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Irak

Offizielle Amtssprache: Arabisch, Kurdisch

Umgangssprachen: Irakisch-Arabisch, Kurdisch, Aramäisch, Turkmenisch, Adygeisch, Armenisch, Domari

Umgangssprachen in vorislamischer Zeit: Sumerisch, Elamisch, Akkadisch, (Kassitisch), Aramäisch

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Im Norden des Landes und einem Keil an der Ostgrenze, der weiter geht als die autonomen Kurdengebiete, wird Kurdisch gesprochen, im übrigen Land herrscht das Arabische vor. Im Norden gibt es auch aramäischsprachige Inseln.

An der Küste wird Golfarabisch gesprochen. Im übrigen Land wird Irakisch-Arabisch gesprochen, auch gilit-Dialekt genannt, das den Beduinen-Dialekten nahe steht. Die christliche und jüdische Minderheit, die inzwischen durch Auswanderung stark dezimiert bis eliminiert ist, spricht die irakisch-arabischen qeltu-Dialekte, die heute vom Aussterben bedroht sind.

Es gibt eine (sehr kleine) Gruppe von Luri im Zagros-Gebirge, die eine dem Persischen nah verwandte Sprache sprechen. Außerdem gibt es eine armenische, eine Domari- und eine adygeische (tscherkessische) Minderheit.

Die mandäischen Christen benutzen Klassisches Mandäisch als Kirchensprache.

In der Mitte des Landes gibt es eine Gruppe von Sprechern ogusischer Dialekte, deren Sprache dem Aseri nahe ist, die sich selbst aber Turkmenen nennen.

Geschichte

In der Antike unterscheidet man die Regionen Sumer (später auch Südbabylonien genannt), Babylonien bzw. Nordbabylonien, Assyrien und Nordmesopotamien für das Gebiet des heutigen Irak. Im Nordosten ragt das iranische Hochland, in dem ab Ende des 1. Jts.v.Chr. iranische Völker siedelten, in den heutigen Irak hinein -- dessen Geschichte ist im Eintrag zum Iran beschrieben.

Auf irakischem Boden wurde die nach heutigem Wissensstand erste Schriftsprache der Welt benutzt, das Sumerische (ab ca. 3000 v.Chr.). Es war auch Amts- und Umgangssprache in den sumerischen Stadtstaaten Südmesopotamien in dieser Zeit. Seit Mitte des 3. Jts. v.Chr. wanderten Semiten aus dem Norden ein. Das erste semitische Reich Mesopotamiens war das Reich von Akkad (2350-2200v.Chr.). In diesem Reich wurde vornehmlich Akkadisch als Schriftsprache benutzt. In der darauffolgenden sog. neusumerischen Epoche ging man wieder zum Sumerischen über. Nach ca. 2000v.Chr. wurde Babylonien wieder unter einer akkadischen Dynastie vereint, die eine jüngere Form des Akkadischen, das Babylonische sprach. Auch Südbabylonien geriet schnell unter die Herrschaft dieses Reichs. Sumerisch blieb hier bis etwa 1700v.Chr. Umgangssprache, wurde dann aber vom Babylonischen als Umgangssprache abgelöst. In Nordbabylonien wurde es nicht mehr gebraucht, in Südbabylonien aber noch als mit dem Babylonischen gleichberechtigte Schriftsprache. Nach 1700v.Chr. wurde es zur reinen Gelehrtensprache, in den meisten Kontexten wurde nun Babylonisch auch als Schriftsprache genutzt. In dieser Funktion geriet das Sumerische erst im 1. Jh.v.Chr. in Vergessenheit.

Um 1400v.Chr. wanderten die Kassiten aus dem östlichen Hochland ein und rissen die Herrschaft in Babylonien an sich; sie assimilierten sich sprachlich aber schnell an die babylonische Kultur. In den darauffolgenden Jahrhunderten bildete sich in Assyrien das assyrische Reich aus. Dort wurde ein anderer akkadischer Dialekt, das Assyrische, gesprochen. Assyrien beherrschte ab etwa 1000v.Chr. auch Babylonien, das es in einer formalen Doppelmonarchie regierte. Das Assyrische Reich deportierte viele Einwohner eroberter Gebiete, vor allem im heutigen Syrien, nach Assyrien. Dadurch wurde das lokale Assyrisch stark aramäisch beeinflußt. Seit dem 7. Jh.v.Chr. wurde Aramäische zur Schriftsprache in Assyrien. In Babylonien zog sich die Bevölkerung zur selben Zeit in die Städte zurück, nomadisch bzw. in Stammesstrukturen lebende Aramäer und Chaldäer wanderten ein und besetzten den ländlichen Raum.

Seit dem 1. Jt.v.Chr. gesellte sich das Aramäische als gleichberechtigte Schriftsprache zum Assyrischen und Babylonischen. Im 7. Jh. v.Chr. wurde das Assyrische Reich von einem neuen Babylonischen Reich unter chaldäischer Führung erobert. Seit dem 6. Jh.v.Chr. leben auch Juden im Land, die meist Aramäisch, nach der arabischen Eroberung Arabisch sprechen bzw. sprachen, es als Schriftsprache aber zum großen Teil mit hebräischen Buchstaben schreiben/schrieben. Seit dieser Zeit drang auch in Babylonien das Aramäische als Schriftsprache ein, zunächst noch als Beischriften in Keilschrifttexten.

Das neue Babylonische Reich fiel 539v.Chr. an das Persische Reich. In den nachfolgenden Jahrhunderten verschwand das Akkadische als Umgangssprache, wurde durch das Aramäische abgelöst. Als Schriftsprache blieb es weiterhin in Gebrauch, verlor jedoch zunehmend an Raum gegenüber dem Aramäischen. Amtssprache war im Persischen Reich das sog. Reichsaramäische. Um 330v.Chr. fiel Mesopotamien an Alexander den Großen und seine Nachfolger, die sog. Diadochen. In Mesopotamien setzte sich das Seleukidische Reich durch. Eine dritte Schriftsprache, das Griechische, kam hinzu. Zu dieser Zeit wurde Akkadisch nur noch selten genutzt. Auch das Parthische Reich, das 141v.Chr. die Seleukiden ablöste, war hellenisiert. Um die Zeitenwende wanderten Araber in die Wüsten und wüstennahe Gebiete des späteren Irak ein (nur in einen kleinen Teil des heutigen Irak); sie brachten damit in ihre Gebiete ein neue Umgangssprache, das Arabische, in die sonst fast rein aramäischsprachigen Gebiete des fruchtbaren Halbmonds.

Im 3. Jh.n.Chr. traten die stärker im Iran orientierten Sassaniden an die Stelle der Parther. Das Griechische verschwand. Im 7. Jh. eroberten die Araber Mesopotamien, das Aramäische wich allmählich dem Arabischen. Die städtischen Dialekte, die sich herausbildeten, die sog. qeltu-Dialekte, waren vergleichsweise standardnah. Sie überwogen auch im Norden. Im übrigen ländlichen Raum überwogen beduinische Dialekte. Araber waren seit dem 2. Jh. nach Mesopotamien eingesickert. Seit dem abbasidischen Kalifat (ab 750) wurde Mesopotamien, genauer seine neue Hauptstadt Bagdad, das Zentrum der islamischen Welt. 1258 wurde das Land Opfer der mongolischen Eroberung. Nach dieser Katastrophe brach die städtische Kultur zusammen und bildete sich später auf niedrigerem Niveau neu. Bis auf die jüdische und christliche Minderheit begann die Städter die beduinischen Dialekte, die sog. gilit-Dialekte, anzunehmen. Nach den Mongolen herrschten die Ilkhaniden, dann die Dschalairiden, ab 1410 der turkmenischen Dynastien der Akquyunlu und Karaquyunlu, 1508 wurde der Irak, wie das Land seit der arabischen Eroberung genannt wird, Teil des safawidischen Reichs, seit 1533 des Osmanischen Reichs. Innerhalb dieses Reichs war zwischen 1703 und 1830 der Irak faktisch unabhängig. Das Osmanische spielte hier daher kaum eine Rolle. Nach dem Ende des Osmanischen Reich wurde 1921 ein Königreich Irak unter britischem Protektorat geschaffen, das 1958 in eine Republik umgewandelt wurde. In dieser Zeit wanderte auch die christliche und jüdische Minderheit aus, die qeltu-Sprachinseln innerhalb des gilit-Gebiets verschwanden und sind heute im Aussterben begriffen. Bis in die 80er Jahre spielte das Englische eine große Rolle, vor allem als Schriftsprache. Seit 2003 gibt es amerikanische Soldaten im Irak, die meist nur wenige Monate im Land bleiben.

Ethnologue.
Wikipedia.
http://homepages.fh-giessen.de/kausen/wordtexte/Irak%20Sprachen.doc.
http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laender/Irak.html.
Erich Feigl (1995): Die Kurden: Geschichte und Schicksal eines Volkes, München: Universitas.
Hans J. Nissen/Peter Heine (2003): Von Mesopotamien zum Irak: Kleine Geschichte eines alten Landes (Wagenbachs Taschenbuch 483), Berlin: Wagenbach.
Otto Jastrow (1978): Die mesopotamisch-arabischen Qeltu-Dialekte (Abhandlungen für die Kunde des Morgenlandes), Wiesbaden: Steiner.
Otto Jastrow: Die Entdeckung einer arabischen Dialektgruppe (die arabischen qeltu-Dialekte, Vortrag an der Univ. Osnabrück, Nov. 1995.
Stanislav Segert (1975): Altaramäische Grammatik. mit Bibliographie, Chrestomathie und Glossar, Leipzig: Enzyklopädie.