte sich das Hochdeutsche in zwei Richtungen: es kamen andere Substrate hinzu, und es entwickelte sich sozial auseinander. In nicht-akademischen Kreisen außerhalb Ostfalens war das Substrat deutlich, auch in der Aussprache, die meist stark westfälisch oder nord- bzw. westniedersächsisch geprägt war. In akademischen Kreisen flossen andere Substrate in subtilerer Weise ein, führten zu großräumigeren Varianten und bereiteten die Grundlage für die heute in Radio und Fernsehen vorherrschende Aussprachevariante. Dadurch wurde die ostfälische Aussprache zu einer regional markierten.

Seit dem 2. Weltkrieg griff das Hochdeutsche auf die ländlichen Räume aus, zuerst auf den Süden und Osten, dann auf den Norden und Westen. Um 1970-1980 erreichte sie die letzten noch fast rein niedersächsischen Gebiete wie den Hümmling, das Emsland und das Land Hadeln. Lediglich im ostfriesischen und saterfriesischen Raum konnte es sich bis heute nicht ganz durchsetzen, auch diese Gebiete sind allerdings heute gemischt hochdeutsch-niedersächsisch/saterfriesisch. Dabei lief die Entwicklung außer im Saterland in den wenigen nicht-niedersächsischen Gebieten in gleicher Weise ab wie im Rest des Landes. Das Hochdeutsch der Oberharzer Jugend klingt so norddeutsch wie im übrigen Niedersachsen. Seit 1970 gleicht sich das Hochdeutsch der Akademiker in Niedersachsen an die Medienaussprache an, mit zunehmender Tendenz Richtung Süden. Unter Nicht-Akademikern bleibt das westfälische/ostfälische/nord-/westniedersächsische Substrat deutlicher.

Bis zum 2. Weltkrieg spielte Einwanderung nur eine untergeordnete Rolle. Erst nach 1945 kamen größere Gruppen von außerhalb Niedersachsens ins Land. Zunächst die deutschstämmigen Flüchtlinge, seit den 50er Jahren die "Gastarbeiter". Zu ihren sprachlichen Verhältnissen vgl. den Eintrag zu Deutschland.

Als Schriftsprache dient heute nur noch Hochdeutsch. Auch hier gab es früher mehr Varianz. Der Westen Niedersachsens ist überwiegend katholisch, hier diente Latein bis 1965 als Kirchensprache; im übrigen herrschte seit dem 17. Jh. Hochdeutsch als Schriftsprache vor. Daneben gibt es im Westen zwei kleine reformierte Enklaven: die Grafschaft Bentheim und das westl. Ostfriesland. Hier war Niederländisch Schriftsprache, Hochdeutsch wurde nicht benutzt. Erst um 1900 wechselte man hier zum Hochdeutschen als Schriftsprache. Lediglich im mehrheitlich lutherischen Osten hatte das Hochdeutsche als Schriftsprache seit dem 17. Jh. keine Konkurrenz.

Osnabrücker Land

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In Osnabrück und südlich davon wird traditionell Ostwestfälisch gesprochen. Dieses Ostwestfälisch ist heute aber nur noch unter alten Leuten auf dem Land zu hören. Man spricht heute unter Akademikern ein vom Mediendeutschen wenig verschiedenes, unter Nicht-Akademikern ein stärker westfälisch beeinflußtes Standard-Deutsch. Selbst unter Akademikern ist aber zum nördlichen Osnabrücker Land eine Sprachgrenze festzustellen, die sich in einigen Details noch bemerkbar macht.

Die Dialekte des nördlichen Osnabrücker Landes (etwa ab Bramsche) werden traditionell dem Nordniedersächsischen zugerechnet. Ich gehe aber von einer eigenen westniedersächischen Dialektgruppe aus, zu der auch das Nordosnabrückische gehört. Das Nordosnabrückische ist etwas weniger bedroht als das Westfälische südlich davon, aber es ist auch eher unter älteren Leuten zu hören. Der Sprachunterschied zwischen westniedersächsisch und weniger westniedersächsisch geprägtem Standard-Deutsch macht sich hier an anderen Faktoren als der Schulausbildung fest. Entscheidender sind die Größe der Ansiedlung, in der die Sprecher wohnen, und die Herkunft. Im Osnabrücker Land hat es im Vergleich zum übrigen Westniedersachsen (von der Küstenregion abgesehen) sehr viel Einwanderung aus anderen Teilen Deutschlands gegeben.

In und um Osnabrück war bis 2009 die größte britische Militärbase außerhalb Großbritanniens. Die britischen Soldaten lebten praktisch völlig isoliert von der einheimischen Bevölkerung, blieben jeweils nur wenige Jahre im Land; ihre Umgangssprache war Englisch.

Eigene Beobachtungen.
Lokale Presse.

Lkr. Emsland (Emsland, Hümmling, Hasetal)

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Unter den über 30-50jährigen ist Platt noch vorherrschende Umgangssprache (mit Unterschieden nach Gemeindegröße; in größeren Gemeinden liegt das Datum des Sprachwechsels früher). Die Sprache ist aber bedrohter als in Ostfriesland, da das kulturelle Selbstbewußtsein in dieser Region deutlich geringer ist. Die Nicht-Plattsprecher sprechen ein westniedersächsisch beeinflußtes Hochdeutsch, das auch die Plattsprecher im Umgang mit Nicht-Plattsprechern benutzen, meist unabhängig davon, ob die Nicht-Plattsprecher passive Sprachkenntnisse besitzen.

Die drei Regionen stellen flächenmäßig den überwiegenden Teil Westniedersachsens dar. Sie gehörten im Alten Reich zum Bistum Münster, die Protestanten erreichten hier bis zum Zweiten Weltkrieg meist keine dreistelligen Einwohnerzahlen. Nur die Region um Lingen gehörte zur Niedergrafschaft Lingen und war gemischtkonfessionell. Das Niedersächsische dieser Regionen, also das Emsländische, das Hümmlinger Platt und das Südoldenburgische, ist dem Ostfriesischen Platt nah verwandt, weist aber einige Besonderheiten auf. Im Süden weist es schon westfälische Einflüsse auf (Südemsländisch). Wie das Ostfriesische Platt hat es die meisten Eigenheiten bewahrt, abgesehen von der täglich wachsenden Zahl von hochdeutschen Fremdwörtern, die in den letzten Jahrzehnten eingeflossen sind (diese werden aber dann in keiner Weise angepaßt, nicht einmal an die Ausspracheregeln des örtlichen Niedersächsisch/Platt). Einwanderung in diese Region blieb bis vor kurzem gering, selbst die Ostflüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg verließen in den 50er Jahren Westniedersachsen wieder. Nur von den Aussiedlern aus der Sowjetunion, die in großer Zahl in die Region gezwungen wurden (sie machten zeitweise bis zur Hälfte der Bevölkerung aus), blieben zu einem großen Teil. Sie sprechen bis heute untereinander Russisch, im Verkehr mit den Einheimischen russisch beeinflußtes Hochdeutsch. Viele haben aber passive Kenntnisse des Niedersächsischen erworben.

Zu diesem Kern Westniedersachsens gehört als eine Sprachinsel auch das Saterland. Hier wird traditionell Saterländisch gesprochen, der letzte Rest des ostfriesischen Friesisch (die Saterländer sind gleichzeitig die einzigen katholischen Friesischsprecher). Aufgrund der Sprachpflege und eines größeren kulturellen Selbstbewußtseins ist das Saterfriesische weit weniger bedroht als das Niedersächsische. Die meisten Saterländer beherrschen neben Saterfriesisch Niedersächsisch und natürlich Hochdeutsch. Auch im Saterland sprechen aber viele jüngere Menschen heute (friesisch und westniedersächsisch beeinflußtes) Hochdeutsch. Die friesische Sprachinsel geht wahrscheinlich auf Einwanderung im Mittelalter zurück. Auch für weite Teile des übrigen Emslands, Hümmlings und Oldenburger Münsterlands gibt es aber Theorien früherer friesischer Besiedlung.

Das (fast) rein katholische Kernwestniedersachsen verteilt sich heute auf die Landkreise Emsland (Emsland und Hümmling), Cloppenburg und Vechta (Oldenburger Münsterland).

Grafschaft Bentheim

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Für die Grafschaft Bentheim (gleichzeitig ein Landkreis) gelten heute im wesentlichen die gleichen sprachlichen Verhältnisse wie in Emsland, Hümmling und Südoldenburg. Allerdings ist die Grafschaft Bentheim überwiegend reformiert und nach den Niederlanden orientiert. Bis ins 20. Jh. hinein war Niederländisch Schriftsprache, nachdem mit der Reformation das Mittelniederländische und das Latein abgelöst worden waren.

Landkreis Diepholz
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Die Grenze zwischen dem westniedersächsischen und dem nordniedersächsischen Raum geht durch den Landkreis Diepholz (bzw. der Landkreis stellt den Übergangsraum dar). Nach Heeroma (1964) standen die westniedersächsischen Dialekte unter (relativ schwachem) westfälischem Einfluß. Dieser fehlt im Nordhannoverischen. Dabei orientiert sich auch kulturell der Westen des Landkreises, vor allem der Südwesten, nach Westen und Osnabrück hin, während der Osten bereits nach Hannover schaut (u.a. hier war auch die Weserrenaissance zu Hause) und der äußerste Norden um Syke bereits zum "Speckgürtel" Bremens gehört. Allerdings gehörte der gesamte heutige Landkreis Diepholz bis auf drei hessische (Auburg, Uchte, Freudenberg) und eine münstersche Enklave (Twistringen) schon seit dem 16. Jh. zu Hannover (und ist daher bis auf Twistringen lutherisch), was den Einfluß von Osten her verstärkt haben mag. Insgesamt gibt es keine deutliche Sprachgrenze zwischen beiden Dialektgruppen. Im äußersten Süden finden sich sogar (wenige) westfälische Elemente, andere Unterscheidungen (wie die e-Apokope) verlaufen in Nord-Süd-Richtung.

Ostfalen
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Südöstlich eine Linie Bückeburg, Stadthagen, Wunstorf, Celle, Uelzen wird traditionell Ostfälisch gesprochen.

Das ostfälische Sprachgebiet nimmt also den größten Teil der Landkreise Schaumburg und der Region Hannover ein, einen kleinen Teil der Landkreise Celle und Uelzen sowie die Landkreise Gifhorn, Helmstedt, Wolfenbüttel, Goslar (dort ist auch die oberharzische Enklave), Osterode am Harz (dessen Süden thüringischsprachig ist), Göttingen, Northeim, Hildesheim, Peine, Holzminden und Hameln-Pyrmont sowie die Städte Salzgitter, Wolfsburg und Braunschweig (dort mit einer pfälzischen Enklave).

Im Lkr. Nienburg wird traditionell Nordniedersächsisch gesprochen, er ist aber eher nach Hannover orientiert; seine sprachliche Entwicklung entspricht der in Ostfalen.

Das Ostfälische und die Dialekte des Lkr. Nienburg sind vom Aussterben bedroht. Die ostfälischen Städte waren die ersten im Altsiedelraum, in denen sich das Hochdeutsche als Umgangssprache durchsetzte (endgültig in der Generation der während des Ersten Weltkriegs geborenen). Daher galt einige Jahrzehnte lang die in Ostfalen (z.B. in Hannover und Celle) gesprochene Variante des Hochdeutschen als Standard, als "bestes Deutsch". Viele Leute glauben auch fälschlich, daß der hochdeutsche Standard den Dialekt von Hannover darstelle; sie wissen nicht, daß die letzten Plattsprecher in Hannover erst vor einigen Jahren gestorben sind und in Celle noch welche leben. In jüngster Zeit ist auch das hannoversche Hochdeutsch, das wohl Ende des 19. Jhs. entstand und wohl ein leichtes ostfälisches Substrat aufwies, wieder bedroht. Die jüngste Generation spricht mediendeutsch.

In einem Stadtteil von Braunschweig existiert eine pfälzische Sprachinsel, die gerade ausstirbt.

Der äußerste Südosten um Bad Sachsa ist bereits nordthüringisch-sprachig. Im Oberharz zwischen Lautenthal und St. Andreasberg (einschl. Clausthal-Zellerfeld) gibt es eine weitere mitteldeutsche Enklave, durch Einwanderer aus dem Erzgebirge vor ein paar Jahrhunderten entstanden. Die Unterschiede zwischen den mitteldeutschen und den niedersächsischen Gebieten bleiben auch nach dem Sprachwechsel spürbar.

Nord(ost)niedersachsen
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Im nordniedersächsischsprachigen Nord(ost)en (im wesentlichen die Lüneburger Heide, das Elbe-Weser-Dreieck und die Mittelweser) sind die Dialekte auch bedroht, aber nicht ganz so extrem wie in Ostfalen. Auf dem Lande gibt es noch hier und da Dialektsprecher, in einigen Regionen, vor allem nach Norden hin, sind sie in den oberen und mittleren Altersklassen sogar in der Mehrheit. Das Hochdeutsche orientiert sich, je weiter man nach Norden kommt, schon an der in Hamburg üblichen Sprechweise.

Im Wendland im äußersten Nordosten wurde bis ins 17. Jh. eine slawische Sprache gesprochen. Diese wurde durch einen ostniederdeutschen Dialekt, das Wendländische, ersetzt, der heute gleichfalls vom Aussterben bedroht ist.

Zusammenfassend nimmt das wendländische Sprachgebiet den Landkreis Lüchow-Dannenberg, das nordniedersächsische Gebiet einen kleinen Teil des Landkreises Schaumburg und der Region Hannover, den größten Teil der Landkreise Celle und Uelzen sowie die Landkreise Nienburg (der allerdings trotz seiner sprachlichen Zugehörigkeit eher nach Hannover orientiert ist), Verden, Osterholz-Scharmbeck, Cuxhaven, Stade, Rotenburg an der Wümme, Harburg, Lüneburg und Soltau-Fallingbostel.

Geschichte
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Das erste Volk, von dem wir wissen, sind (nordsee)germanische Stämme, die seit dem 1. Jts.v.Chr. das Land besiedelten. Um die Zeitenwende waren sie für einige Jahre unter römischer Herrschaft, die sie aber noch in ihren Anfängen abwehren konnten; wichtig war hier vor allem die Varus-Schlacht 9n.Chr. bei Kalkriese, heute Stadt Bramsche, Landkreis Osnabrück im Südwesten des Landes. Hier wohnten z.B. die Cherusker.

Durch Vereinigung und Eroberung entstanden aus diesen Stämmen in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten zwei germanische Völker: Friesen und Sachsen. Die Friesen siedelten an der Küste, die Sachsen im Rest des Landes. Der äußersten Osten, etwa der Landkreis Lüchow-Dannenberg, wurde allerdings in dieser Zeit verlassen und um 600 von Slawen neubesiedelt. Am Südrand des Harzes wiederum gibt es kleine Gebiete, die nicht zum sächsischen Siedlungsgebiet gehörten, heute aber zum Bundesland Niedersachsen. Die Sachsen wurden in drei Teilstämme unterteilt: die Westfalen, die Ostfalen und die Engern zwischen beiden. Die Engern gingen später in Ostfalen und vor allem Westfalen auf, die anderen beiden Teilstämme haben sich bis heute erhalten, wenn sie auch sozusagen nur "unterbewußt" vorhanden sind. Die heutigen Dialektunterschiede gehen allerdings nach allgemeiner Auffassung teilweise auf Neuerungen zurück, zumindest im westfälischen Raum. Diese Neuerungen überschritten nur in Osnabrück und im Südkreis Osnabrück die Landesgrenze; diese Gebiete gelten daher als (traditionell) westfälischsprachig.

Im 8. Jh. verließen die Sachsen das Land Wursten, Friesen rückten nach. Außerdem kolonisierten Friesen das vorher unbewohnte Saterland an der Grenze zwischen friesischem und sächsischem Gebiet.

Um 800 wurden Sachsen und Friesen von den Franken unterworfen und in der Folge christianisiert. Die Franken bemühten sich recht erfolgreich, die Erinnerung an die sächsische und friesische Kultur zu löschen. Lediglich die Sprache blieb, wenn auch mit starkem fränkischen Superstrat. Auch die zahlreichen Franken, die auf sächsischem Gebiet angesiedelt wurden, assimilierten sich mit der Zeit sprachlich.

Um 900 begann die Ostkolonisation, in deren Verlauf auch die slawischen Gebiete in Nordostniedersachsen erobert wurden. Germanischsprachige siedelten sich an, allerdings hielt sich das Slawische, hier Wendische oder Wendländisch genannt, bis ins 17. Jh. Im Mittelalter wurden das Land Hadeln und das Alte Land erstmals besiedelt, zum Teil von Niedersächischsprechern, zum Teil von Niederländern, die sich aber sprachlich assimilierten.

Auf friesischem Gebiet entstanden weitgehend unabhängige Häuptlingstümer. Als diese zu einer Grafschaft vereint wurden (um 1450), begann die Ablösung des Friesischen durch das Sächsische, das nun Mittelniederdeutsch oder Niedersächsisch (da eine ursprünglich slawische Region im heutigen Ostdeutschland den Namen Sachsen angenommen hatte) genannt wurde. Nur auf Wangeroge, im Land Wursten und im Saterland hielt sich das Friesische. Im Land Wursten starb das Friesische im 17. Jh., auf Wangeroge um 1930 aus. Das Saterland ist noch heute friesischsprachig.

Im Spätmittelalter entstand im Oberharz eine mitteldeutschsprachige (genauer: erzgebirgischsprachige) Bergmannkolonie, in einem Stadtteil von Braunschweig in der frühen Neuzeit außerdem eine kleine pfälzische Sprachinsel.

Schriftsprache war in Niedersachsen seit der fränkischen Eroberung hauptsächlich Latein. Im hohen Mittelalter gesellte sich das Sächsische, nun Mittelniederdeutsch genannt, dazu, auch im friesischen Gebiet. Lediglich die Minnedichtung orientierte sich an süddeutschen Vorbilden und wurde auf Mittelhochdeutsch komponiert. Im 16. Jh. wurde die westliche Christenheit in ein protestantisches und ein katholisches Lager geteilt, ersteres bald darauf in ein lutherisches und ein reformiertes (Niedersachsen ist übrigens neben Bayern das einzige Land in Deutschland, in dem diese Unterscheidung heute noch "kirchenrechtlich" eine Rolle spielt). Diese Spaltung festigte sich in Niedersachsen erst im 30jährigen Krieg im 17. Jh. Seitdem ist das westliche Drittel vornehmlich katholisch, die östlichen zwei Drittel vornehmlich lutherisch. Ausnahmen sind: die Region um Hildesheim im Osten (katholisch), die Region um Oldenburg sowie das östliche Ostfriesland (lutherisch), das westliche Ostfriesland und die Grafschaft Bentheim (reformiert); außerdem ist die Gegend um Lingen gemischt reformiert-katholisch, der Landkreis und die Stadt Osnabrück gemischt katholisch-lutherisch.

In den refomierten Gebieten wurde im 16./17. Jh. das Mittelniederdeutsche und das Latein zunehmend durch das Niederländische als Schriftsprache ersetzt, in den lutherischen und katholischen zunehmend durch das Neuhochdeutsche. Erst Anfang des 20. Jhs. gingen auch die reformierten Gebiete zum Hochdeutschen als Schriftsprache über.

Im 19. Jh. begann die Oberschicht einiger Städte im Osten des Landes dieses Neuhochdeutsche als Umgangssprache anzunehmen. Dabei entstand eine neue Aussprachenorm für diese Sprache, basierend auf einer Mischung der bisherigen (ober-)sächsischen Aussprachenorm mit dem in der Gegend ansässigen Ostfälischen. Auch in die Grammatik floß ein ostfälisches Substrat ein. Um die Wende zum 20. Jh. begann sich diese Sprache auch auf die übrigen Schichten auszudehnen. Später begann auch das ländliche Gebiet das Neuhochdeutsche zu übernehmen, im westfälischen Gebiet seit dem 2. Weltkrieg, im ostfälischen schon früher, im übrigen Land seit etwa 1970. Heute sind die traditionellen Mundarten in den großen Städten wie Hannover, Braunschweig, Osnabrück wohl ausgestorben (in jüngerer Zeit eingemeindete Gebiete ausgenommen), in den übrigen Gebieten sprechen sie nur noch die mittlere oder/und ältere Generation, also je nach Region die über 40jährigen bis die über 70jährigen. Jüngere Sprecher sind außerhalb Ostfrieslands eine Minderheit. Dabei sinkt die Zahl der Situationen, in denen das Niedersächsische gebraucht wird, drastischer als die Zahl der Sprachbeherrscher. Passiv versteht unter den Niedersachsen mit einheimischem Hintergrund noch eine Mehrheit die Sprache, vielleicht mit Ausnahme Ostfalens.

Dieser Befund gilt auch für die wenigen nicht-niedersächsischsprachigen Gebiete: Südharz, Oberharz, (Wendland), pfälzische Insel in Braunschweig. Lediglich im Saterland gibt es eine Sprachpflegebewegung, durch die die Sprache auch unter Jüngeren noch verbreitet ist. Dabei spricht, wer Saterfriesisch kann, in der Regel auch (hümmlingisches bzw. südoldenburgisches) Niedersächsisch.

Wikipedia.
Rudolf Post (²1992): Pfälzisch. Einführung in eine Sprachlandschaft, Landau/Pfalz: Pfälzische Verlagsanstalt.
Yaron Matras/Gertrud Reershemius (2003): Low German (East Frisian dialect)(Languages of the World/Materials; 421), München: Lincom.
Rainer Krawitz (1987): Ostfriesland mit Jever und Wangerland. Über Moor, Geest und Marsch zum Wattenmeer und zu den Inseln Borkum, Juist, Norderney, Spiekeroog und Wangeroge (DuMont Landschaftsführer), Köln: DuMont.
K. Heeroma (1964): Stratigrafie van de Oostnederlandse volkstaal, in: Heeroma, K. en Naarding, J.: Oostnederlands. Bijdragen tot de geschiedenis en de streektaalkunde van Oost-Nederland, 's Hertogenbosch.