Offizielle Amtssprache: Deutsch
Umgangssprachen: ·Hochdeutsch, Ostniederdeutsch
Mecklenburg-Vorpommern (Mecklenburg wird wie Meeklenburg ausgesprochen) besteht aus zwei Großregionen: Mecklenburg und Vorpommern. Vorpommern ist der westliche Teil der historischen Region Pommern, deren östliche Zweidrittel heute zu Polen gehören.
In beiden Regionen wurde bis vor kurzem Ostniederdeutsch gesprochen. Dabei waren die mecklenburgischen Dialekte dem (Ost-)Holsteinischen ähnlich. In den Städten schon seit einigen Jahrzehnten (teilweise seit etwa 1850), auf dem Land erst in jüngerer und jüngster Zeit (Kleinstädte seit ca. 1900, Dörfer seit ca. 1950) verschwindet das Ostniederdeutsche zugunsten des Hochdeutschen mit ostniederdeutschem Substrat. Dabei klingt das Substrat in Mecklenburg der Aussprache in Holstein ähnlich (charakteristisch allerdings das "ä" für unbetontes "er"). Die Aussprache in Pommern ist der in Brandenburg etwas ähnlicher. Westdeutsche nehmen daher in der Regel Mecklenburger nicht als Ostdeutsche war, Pommern schon eher. Das Verschwinden des Ostniederdeutschen mag durch die Einwanderung in den 40er und 50er Jahren beschleunigt worden sein, als viele Menschen vor allem aus Ostpreußen und Hinterpommern nach Mecklenburg-Vorpommern kamen. Während der Zeit der DDR kamen noch einmal einige Menschen aus anderen Teilen der DDR in das Land, vergleichsweise aber eher wenige. Im übrigen gab es Einwanderung erst nach 1990, hauptsächlich Rußlanddeutsche und wieder Menschen aus anderen Teilen der ehem. DDR.
Mecklenburg ist auffällig, weil das östliche Mediendeutsch, das auf dem Gebiet der übrigen ehem. DDR vorherrscht, hier keine Rolle spielt (oder bis zur Wende nicht spielte). Man spricht Hochdeutsch mit mecklenburgischer Aussprache und mecklenburgischem Substrat - das dem Hamburgisch-Holsteinischen sehr ähnelt. Während also die übrigen Bewohner der ehem. DDR meist an der Sprache erkannt werden, gilt dies für Mecklenburger nicht. Für Vorpommern gelten ähnliche Verhältnisse, allerdings weist der Süden Vorpommerns sprachlich schon stark nach Brandenburg, sowohl was die Geschwindigkeit des Sprachwechsels Niedersächsisch-Hochdeutsch angeht als auch in der Aussprache. Daher sind auch die Bewohner Süd-Vorpommerns sprachlich von z.B. den Brandenburgern zu unterscheiden, sie klingen aber schon "östlich" und damit "nach ehem. DDR-Bürger".

Hier wird hauptsächlich die Geschichte Mecklenburgs beschrieben. Die Geschichte Vorpommerns findet sich unter dem Eintrag zur poln. Woj. Pommern.
Zur Zeitenwende lebten germanische Stämme in Mecklenburg-Vorpommern, so die Warnen in Westmecklenburg. Während der Völkerwanderung verließen diese das Land. Slawische Völker rückten nach, die Obodriten im Westen, die Wilzen bzw. Liutizen im Osten, auf Rügen die Ranen oder Rujanen.
Im 10. Jh. wurde das Gebiet von deutschen Rittern erobert und mit dem Hl. Römischen Reich Dt. Nation vereinigt. Die Slawen behielten aber, neben einer dünnen deutschen Oberschicht, Kultur, Sprache und meist auch Religion bei. Seit Mitte des 12. Jhs. begann die Ostkolonisation. Pommern war allerdings vom 12.-13. Jh. dänisches Gebiet. Innerhalb weniger Jahrzehnte verschwanden slawische Sprache und Kultur aus dem Raum und wurden ersetzt durch eine neue, die aus der Mischung niedersächsischer (auch westfälischer) und niederfränkischer Siedler aus verschiedenen Regionen des niederdeutschen Sprachraums entstand. Nur in der Griesen Gegend (Südwestmecklenburg) hielt sich das Slawische etwas länger, auf Rügen starb es erst im 15. Jh. aus.
Dabei war in Pommern das niederfränkische Element stärker, während in Mecklenburg von Anfang an das niedersächsische überwog. Die neuen Dialekte nennt man Ostniederdeutsch, und spätestens mit dem 30jährigen Krieg entstand ein Kontinuum, dessen Reste noch heute zu beobachten sind. Das Mecklenburgische weist noch heute stark nach Holstein (dessen Osten ebenfalls bis ins 12. Jh. slawisch besiedelt war). Es wird mit den Dialekten Vorpommerns zum Mecklenburgisch-Pommerischen zusammengefaßt, dem nur das Mittelpommersche im Südosten Vorpommerns nicht angehört. Dieses ist mehr mit dem Märkischen verwandt. Im ehem. Land Mecklenburg-Strelitz im Osten Mecklenburgs werden schon Dialekte gesprochen, die vielleicht dem Mittelpommerschen zuzurechnen sind. Die brandenburgische Uckermark reicht heute nach Vorpommern hinein; dort sind auch schon märkische Einflüsse zu spüren.
Wie in vielen anderen niedersächsischen Gebieten, existiert in Mecklenburg-Vorpommern seit der ersten Hälfte des 19. Jhs. das Schriftdeutsche als gesprochene Sprache, zunächst nur als Sprache des Adels (der vorher meist Französisch sprach). Seit der zweiten Hälfte begann es die oberen Schichten der größten Städte zu erreichen, seit dem 20. Jh. auch der mittleren Städte. In mittleren und unteren Schichten begann der Sprachwechsel erst durch die Einwanderung, vornehmlich aus anderen Teilen der Sowj. Besatzungszone bzw. DDR, nach dem Zweiten Weltkrieg. Inzwischen hat das Hochdeutsche auch die Dörfer erreicht, sich aber noch nicht überall durchgesetzt; überall ist es mecklenburgischem oder pommerschem Substrat unterworfen.
Bernd Wurlitzer (1992): Mecklenburg-Vorpommern: Hansestädte und Backsteingotik an der Ostseeküste bis Rügen und Usedom; das Hinterland mit seiner Seenplatte (DuMont-Dokumente: DuMont-Kunst-Reiseführer), Köln: DuMont.