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Allgemeines

Sprachfamilien
Amtssprachen

Die natürliche Sprachsituation in der Welt ist die eines Kontinuums. Wir haben immer ein breites Spektrum von Möglichkeiten, Gedanken in Worte zu fassen. Dabei wird es bei jedem Menschen eine charakteristische Art geben, sich auszudrücken. In einer eher isolierten Gemeinschaft, in die ein Mensch hineingeboren wird und in der er sein Leben verbringt, werden grundsätzliche Dinge zwischen den Menschen der Gemeinschaft gleich sein: Morphologie, Phonologie, Denotate der Lexeme, Grundprinzipien der Syntax, Pragmatische Übereinkünfte. Ist eine Gemeinschaft nicht isoliert, so besteht die Tendenz, Sprachliches aus anderen Gemeinschaften zu übernehmen.

Wir wissen heute, dass es keinen Sinn macht, zwischen »Sprachen« und »Dialekten« unterscheiden zu wollen. Jeder »Dialekt« hat seine eigene Struktur, die je nach Nähe zum Nachbar»dialekt« von diesem verschieden ist oder nicht. Auf einer höheren Abstraktionsebene können wir aber Dialektgruppen festmachen, wie in Deutschland z.B. das Westfälische, Schwäbische oder Ostfränkische, die auf jeden Fall eine Struktur haben, die in dieser Form von den umgebenden Sprachen grundverschieden ist. Wir können die Begriffe Sprache und Dialektgruppe also weitgehend synonym gebrauchen, daneben gibt es innerhalb von Dialektgruppen örtliche Unterschiede, die sich erst durch größere Entfernung zu systematischen Unterschieden summieren.

Wenn allerdings Sprachen im allgemeinen Bewusstsein als Dialekte angesehen werden, dann bedeutet dies, dass sie unter dem kontinuierlichen Einfluss von Sprachen stehen, die als »ihre Hochsprache« gelten, im Falle der soeben genannten Sprachen das Schriftdeutsche; wir sprechen dann von einem Superstrat. Umgekehrt können die »Dialekte« Einfluss auf die »Hochsprache« nehmen, doch ist dies meist in geringerem Maße der Fall; dann sprechen wir von Substrat. Der Einfluss der »Hochsprache« kann soweit gehen, dass die Sprachen aufgegeben werden zugunsten der angeblichen Hochsprache, ein Prozess, der z.B. im Westfälischen gerade seinen Abschluss findet. Dabei bildet sich teilweise eine neue Sprache auf der Grundlage der »Hochsprache«, die mit der »Hochsprache« eine Dialektgruppe bildet, allerdings mit Einflüssen aus der untergehenden Sprache; so ist es z.B. im Ruhrgebiet gekommen, wo kaum noch jemand Niederdeutsch spricht, viele aber das sog. Ruhrdeutsch, ein etwa hundert Jahre alter Teildialekt des Hochdeutschen.

Sprachwechsel

Dabei kommt es oft zu Sprachwechsel, d.h. Sprecher beginnen, eine Sprache an ihre Kinder zu übermitteln, die nicht ihre eigene Muttersprache ist. Meist scheint Sprachwechsel mit Generationswechsel verbunden zu sein, d.h. die Sprecher sprechen untereinander weiter ihre Muttersprache, zu den Kindern aber die neue Sprache. Auch mit Unbekannten oder nach dem Sprachwechsel kennengelernten Menschen sprechen sie dann oft die neue Sprache, unabhängig davon, ob vielleicht die »alte« Sprache beider Muttersprache ist. Beim Sprachwechsel sind zwei unterschiedliche Formen zu unterscheiden: der individuelle Sprachwechsel (meist aufgrund von Migration) und der Gruppensprachwechsel. Je nach Begabung des Sprechers wird bei ersterer die neue Sprache recht vollständig gelernt, zumindest die Kinder wachsen in einer Umgebung auf, die völlig von der neuen Sprache geprägt ist. Bei Gruppenwechsel hingegen sind alle Sprecher der neuen Sprache zunächst Muttersprachler der alten Sprache, von ihnen lernen die Kinder die neue Sprache. Ohne Muttersprachler der neuen Sprache kann sich die Sprache, die Interferenzen der Muttersprache aufweist, nicht von den Interferenzen »reinigen«, da niemand da ist, um die Interferenzen in Richtung der neuen Sprache zu korrigieren. So schleifen sich die Interferenzen als Teil einer gruppenspezifische Form der neuen Sprache ein. Diese sich einschleifenden Interferenzen nennen wir Substrat. Beim Gruppenwechsel müssen wir zwischen isoliertem Gruppenwechsel und nicht-isoliertem Gruppenwechsel unterscheiden; bei letzterem stehen immer auch Muttersprachler der neuen Sprache zur Verfügung. Darauf folgt dann entweder, dass die neue Gruppe innerhalb der anderssprachlichen Umgebung bestehen bleibt und einen eigenen Dialekt der neuen Sprache bildet; oder die Gruppe verhält sich wie die Individuen, die alte Sprache verschwindet also rückstandslos; oder Interferenzen, die aus der Gruppe kommen, breiten sich auch unter den ursprünglichen Sprechern der neuen Sprache aus: das nennen wir Superstrat. Superstrat tritt meist dann auf, wenn die sprachwechselnde Gruppe einen hohen sozialen Status bzw. viel Macht besitzt. Ist dies nicht der Fall, spricht man meist von Adstrat. Eigentlich bezeichnet Adstrat aber vor allem Beeinflussung, die durch die den Kontakt mit einer anderen Sprachgruppe auftritt, ohne dass eine der beiden ihre Sprache aufgibt.

Pidgins und Kreolsprachen

Eine besondere Form von Sprachwechsel tritt bei Pidgin- und Kreolsprachen auf. Eine Pidgin-Sprache entsteht, wenn eine Sprache nicht vollständig gelernt wird. Das bedeutet, die Sprecher greifen nur einzelne Wörter auf, während die dazugehörende Grammatik nicht gelernt wird. Es bildet sich dann in einem Prozess des kollektiven Sprachlernens eine neue Gramatik heraus, die weder auf die Muttersprache noch auf die zu lernende Sprache zurückzuführen ist; eine solche neu entstehende Sprache nennt man Pidgin-Sprache. Eine Pidgin-Sprache entsteht meist im Kontakt mehrerer Sprachen, wobei eine davon, die zu lernende, den größten Teil des Vokabulars »beisteuert«. Wir sprechen dann von einer Pidgin-Sprache auf der Basis der zu lernenden Sprache, also ist z.B. die Pidgin-Sprache Tok Pisin in Papua-Neuguinea eine Pidgin-Sprache auf englischer Basis. Das Vokabular einer Pidgin-Sprache ist geringer als das natürlich gewachsener, es werden mehr Begriffe durch Kombinationen anderer umschrieben. Auch ist die Grammatik noch nicht fest, es gibt zu vielen grammatischen Erscheinungen noch keine eindeutigen Konventionen. Da es keine Muttersprachler gibt, gibt es natürlich auch keine eindeutige Phonologie.

Wird eine Pidgin-Sprache Muttersprache, so sprechen wir von einer Kreolsprache. Kreolsprachen unterscheiden sich von Pidgin-Sprachen dadurch, dass ihr Vokabular dem einer natürlich gewachsenen Sprache entspricht (synchron kann man eine Kreolsprache als natürlich gewachsen betrachten) und die Grammatik eindeutig konventionalisiert ist. Es gibt eine Phonologie der Sprache.

Kultursprachen (Fremdwörterquellen)

Die systematische Übernahme in bestimmten Sprachregistern (und zwar den prestigereichen) von Wörtern aus bestimmten anderen Sprachen scheint es, soweit mit bekannt, nur in Schriftkulturen zu geben. Das heißt nicht, daß es in Nicht-Schriftkulturen keine Sprachregister gäbe. In der (west-)europäischen Kultur ist dies das Latein oder Griechische, in neuerer Zeit das Französische, in neuester das Englische. Dadurch können wir großräumige Regionen definieren, in denen eine große Reihe von Wörtern, wie z.B. wissenschaftliches Fachvokabular, zu einem großen Teil aus einer bestimmten Sprache übernommen ist und daher in diesen Regionen weitgehend einheitlich (oft allerdings mit Bedeutungsverschiebungen). Die gebenden Sprachen nenne ich im folgenden »Kultursprachen«.

Mit »Kultursprachen« seien die Sprachen zusammengenommen, die in bestimmten Gebieten die Entwicklung zur Schriftkultur prägten. Einige dieser Sprachen waren in größeren Räumen lange Zeiten die wichtigste Schriftsprache. Andere hatten einen hohen Status, auch wenn dieser von geringerer praktischer Bedeutung war. In beiden Fällen griff und greift man in diesen Regionen tendentiell zuerst zu sprachlichem Material aus diesen Sprachen, wenn man für neue Situationen neue Begriffe sucht. Dadurch kommt es zu einer hohen Übereinstimmung im prestigehöheren Level des Wortschatzes zwischen Sprachen gleicher Kulturräume. Dabei gibt es auch Vermittlersprachen, in denen eine andere Sprache Kultursprachcharakter hat, die aber ihrerseits für andere Regionen Kultursprachcharakter haben; diese Phänomen soll durch den »Stammbaum« unten dargestellt werden. In vielen Gebieten kommt es dabei zwischendurch zu Tendenzen, solche Wörter durch Wörter regionalerer Schriftsprachen zu ersetzen (Purismus). Dadurch unterscheiden sich heutige Schriftsprachen durch den Grad der Beeinflussung. In allerjüngster Zeit übernimmt das Englische in der ganzen Welt die Funktion einer Kultursprache im obigen Sinne, außer in wenigen Gebieten wie Island und China, in anderen Gebieten in geringerem Maße, so z.B. in den ehemaligen französischen Kolonialgebieten, wo der Einfluß sich höchstens unter Vermittlung des Französischen ausbreitet.

In Kolonialgebieten übernehmen die Funktion der Kultursprachen meist die Sprachen der Kolonialherren. Der Einfluß ihrer Sprachen beschränkt sich aber meist nicht auf den »Kulturwortschatz«, sondern betrifft auch andere Bereiche, einige systematisch, andere unsystematisch. Kolonialsprachen haben in dieser Hinsicht also noch eine besondere Stellung. Der tatsächliche Einfluß einer Kolonialsprache schwankt aber von Region zu Region, er kann auch wesentlich geringer als der einer üblichen Kultursprache sein, so in Indien, wo das Englische bereits auf eine entwickelte Schriftkultur traf.

»Stammbaum« der Kultursprachen:

(Alt-)Griechisch
	Latein
		Französisch
			Englisch
			Russisch
		Spanisch/Portugiesisch
		Niederländisch
		usw.
Arabisch
	Persisch
	
Sanskrit
	Pali

                Mon
	Kl. Tamil
Kl. Tibetisch
Kl. Chinesisch


Sanskrit + Arabisch
        Malaiisch


isoliert:

Isländisch
Ge'ez (Äthiopisch)
Hebräisch (+Latein)
Armenisch
Georgisch

Europa

In Europa stellt das Altgriechische die fundamentale Quelle für Fremdwörter dar. Altgriechisch war die erste Schriftsprache Europas. Es war auch Modesprache im alten Rom, sodaß das Lateinische bereits in antiker Zeit viele Fremdwörter aus dem Griechischen bezog, und das Griechische dort auch als Superstrat wirkte. Das Lateinische wiederum war spätestens ab Christi Geburt und im Mittelalter bis ins 17. Jh. die hauptsächliche Schriftsprache im Westen Europas, mit Polen, Ungarn und Kroatien als östlichen Vorposten. Im Osten übernahm zu Beginn des Mittelalters das Kirchenslawische oder Altbulgarische, also eine slawische Sprache, diese Funktion. Dort behielt allerdings auch das Griechische eine starke Rolle, wobei die griechischsprachigen Gebiete einschließlich der Christen im allmählich türkisch werdenden Kleinasien das Altgriechische (teilweise in der Form der Koine, teilweise im attischen Dialekte) als Schriftsprache beibehielten, ebenso Albanien. In ganz Europa gab es aber auch regionale Dialekte als Schriftsprache mit begrenzter Funktion, z.B. als Handelssprache oder für etwas volkstümlichere Literatur. Zusätzlich zum Latein hatte in Schweden, Dänemark und Norwegen das Mittelniederdeutsche eine besondere Stellung; die zahlreichen Übernahmen ins Dänisch-Norwegische und Schwedische beschränken sich jedoch nicht auf Kulturwörter; das Mittelniederdeutsche stellt in dieser Hinsicht eine der ersten Kolonialsprachen dar.

Ab dem 17. Jh. übernahmen einige regionale Dialekte oder Amalgamierungen davon die Funktion von regionalen Schriftsprachen, so der französische Dialekt der Pariser Gegend, das Londoner Englische usw. Sie lösten allmählich das Lateinische als Kultursprache ab, wobei zwischendurch das Italienische und Französische übernationale Bedeutung vor allem unter dem Adel hatte; in jüngster Zeit strebt das Englische eine solche Funktion an. Der Übergang vom Latein zur »Nationalsprache« verlief im Westen schneller als im Osten des lateinischen Gebietes, in Ungarn hatte das Latein noch Mitte des 19. Jhs. eine starke Stellung. Ab dem 18. Jh. erfaßte dieser Prozeß auch die kirchenslawischen Gebiete, die in der Folge Französisch als Fremdwortquelle entdeckten.

In einigen Ländern wurde dabei versucht, für möglichst viele Kulturwörter einheimische Begriffe zu schaffen (Purismus). Diese Tendenzen sind stark im Tschechischen, Ungarischen und Finnischen. Das Rumänische hingegen versuchte, das kirchenslawische Element zugunsten aus dem Französischen entlehnter Fremdwörter zurückzudrängen, um den romanischen Charakter der Sprache zu betonen.

In jüngster Zeit verdrängen diese »Nationalsprachen« die überlieferten Dialekte, der Verlauf wird in den einzelnen Ländern separat geschildert.

Island

Kulturell unabhängig vom übrigen Europa ist Island, das durch das lateinisch-griechische Element nur in geringer Weise beeinflußt wurde, und das so sehr arm an Fremdwörtern ist. Neue Begriffe werden grundsätzlich mit Bordmitteln erfaßt.

Naher Osten und Nordafrika

In diesem Gebiet ist das Hocharabische, die Sprache des Korans, seit dem 7. Jh. unangefochtene Kultursprache und im semitischen Bereich alleinige Schriftsprache. Lediglich die in ihrer Zahl kontinuierlich abnehmende Zahl der Christen bewahrt vornehmlich im religiösen Bereich ältere Schriftsprachen wie das Koptische in Ägypten, das Syrische (=Aramäische) im Nahen Osten. Daneben gibt es das Türkische in Kleinasien, bis 1928 stark von persischen und arabischen Fremdwörtern (und fremden Konstruktionen) durchsetzt, danach türkisiert bzw. französisiert; seitdem wird es auch mit lateinischen Buchstaben (statt der arabischen) geschrieben.

Israel

Durch die jüdische Einwanderung aus Europa hat sich Israel sprachlich aus dem Nahen Osten ausgeklinkt. Das Hebräische ist puristisch oder greift auf europäische Fremdwörter zurück.

Kaukasus

Kulturell weitgehend unabhängig von der übrigen Welt waren traditionell die von muslimischem Gebiet eingeschlossenen christlichen Enklaven Armenien und Georgien. Altarmenisch und Altgeorgisch sind hier die maßgeblichen Kulturwortquellen, lediglich in jüngster Zeit hat das Russische eingewirkt.

Äthiopien

In einer ähnlichen Situation wie der christliche Kaukasus befindet sich Äthiopien. Die klassische Literatursprache heißt Ge`ez, eine semitische Sprache.

Afrika

In den islamischen Gebieten Afrikas war traditionell Arabisch die hauptsächliche Schriftsprache. In den nicht-islamischen Gebieten war bis zur Kolonisierung Schrift unüblich, damit auch weitestgehend die systematische Überflutung von Sprachen in einem bestimmten Stilniveau durch Wörter einer bestimmten anderen Sprache. Seit der Kolonisierung sind die Kolonialsprachen (Englisch, Französisch, Portugiesisch) die hauptsächlichen Schriftsprachen geworden, tlw. auch die Sprachen förmlicher mündlicher Kommunikation.

Südafrika unterscheidet sich davon nur insofern, als es dort eine starke europäischstämmige Minderheit gibt, für die die Schriftsprache auch Umgangssprache ist. Dort und in Namibia kommt das Afrikaans, eine Kreolsprache auf niederländischer Basis, als Schriftsprache hinzu.

Zentralasien (einschl. Iran, Afghanistan und westl. Pakistan)

In Zentralasien ist seit dem 9. Jh. das Persische hauptsächliche Schriftsprache gewesen; dieses ist bereits stark mit arabischen Fremdwörtern durchsetzt. Im Verlauf des Mittelalters wurden die (meisten der) bis vor kurzem sowjetischen Gebiete von Türken besiedelt, die aber auch vornehmlich Persisch als Schriftsprache benutzten. Seit dem 19. Jh. kamen diese Gebiete unter russische Herrschaft, wodurch das Russische Einfluß gewann und bis heute behielt; es gesellte sich zunächst als Schriftsprache neben das Persische, seit sowjetischer Zeit waren das Russische und die Turksprachen der Region Schriftsprachen; seit 1992 geht der Einfluß des Russischen zurück, vielleicht zugunsten des Arabischen, wohl weniger des Persischen.

Indien

In Indien ist das Sanskrit die traditionelle Schriftsprache. In Tamil Nadu stand das Klassische Tamil daneben oder anstelle des Sanskrit. Nach der islamischen Eroberung trat für die Muslime das Persische an diese Stelle, nach der englischen Eroberung stellte sich das Englische daneben. Daneben gab es immer auch eine Literatur eher volkstümlicher Art (abgesehen von der Pali-Literatur der Buddhisten und Dschainisten, die aber eine verschwindende Minderheit darstellen) in Regionalsprachen. Seit dem 19. Jh. sank die Bedeutung des Sanskrit und des Persischen zugunsten der Regionalsprachen, eine Entwicklung ähnlich der europäischen. Das Persische blieb jedoch maßgebliche Fremdwortquelle im Norden, mit dem abnehmenden Einfluß der Muslime unter den Hindus auch das Sanskrit (im Süden ungebrochen). Durch die Teilung gibt es jetzt ein persisch beeinflußtes Pakistan und ein sanskritisiertes Indien; das Bengali im muslimischen Bangla Desch greift auf beide Quellen zurück.

Buddhistische Länder

Dieser Bereich umfasst den Himalaja einschl. Tibets, sowie die Länder von Mjanmar bis Kambodscha - Vietnam ist bereits ostasiatisch -, außerdem die Mongolei. Die Kultur dieser Länder ist von der indischen angeregt. Hier ist Pali, eine indoarische Sprache aus der mittleren Epoche, traditionelle Kultursprache.

Zumindest im tibetischen Bereich hatte das aber nur indirekte Auswirkungen auf die Sprache. Die Sprache wurde durch Lehnübersetzungen bereichert, nur zu einem geringen Teil durch direkte Übernahmen; diese Tendenz gilt bis heute. Das Pali selbst hatte dort also nur einen geringen Stellenwert, Tibeter konnten meist nur Tibetisch. Dabei wurde durch die Jahrhunderte nur Klassisches Tibetisch verwendet, das auch bis heute einen Platz im schriftlichen Leben (z.B. in der Wissenschaft, Zeitungen?) als Schriftsprache bewahrt hat, je nach Region in stärkerer oder schwächerer Weise. Im literarischen und alltäglichen Bereich werden aber zunehmend auch überregional bedeutsame Dialekte verwendet, vor allem in Bhutan das Dzongkha. Sie sind in der schriftlichen Form dann natürlich stark durch das Klassische Tibetisch beeinflusst. Für jede »tibetische« Sprache finden wir diese »halbe« Diglossiesituation.

In den indochinesischen Ländern (Mjanma bis Kambodscha) spielte das Pali eine größere Rolle als Schriftsprache -- und mithin bis heute als Lehnwortquelle--, allerdings nicht in der Ausschließlichkeit wie das Lateinische in Europa. Die untergegangene Kultur der Pju in Mjanma benutzte vornehmlich Pali als Schriftsprache, die der Mon allerdings auch ihre eigene Sprache; ähnlich wichtig war früher das Khmer, auch außerhalb Kambodschas. Das Mon ist in Mjanma wichtige Lehnwortquelle gewesen, wenn auch wohl nicht mehr produktiv, die Sprache befindet sich aber als Umgangssprache auf dem Wege des Aussterbens. Seit dem Kolonialismus haben zusätzlich Englisch (vor allem in Mjanma) und Französisch (Laos, Kambodscha) als Superstrate gewirkt.

Die Mongolei ist stark durch Tibet beeinflusst, es gibt viele tibetische Fremdwörter. Seit 1924 hat auch das Russische Einfluss gehabt.

Ostasien (China, Japan, Korea, Vietnam)

Ostasien ist chinesisch geprägt, Klassisches Chinesisch ist hier Hauptfremdwortquelle und bis ins letzte Jahrhundert wichtigste Kultursprache, in China und Vietnam auch (fast) alleinige Schriftsprache. In China spielt es für Zitate noch heute eine große Rolle (z.B. Gedichte). Vietnam war zudem 100 Jahre lang französische Kolonie.

Asiatisches Ozeanien (Indonesien, Malaysia usw.)

Diese traditionell hinduistisch geprägten Länder sind seit dem 15. Jh. bis auf wenige Ausnahmen muslimisch. Fremdwortquelle sind daher Sanskrit und Arabisch, seit der Kolonisierung auch die Kolonialsprachen (Englisch und Niederländisch), Schriftsprachen waren immer einheimisch, geschrieben mit arabischer Schrift oder Derivaten indischer Schriften. Seit der Mitte des 20. Jh. werden sie zunehmend mit lateinischer Schrift geschrieben. Die christlichen Philippinen sind erst durch die Spanier zur Schrift gekommen, dort waren das Spanische, seit 1898 das Englische Kultursprachen.

Australien und Ozeanien

Diese Länder kamen erst durch die Kolonisierung mit Schrift in Kontakt. Die Schriftsprachen sind die Kolonial- bzw. Einwanderersprachen.

Amerika

Die spanische Eroberung war gründlich. Die nachkolumbianische Schriftkultur ist quasi ausschließlich durch die Kolonialsprachen geprägt, trotz einzelner Schriftentwicklungen unter Indianern vor allem auf kanadischem Gebiet. Reste der vorkolonialen Verhältnisse sind aber noch auffindbar; so hat das Quetschua in weiten Teilen Südamerikas seine Spuren hinterlassen. In Nordamerika fehlte Schriftkultur bis zur Ankunft der Europäer, ebenso in Brasilien.

Areallinguistik

In anderen Bereichen des Wortschatzes gibt es unsystematisch Übernahmen aus vielen verschiedenen Sprachen, sehr gern aus benachbarten (Areallinguistik). Der rein regionale Effekt ist noch stärker im Bereich der Syntax. Die Übernahme von Kulturwörtern aus anderen Sprachen erfolgt jedoch meist über den Umweg über die maßgebliche Kultursprache (so in Westeuropa selbst die griechischen Fremdwörter über das Lateinische).


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