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Frankreich

Offizielle Amtssprache: Französisch

Einheimische Sprachfamilien: Romanisch, Germanisch, Keltisch, Baskisch

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Überseeische Gebiete

Frankreich wird immer wieder als ein Land dargestellt, in dem Sprachgemeinschaft und "Nation", also Landesgrenzen, übereinstimmen. Das ist ein (falscher) Mythos. In Wahrheit ist dieser Zusammenhang erst nach der Französischen Revolution künstlich geschaffen worden, und er ist bis heute nur teilweise Realität. Traditionell besteht Frankreich aus zwei großen Sprachgemeinschaften, von denen die französische lediglich die etwas größere ist, und einer ganzen Reihe kleinerer Sprachen, die in der Peripherie gesprochen werden bzw. wurden. Die große Zweiteilung besteht zwischen dem französischsprachigen Norden und dem okzitanischsprachigen Süden. Die okzitanische Kultur war im Mittelalter eine der führenden Hochkulturen Europas. Heute ist sie fast verschwunden. In der Peripherie werden noch Baskisch, Katalanisch, Korsisch, Ligurisch (Galloitalienisch), Frankoprovenzalisch, Elsässisch (Alemannisch), Flämisch (Niederländisch) und Bretonisch gesprochen.

Aufgrund der sehr rigiden Sprachpolitik Frankreichs ist das Land heute fast einsprachig. Die südliche Hälfte Frankreich ist traditionell okzitanischsprachig. Heutzutage unterscheidet sich die Sprache dieser Region vom Standard-Französischen aber mehr oder weniger nur durch einige lautliche Relikte aus dem Okzitanischen (vor allem: konsequente Aussprache des sonst stummen e wie in quinze). Im Norden sind die Dialekte mehr oder weniger ausgestorben, man spricht Standard-Französisch mit geringen Ausspracheunterschieden. Auch die Sprachen der anderssprachigen Bewohner der Randgebiete hinterlassen nur ein geringes Substrat. Das Judenfranzösische ist aufgrund von Vertreibung schon im Mittelalter ausgestorben. Auch in Frankreich ist Binnenwanderung im 20. Jh. stark gewesen. Sie führte zu einer noch tieferen Festsetzung des Standardfranzösischen.

Frankreich wurde 1789 in Departements eingeteilt, die auf keine historischen Zusammenhänge Bezug nehmen. Diese Departements wurden 1982 zu Regionen zusammengefaßt, die tlw. auf historische Landschaften zurückgreifen, deren Grenzen aber in fast keinem Fall mit den historischen Landschaften zusammenfallen. Die Departements werden übrigens durchgezählt. Die Nummer eines Departements dient übrigens auch als Teil von Postleitzahlen und von Kfz-Kennzeichen.

Einwanderer

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Es gibt eine große Zahl von Einwanderern, vor allem aus den ehemaligen Kolonien (vor allem Afrika), daher spielt maghrebinisches Arabisch eine gewisse, mit den Generationen nach der Einwanderung allerdings schnell schwindende Rolle. Die große Vielfalt von Sprachen der Einwanderer aus dem südsaharischen Afrika läßt deren Sprachen wohl noch schneller schwinden (?).

Frankreich war aber schon vor dem Zweiten Weltkrieg Ziel von Einwanderung, damals allerdings vornehmlich aus Italien und Spanien. Eine weitere einst durch Einwanderung entstandene Minderheit sind die Zigeuner, die allerdings im Vergleich zu Mittel- und Osteuropa eine verschwindend geringe Rolle spielen, und die Armenier. Die Armenier sind meist assimiliert, sie sprachen ursprünglich Westarmenisch.

Geschichte

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Hier folgt ein allgemeiner Überblick. In den Kap. zu den einzelnen Regionen finden sich teilweise genauere Darstellungen.

Die frühesten Bewohner Frankreichs, von denen wir wissen, waren Kelten. Man nannte das Land Gallien. Nach Caesar lebten drei Völker im Land: die Belgen im Norden, die Aquitanier im Südwesten und die Gallier im übrigen Gallien. Die Belgen werden heute meist als Kelten betrachtet, nach Kuhn u.a. (1962) sind sie aber einem sprachlich untergegangenen nicht-keltischen und nicht-germanischen Volk zuzuordnen, das das heutige Nordfrankreich, Belgien, Niederlande und Nordwestdeutschland umfaßte; sie sind sprachlich nicht zuordbar, außer dadurch, daß sie Indogermanen waren, Kuhn erscheint eine Verwandtschaft zu Venetern oder Illyrern noch am wahrscheinlichsten. Die Aquitanier sind möglicherweise Basken bzw. inzwischen ausgestorbene Verwandte der Basken (in der Gaskogne ist das baskisch oder baskischverwandte Substrat noch spürbar).

Später wurden einige griechische Kolonien an der Südküste gegründet (vor allem Massalia, das heutige Marseille). im 3. Jh. v.Chr wurde die heutige Provence römische Provinz (Gallia transalpina). Das übrige Gallien wurde 50v.Chr. Teil des römischen Reichs. Mit der Zugehörigkeit zum römischen Reich wanderten Menschen aus anderen Teilen des Reichs, vor allem Römer, nach Gallien ein. Es begann die Romanisierung des Landes. Diese war aber erst im 5. Jh. n.Chr. abgeschlossen. Dabei entstand eine romanische Sprache mit keltischem/(belgischem?), in der Gaskogne auch baskischem Substrat, die sich mit der Zeit immer mehr vom Latein entfernte. Zur gleichen Zeit eroberten die Franken Gallien. Sie sprachen wohl eine rhein-weser-germanische Sprache. Der äußerste Osten des heutigen Frankreich wurde von Alemannen besiedelt. Während die Franken außerhalb der Grenzen des heutigen Frankreich meist die Bevölkerungsmehrheit stellten, blieben sie in den meisten Teilen innerhalb des Hexagons eine Minderheit. So bildete sich anhand der Siedlungsstrukturen eine Sprachgrenze heraus. Westlich der Sprachgrenze sprach die Mehrheit inzwischen romanische Dialekte. Die dünne fränkische Oberschicht bewahrte eine Zeit lang ihre Sprache, übernahm aber allmählich die Sprache ihrer Untertanen. In dieser bildete sie ein Superstrat. Östlich der Sprachgrenze verschwand bis auf Inseln (im heutigen Deutschland) das Romanische zugunsten des Fränkischen. Die Sprachgrenze verlief im Osten des heutigen Frankreichs. Sie hat sich seit ihrer Entstehung bis ins 20. Jh. nur unwesentlich verschoben. "Östlich" der Sprachgrenze liegen im heutigen Frankreich nur das sog. Westhoek im äußersten Norden des Sechsecks sowie das Elsaß und ein kleiner Teil Lothringens. Die Bretagne begann in dieser Zeit eine eigene Entwicklung: Sie wurde von keltischen Einwanderern von den britischen Inseln besiedelt und hat ihre inselkeltische Sprache seitdem bewahrt.

Das fränkische Superstrat hat großen Einfluß auf die Struktur des romanischen in Gallien ausgeübt. Im Süden gab es allerdings kaum Franken. Er geriet zudem bald unter westgotische Herrschaft; die Westgoten waren sehr gering an Zahl und haben in ihrem Herrschaftsgebiet praktisch kein Superstrat ausgeübt, auch daher, weil sie von der romanischen Bevölkerung isoliert blieben. Sie bewahrten ihre Sprache und ihren arianischen Glauben, starben aber bei Ende ihrer Herrschaft aus bzw. assimilierten sich vollständig. So entstand eine Sprachgrenze innerhalb des romanischen Sprachgebiets im heutigen Frankreich, zwischen der langue d'oïl oder dem Französischen im Norden und dem Okzitanischen im Süden (sowie dem Katalanischen im äußersten Süden). Das baskische Gebiet war wie (das übrige) Gallien während der römischen Herrschaft romanisiert worden, hier bildete sich ein romanischer Dialekt auf baskischem Substrat. Durch Ausgleichsprozesse wurde er Teil des okzitanischen Sprachgebiets, blieb dort aber eine eigene Dialektgruppe, das Gaskognische. Der äußerste Südwesten des baskischen Gebiets hat bis heute bzw. bis ins 20. Jh. seine baskische Sprache bewahrt.

Bei der Teilung des Fränkischen Reichs kam der größte Teil des heutigen Frankreich zum Westfränkischen Reich, das später als Frankreich bekannt wurde. Das östliche Drittel kam zum Ostfränkischen Reich, das später zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation wurde. Im Westfränkischen Reich war die Königsmacht zunächst besonders schwach. Im Verlauf des Hochmittelalters festigte sie sich, Frankreich wurde allmählich zu einem für damalige Verhältnisse Einheitsstaat. Seit dem Ausgang des Mittelalters begannen die französischen Könige, den Dialekt ihrer Hauptstadt, das Franzische, als Schriftsprache zu propagieren. Alleinige Schriftsprache in Frankreich war bis dahin das Latein gewesen. In der frühen Neuzeit begann im französischsprachigen Gebiet, die Oberschicht auch als Umgangssprache zum Franzischen überzugehen. Im Verlauf mehrerer Jahrhunderte vollzog sich ein Sprachwechsel vom überlieferten französischen Dialekt zum Franzischen oder Standard-Französischen. Sie kann im 20. Jh. als weitgehend abgeschlossen gelten. Nur noch wenige französischsprachige Gebiete haben ihren Dialekt oder Spuren davon bewahrt. Diese Entwicklung betraf in geringerem Maße auch die französischsprachigen Gebiete, die zum Hl. Römischen Reich gehörten. Im 17. Jh. wurden sie von Frankreich erobert, damit war die Eigenentwicklung beendet.

Seit dem 19. Jh. begann diese Entwicklung auch im okzitanischsprachigen Gebiet. Zunächst wurde wiederum die Oberschicht erfaßt, seit dem 20. Jh. auch weitere Bevölkerungskreise. Den größten Schub erfuhr die Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg. Inzwischen sind die okzitanischen Dialekte auch hochgradig bedroht oder schon ausgestorben.

Zur gleichen Zeit begann dieselbe Entwicklung in den nicht-romanischen Gebieten Frankreichs. Lediglich das Elsaß blieb zunächst unberührt. Zum einen konnte es bis heute in Teilbereichen Autonomie bewahren, zum anderen war es 1871-1918 Teil des Deutschen Reichs. Erst seit dem 2. Weltkrieg begann hier die Franzisierung, die aber sehr schnell verlief. In einigen Gebieten des Elsaß ist der Dialekt schon verschwunden. In den übrigen nicht-romanischen Gebieten setzte der Sprachwechsel früher ein. Allerdings gibt es im Gegensatz zum Elsaß hier seit dem 2. Weltkrieg eine Gegenbewegung zur Bewahrung der nicht-romanischen Sprache. Lediglich im germanischsprachigen Lothringen fehlt diese Bewegung. Dennoch sind auch die übrigen nicht-romanischen Sprachen in Frankreich akut bedroht. Agiler sind die Sprachen der Einwanderer, die seit dem 2. Weltkrieg nach Frankreich kamen. Vor allem das Maghrebinische ist relativ stark, obwohl auch hier starke Sprachwechseltendenzen zu beobachten sind. Im 19. und frühen 20. Jh. hatte es bereits eine Einwanderungswelle aus Italien gegeben; die Italiener assimilierten sich allerdings schnell.

Gaius Iulius Caesar (um 50v.Chr.): De bello Gallico.
Simon James (1996): Das Zeitalter der Kelten, Düsseldorf: ECON.
Rolf Hachmann/Georg Kossack/Hans Kuhn (1962): Völker zwischen Germanen und Kelten. Schriftquellen, Bodenfunde und Namengut zur Geschichte des nördlichen Westdeutschlands um Christi Geburt, Neumünster: Karl Wachholtz.
http://www.salic-slmc.ca/showpage.asp?file=langues_en_presence/langues_off/fr_histoire&language=fr&updatemenu=true.