Zurück zur Startseite


Johannes Reese

Textzusammenfassung · Internat. Layout · Übersetzungen · Aussprachetraining · Historische Recherche · Ghostwriting

Freie und Hansestadt Hamburg (Deutschland)

Offizielle Amtssprache: Deutsch

Zurück zur Deutschland-Karte

Einheimische Umgangssprachen: ·(Hamburgisches) Hochdeutsch, [Hamburger Platt]

Die heutige sprachliche Situation unter den "hamburgischstämmigen" Einwohner stellt sich so dar, daß die mittlere bis ältere Generation in einer Nicht-Oberschicht und eine Oberschicht geteilt ist: Erstere spricht Hochdeutsch mit völlig hamburgisch-niedersächsischer Aussprache, letztere norddeutsch gefärbtes Medien-Hochdeutsch mit leicht hamburgischer Färbung. Die jüngere Generation spricht wie die Oberschicht der mittleren Generation. Die ältere bis sehr alte Generation spricht teilweise noch Platt, deren Oberschicht stärker hamburgisch geprägtes Hochdeutsch. Das Missingsch: eine hamburgisch-hochdeutsche Mischsprache bzw. hamburgisch-hochdeutsches code switching, ist wohl als ausgestorben zu betrachten. Früher sprachen es Teile der Unterschicht im Umgang mit Nicht-Plattsprechern. (Das heutige Hochdeutsch der Hansestadt aufgrund der niedersächsischen Einflüsse als modernen "Hamburger Dialekt" zu betrachten ist übrigens stark übertrieben. Vor einer solchen Argumentation löst sich der Begriff "Hochdeutsch" in Luft auf.)

Geschichte

Hamburg ist wohl seit dem Altertum sächsisch besiedelt (seit dem 19. Jh. sagt man statt sächsisch niedersächsisch). Der traditionelle Dialekt der Region war im Mittelalter eine der hauptsächlichen Grundlagen für die mittelniederdeutsche Schriftsprache, die Sprache der Hanse. Im 17. Jh. gab Hamburg die niedersächsische Schriftsprache zugunsten des Hochdeutschen auf. Als Umgangssprache diente aber weiter der niedersächsische Dialekt. Erst im 19. Jh. begann die Oberschicht, Hochdeutsch als Schriftsprache anzunehmen. Dabei behielt sie die niedersächsische Aussprache bei (und nahmen einige wenige Einflüsse mit). Im 20. Jh. gingen auch übrige Schichten zum Hochdeutschen mit niedersächsischer Aussprache über. Erst in diesen Jahren schließt sich dieser Prozeß ab und steht das Hamburger Platt kurz vor dem Aussterben.

Daneben sind seit dem 19. Jh. die Einwanderer zu beachten. Bis in die 50er Jahre kamen sie in der Regel aus anderen Gebieten Deutschlands; vor allem die Flüchtlinge aus Ostdeutschland in den 40er und 50er Jahren sind hier bedeutend. Sie sprachen in der Regel Hochdeutsch mit ihrer heimatlichen Färbung, ihre Kinder Hochdeutsch mit Hamburger Zunge. Seit den 50er und 60er Jahren kamen vermehrt Menschen aus anderen Teilen der Erde, die größte Gruppe sind Türken. Sie sprechen in der Regel ihre Muttersprache (sowie gegebenenfalls die Amtssprache ihrer Heimat) und tendentiell eher gebrochen Deutsch. Ihre Kinder sind in der Regel zweisprachig, wobei es solche gibt, die gut deutsch sprechen und solche, die es weniger gut sprechen. Die Aussprache ist mediendeutsch (manchmal auch mit leicht hamburgischem Akzent) oder mit mehr oder minder türkischem (oder anderem) Akzent. Die Enkel sprechen teilweise nur noch Deutsch, teilweise sind sie zweisprachig (und pflegen code switching), teilweise sprechen sie noch eine Pidgin-Sprache, die zur Zeit Kanakisch genannt wird. In bestimmten Kreisen sind sowohl Kanakisch als auch Türkisch als auch türkisch gefärbtes Hochdeutsch "in", auch unter Nicht-Türkischstämmigen.

In Hamburg gab es früher auch einige im 17. Jh. aus Spanien oder Portugal eingewanderte sephardische Juden, die Spanisch bzw. Portugiesisch sprachen. Die im 19. Jh. eingewanderten Aschkenasen sprachen Hochdeutsch. Sie haben den Holocaust nicht überlebt bzw. Hamburg verlassen.

Weite Teile der heutigen Hansestadt sind übrigens erst 1937 zu Hamburg gekommen (Groß-Hamburg-Gesetz). Der Bezirk Harburg war tlw. eine kreisfreie Stadt (Harburg-Wilhelmsburg), die zur Prov. Hannover gehörte, tlw. Teil des Landkreises Jork (Altes Land; ebenfalls Prov. Hannover). Altona und Wandsbek sowie kleinere Gemeinden, die heute auf die Stadtbezirke Altona, Eimsbüttel, Nord und Wandsbek verteilt sind, waren holsteinisch, damit bis 1864 dänisch. Bergedorf gehörte zwar seit alters her zu Hamburg (bis 1866 gemeinsamer hamburgisch-lübischer Besitz), blieb aber bis 1937 eigene Stadt im Staat Hamburg.