)Offizielle Amtssprache: Litauisch
Umgangssprachen: Litauisch, Niederlitauisch, Russisch, Polnisch,
[Die historischen Regionen Litauens überschreiten die heutigen Grenzen. Die roten Linien stehen hier für die historischen Regionen, die schwarze Linie für die heutige Staatsgrenze.] |
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6% der Bevölkerung sind Russen und lernen nur ungern Litauisch. Viele der Einwanderer in sowjetischer Zeit sind in den 90er Jahren wieder ausgewandert. Aufgrund ihrer geringeren Zahl kommen die Russen weniger als in anderen baltischen Staaten um Litauischkenntnisse herum. Ähnliches gilt für die diejeniges des weißrussischen (1%) und ukrainischen (0,6%) Bevölkerungsteils, die in sowjetischer Zeit ins Land kamen. Die ehemals größere polnische Minderheit macht noch 7% aus. Vielen von ihnen und alle Weißrussen und Ukrainer wechselten in sowjetischer Zeit zum Russischen, ihre Kinder und Enkel sprechen Russisch als Muttersprache. Während Ukrainer und Weißrussen erst in sowjetischer Zeit eingewandert sind und Polen in der Regel Nachfahren polonisierter Litauer sind, gab es schon in vorsowjetischer Zeit eine russische Minderheit in Litauen; sie ging auf Einwanderung altgläubiger Russen seit dem 17. Jh. zurück.
Es gibt eine kleine Gruppe von Juden, die eine Turksprache sprechen (Karaimer); sie gehen zunehmend zum Litauischen über; heute sprechen weniger als 300 Menschen Karaimisch. Es gab auch eine Minderheit aschkenasischer Juden. Sie kamen im Holocaust um oder wanderten aus.
Seit der Zeit des Deutschen Ordens gab es eine niedersächsischsprachige Minderheit in Litauen, meist eher der Oberschicht angehörend. Im 18. und 19. Jh. wechselte diese Gruppe zum Hochdeutschen. Die meisten Deutsch-Litauer sind Anfang der Vierziger Jahre aus Litauen ausgesiedelt worden, teilweise zunächst in neueroberte Gebiete wie das "Wartheland" oder den neuen Reg.-Bz. Zichenau/Ostpreußen. Die letzten wurden in den 50er Jahren vertrieben. Für das Memelland gelten andere Verhältnisse, s.u.
Bis 1940 war Litauen eines der Zentren der Aschkenasen, der jiddischsprachigen Juden. Die meisten von ihnen sind im Holocaust umgekommen, die übrigen wurden nach dem Krieg vertrieben. Heute betragen diese Juden noch 0,2% der Bevölkerung, nur ein Drittel von diesen ist noch des Jiddischen mächtig.
Neben diesen Juden gibt es in Litauen noch eine kleine Gruppe nicht-rabbinischer Juden, die vom Holocaust nicht betroffen waren. Sie werden Karäer genannt und sprechen traditionell eine Türksprache, Karaimisch (das mit hebräischen Buchstaben geschrieben wird). Diese ist in jüngster Zeit bedroht. Hebräisch spielt bei ihnen keine Rolle. Die Karäer sind wohl um 1000 aus dem Kaukasus eingewandert.
Etwa 0,1% sind Tataren. Sie kamen im 15. Jh. als Kriegsgefangene nach Litauen und haben bis heute ihre tatarische Kultur und muslimischen Glauben bewahrt. Es gibt auch eine sehr kleine Roma-Minderheit von etwa 0,08%. Sie werden in die katholischen, "polnischen" (Zentral- und Ostlitauen), die protestantischen, "lettischen" (in der Nähe der lettischen Grenze), und die orthodoxen, "russischen", Roma (in Eischischkes südlich Wilna) aufgeteilt.
Die polnische Minderheit, die vornehmlich der Oberschicht angehörte, wurde in den Jahren 1939 bis 1945 vertrieben und vornehmlich in den ehem. Ostgebieten des Deutschen Reiches angesiedelt. Sie lebte vor allem im Gebiet um Wilna, das 1919-1939 zu Polen gehörte. Es gibt aber auch heute noch eine polnische sowie eine weißrussische Minderheit in Oberlitauen. Nach Oberlitauen ausgewandert sind in den 90er Jahren auch die meisten vorher in Weißrußland lebenden Selonen, Sprecher einer baltischen Sprache.
Die niederlitauischen Dialekte weichen am meisten von den anderen ab. Es erscheint sinnvoll, sie als eigene Sprache zu fassen. In jüngerer Zeit ist das Niederlitauische aber zunehmend durch das Standard-Litauische bedroht.
Im Grenzgebiet zu Lettland leben Letten. Sie sprechen Lettisch und sind Lutheraner.
Der Dialekt der Suvalkija ist die Grundlage der litauischen Schriftsprache.
Man spricht dzukische litauische Dialekte. In weiten Teilen überwiegen Polen.
Kleinlitauen war lange Zeit unter der Bezeichnung Memelland Teil Preußens (nach litauischem Verständnis gehört sogar das ganze nördliche Ostpreußen zu Kleinlitauen). Im Memelland lebte bis zum Zweiten Weltkrieg eine Minderheit, die Kurisch sprach. Das Kurische ist näher mit dem Lettischen als mit dem Litauischen verwandt. Teilweise hatte diese Minderheit aber schon Hochdeutsch angenommen. Viele Kuren und Deutsche verließen nach dem Krieg das Memelland. Heute lebt noch eine winzige Minderheit der Kuren im Memelland, die meisten sind aber deutscher oder schon litauischer (tlw. sogar russischer) Zunge. Daneben waren seit dem 15. Jh. Litauer eingewandert; auch sie waren bei Kriegsende teilweise schon stark germanisiert. Jedenfalls sind sie in aller Regel Lutheraner. Nach Kriegsende sind weitere Litauer eingewandert, die sich sprachlich durchgesetzt haben, so daß die allgemeine Umgangssprache heute Standard-Litauisch ist.
http://samogitia.mch.mii.lt/KALBA/girdstr.en.htm.
Gregor Blaszczyk (1992): Das neue Litauen (Ein Trescher-Reisehandbuch), Berlin: Trescher.