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Kasachstan

Offizielle Amtssprache: Kasachisch, Russisch

Einheimische (vorsowjetische) Sprachfamilien: Turksprachen, Slawisch, Chinesisch

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Ein kleiner Teil des Landes, etwa von der Größe Bayerns, liegt westlich des Ural-Flusses, in Kasachstan Zhalyk genannt. Damit hat Kasachstan Anteil an Europa

Bis vor kurzem waren die Russen vor den Kasachen die größte Volksgruppe, jetzt kurz nach ihnen, mit abnehmender Tendenz. Russisch ist daher noch die vorherrschende Sprache für Kontakte zwischen Unbekannten. Es gibt allerdings eine Politik der Kasachisierung. Kasachen sind die jetzt stärkste Bevölkerungsgruppe. Im äußersten Osten des Landes leben Uiguren, im Süden Usbeken.

Die drittstärkste Gruppe sind die Deutschen, die Plautdietsch, einen niedersächsischen Dialekt, oder mitteldeutsche Dialekte sprechen. Sie wurden in den Vierziger Jahren aus verschiedenen Regionen Rußlands, vor allem aus der damaligen autonomen deutschen Wolgarepublik, nach Kasachstan verschleppt und die ersten Jahrzehnte interniert. Der sprachliche Befund gilt allerdings wohl nur noch für die über Siebzigjährigen, vielleicht mit Ausnahme der Plautdietschsprecher, die sämtlichst Mennoniten sind. Die übrige Bevölkerung ist aufgrund des sozialen Drucks zum Russischen übergegangen und beherrscht meist kein Deutsch, es sei denn, durch Schulunterricht. Diese dritte Gruppe ist die am stärksten schwindende; wer kann, wandert nach Deutschland aus.

Neben den Russen gibt es auch viele Weißrussen und Ukrainer, die aber wohl inzwischen meist Russisch sprechen. Von Bedeutung sind im übrigen noch die koreanische und die tatarische Minderheit.

Der Ethnologue spricht noch von folgenden Sprachen: Armenisch, Awarisch, Aseri, Baschkirisch, Weißrussisch, Tschetschenisch, Tschuwaschisch, Dargwa, Dunganisch, Erzya, Gagausisch, Georgisch, Griechisch, Jüdisch-Krimtatarisch, Karatschaiisch-Balkarisch, Karakalpakisch, Kirgisisch, Kumykisch, Kurmandschi, Lakisch, Lezgisch, Litauisch, Mari, Nogaiisch, Ossetisch, Polnisch, Pontisch, Rumänisch, Tabassaranisch, Tadschikisch, Türkisch, Turkmenisch, Udmurtisch. Ein großer Teil dieser Sprachenvielfalt geht auf die (oft unfreiwillige) Einwanderung in sowjetischer Zeit zurück.

Bis in die 30er Jahre hatte Kasachstan mit Usbekistan, Turkmenistan, Kirgisien und Aserbaidschan eine gemeinsame Schriftsprache, das Tschagatai-Türkische, das mit arabischen Buchstaben geschrieben wurde. In den 30er Jahren wurde die kasachische Schriftsprache geschaffen, erst mit lateinischen, seit den 40ern mit kyrillischen Buchstaben. Die 1999 offiziell eingeführte lateinische Schrift spielt (noch?) keine Rolle.

Geschichte

Das heutige Kasachstan gehörte wohl zur Urheimat der iranischen Völker. Die älteste Bevölkerung, die wir sprachlich zuordnen können, waren die Skythen. Sie wurden im 3. Jh.v.Chr. von Sarmaten, Usunen oder Hunnen assimiliert. Später kamen weitere Turkvölker in die Region (5.-12. Jh.). Im 7. Jh. gehörte der größte Teil Kasachstans zum westturkestanischen Reich. Nach 750 wurde das Land Teil des Kalifats. Die Völker Turkestans wurden islamisiert, wurden aber schon bald wieder (und sei es nur faktisch) unabhängig. In Kasachstan setzten sich die Kiptschaken durch, die sich später in verschiedene Völker, u.a. die Kasachen, aufspalteten. Im 11. Jh. gründeten diese ein Chanat. 1218 fiel dieses an die Mongolen. Deren Nachfolgestaaten einschließlich des kurzlebigen Reichs Timurs oder Tamerlans wurden ab dem 15. Jh. durch drei große Stammesverbände, die die Herrschaft in Teilen Kasachstans ausübten: die Ältere Horde im Süden und im Siebenstromland, die Mittlere Horde in Zentral- und Nordostkasachstan owie die Jüngere Horde im Westen. Seit der Mitte des 15. Jhs. waren diese Horden als Kasachen bekannt. Später wurden die Horden zu einem Chanat vereinigt. Ein Teil des heutigen Kasachstan gehörte allerdings zum Chanat von Kokand. Der äußerste Westen geriet in dieser Zeit unter russische Herrschaft. Zwischen 1750 und 1868 wurde auch der Rest Kasachstans russisch. Seit etwa 1900 kamen Russen nach Kasachstan. Auch als Verbannungskolonie wurde Kasachstan genutzt. Die Kasachen wurden zu dieser Zeit von den Russen "Kirgisen" genannt. 1918 wurde die Kirgisische ASSR mit der Hauptstadt Orenburg gegründet. 1925 wurde die Hauptstadt verlegt, die ASSR in Kasachische ASSR umbenannt und das Gebiet um Orenburg im Norden von Kasachstan getrennt und Rußland einverleibt. In den 30er Jahren begann die Kollektivierung, die Kasachen, die in ihrer Mehrheit Nomaden waren, wurden zur Seßhaftigkeit gezwungen und siedelten sich zumeist im Süden an. 1936 wurde aus der ASSR die Kasachische SSR. In den 40er Jahren wurde die große Steppe von vielen Völkern überschwemmt, die von Stalin deportiert worden waren. Seit dieser Zeit waren die Kasachen nur eine Minderheit im Land. 1991 erklärte sich die Kasachische SSR für unabhängig. In der Folge verließen große Teile der nicht-kasachischen Völker Kasachstan. Seitdem stellen Kasachen wieder über 50% der Bevölkerung. Als eine der letzten Erinnerungen an die russische Herrschaft soll die kyrillische Schrift für das Kasachische 2010 durch die lateinische ersetzt werden.

Die Kasachen hatten bis ins 15. Jh. Kiptschakisch, dann Tschagataiisch, beide in arabischen Buchstaben, geschrieben. Zu Beginn der Sowjetzeit wurde Kasachisch zu einer Schriftsprache, die mit lateinischen Buchstaben geschrieben wurde. Unter Stalin nahm aber der Gebrauch des Kasachischen zugunsten des Russischen immer mehr ab. Ab 1941 wurde Kasachisch, sofern es noch geschrieben wurde, mit dem kyrillischen Alphabet geschrieben (russische Wörter konnten so original übernommen werden). Zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit hatten viele das Russische schon als Umgangssprache übernommen, nachdem der schriftliche Verkehr ohnehin nur noch auf Russisch ablief. Sie mußten nach 1991 das Kasachische erst wieder lernen. Bis heute ist Russisch Verkehrssprache zwischen verschiedenen Völkern geblieben. Nur gut 50% der Bevölkerung sind ja bis heute Kasachen. Unter den Kasachen selbst hat sich aber Kasachisch wieder als Umgangssprache durchgesetzt, wenn auch die meisten weiterhin Russisch als Zweitsprache perfekt beherrschen.

Dagmar Schreiber (2003): Kasachstan entdecken. Auf Nomadenwegen zwischen Kaspischem Meer und Altaj (Trescher Reihe Reisen), Berlin: Trescher.
http://kraeved.opck.org/kraevedenie/.
Wikipedia.
Rüdiger Schmitt (2000): Die iranischen Sprachen in Geschichte und Gegenwart, Wiesbaden: Reichert.