)Offizielle Amtssprache: Finnisch, Schwedisch
Umgangssprache: Finnisch, Ostfinnisch, Schwedisch, Saamisch, Roma, (Russisch, Jiddisch, Tatarisch, Karelisch, Wepsisch)
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Im Finnischen bildet sich eine Koiné heraus, als "finnische Umgangssprache" bekannt, die vor allem in den Städten der Südküste entstanden ist. Dort hat sie sich weitgehend durchgesetzt und etwaige Dialekte verdrängt. Sie wird auch in den ehemals schwedischsprachigen Gebieten gesprochen, wie z.B. in der Stadt Vaasa (Vasa). Diese "Umgangssprache" wird dann in allen nichtschriftsprachlichen Kontexten gebraucht, auch in einigen schriftlichen. Persönliche Briefe z.B. werden oft in Umgangssprache abgefaßt. Zunehmend verdrängt diese Sprache auch in anderen Regionen die Dialekte. Da sie kaum gelehrt wird, bedient man sich mit den wenigen finnischsprachigen Ausländern der Schriftsprache. Die Schriftsprache dominiert auch in den meisten schriftsprachlichen Kontexten, auch z.B. in Reden.
Trotz sprachlicher Förderung geht die schwedische Minderheit immer weiter zurück. Sie stellte früher die Ober- und obere Mittelschicht. Zweitweise war ein Drittel der Bevölkerung schwedischsprachig. Heute betrachten sich nur noch 10% der Bevölkerung als der schwedischen Minderheit zugehörig. Sie sind teilweise zweisprachig und bedienen sich im Verkehr mit Finnen des Finnischen. Die schwedische Minderheit lebt vor allem an der Westküste.
Finnen sind Lutheraner, nur im äußersten Osten gibt es ein kleines orthodoxes Gebiet; dort ist aber auch Finnisch Liturgiesprache.
Bis 1940 war Finnland größer als heute. Zu ihm gehörten auch Gebiete, die heute zu Rußland gehören, tlw. zum Geb. Leningrad, tlw. zur Rep. Karelien. Die Bewohner dieser Gebiete mußten 1940 sämtlich in heutiges finnisches Territorium fliehen. Da das Gebiet damals zum karelischen Sprachgebiet gehörte, gibt es vielleicht noch heute Karelisch-Sprecher, die zu diesen Flüchtlingen gehörten, in Finnland. Auch einige Wepsen lebten damals in Finnisch-Karelien und damit sie und ihre Nachfahren heute in Finnland.
Es gibt kaum Ausländer in Finnland. Erst seit den 1990er Jahren kommen Flüchtlinge aus aller Welt ins Land, sind aber weniger als in anderen nordischen Ländern. Davor gab es eine kleine jüdische Minderheit (jiddischsprachig, geben sie ihre Sprache zunehmend zugunsten des Schwedischen und Finnischen auf), eine kleine russische, eine kleine romasprachige und eine winzige Gruppe von Tataren, bis vor kurzem die einzigen Muslime in Finnland. Die beiden Dialekte der finnischen Roma sind isoliert von denen anderer Länder; es gibt zwei Dialekte, da Roma sowohl vom Westen wie vom Osten eingewandert sind. Die russische Minderheit geht zu einem Teil auf Einwanderung während der Zarenzeit, als Finnland zu Rußland gehörte, zurück, zum anderen seit 1991. Diese Einwanderer sind Nachfahren der "Ingrischen Finnen", die 1617-1721, als der heutige Oblast Leningrad zu Schweden-Finnland gehörte, dorthin ausgewandert waren. Seit 1991 können sie nach Finnland auswandern, nachdem sie in Rußland vor allem zu Stalins Zeiten eine unerwünschte Minderheit waren. Es gibt meist nur wenig Kontakt zwischen den "Altrussen" und den "Neurussen". Die "Altrussen" bewahren teilweise ihre russische Muttersprache als Haussprache, sprechen aber meist Finnisch; sie sind orthodox. Die "Neurussen" sprechen meist Russisch als Muttersprache und müssen Finnisch meist erst lernen, da sie in der Sowjetzeit das Finnische ablegten oder ablegen mußten. Sie sind Atheisten oder Lutheraner.
Erste Fremdsprache ist Schwedisch, unter den Finnlandschweden Finnisch, sofern sie nicht ohnehin den Unterricht auf finnisch besuchen. Finnen sprechen allerdings meist eher schlecht Schwedisch, sie konzentrieren ihre Energie auf das Englische, das die meisten gut beherrschen.
Seite über finnische Dialekte (auf finnisch)
Man spricht hauptsächlich lappländische Dialekte. Zunehmend gewinnt auch die "finnische Umgangssprache" Raum. Es gibt eine samische Minderheit, die aber dazu neigt, ihre Sprache zugunsten der "finnischen Umgangssprache" auszugeben.
Man spricht hauptsächlich osterbottnische Dialekte. Die "Umgangssprache" gewinnt aber an Raum. Im Westen gibt es eine zurückgehende schwedische Minderheit. In diesem Gebiet herrscht die "Umgangssprache" vor.
Der Län besteht aus sieben maakunnat/landskaper, deutsch also "Landschaften". Diese "Landschaften" sind aber Verwaltungsregionen und stimmen nicht mit historischen Landschaften überein. Sie sind: Südösterbotten (Etelä-Pohjanmaa, Södra Österbotten), Österbotten (Pohjanmaa, Österbotten), Pirkanmaa (Birkaland), Satakunta (Satakunda), Mittelösterbotten (Keski-Pohjanmaa, Mellersta Österbotten), Mittelfinnland (Keski-Suomi, Mellersta Finland) und das "Eigentliche Finnland" (Varsinais-Suomi, Egentliga Finland).
Zwei "Landschaften" sind teilweise oder vorwiegend schwedischsprachig: Österbotten und ein Teil der Region Eigentliches Finnland. Dieser Teil, der überwiegend Schären-Gebiet ist, wird heute als "Åboland" bezeichnet. Die Inselwelt der Schären geht ohne geographische Grenzen nach Åland über. Åboland ist überwiegend schwedischsprachig. Die Stadt Åbo bzw. Turku gehört nicht zu der Region, hat aber auch eine starke finnlandschwedische Minderheit. Sie ist das kulturelle Zentrum der Finnlandschweden. An der Universität Turku/Åbo gibt es eine schwedische Abteilung. In Österbotten stellen Finnlandschweden etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung (je drei Gemeinden sind einsprachig, die übrigen zweisprachig). Die Bezeichnung "Österbotten" ist mißverständlich. Die historische Landschaft war ein riesiges Gebiet, fast ein Drittel des Landes. Die Verwaltungslandschaft ist nur noch der schwedischsprachige Teil am Kvarken, dem schmalsten Teil des Bottnischen Meerbusens. So gibt es östlich von Österbotten das rein finnischsprachige "Südösterbotten", nördlich von Österbotten noch das ebenfalls finnischsprachige "Mittelösterbotten"; in dieser gibt es eine Gemeinde (Kokkola/Karleby) mit schwedischer Minderheit (18%).
Unter den Finnischsprachigen werden die lokalen westfinnischen Dialekte immer mehr von der Umgangssprache verdrängt. Man sprach hier ursprünglich Südosterbottnisch und Südwestfinnisch, das mit dem Estnischen nah verwandt ist.
"Pirkanmaa" teilt sich in zwei historische Landschaften: der Westen gehört zu Satakunta, der Osten zu Häme. In Häme (schwed. Tavastland) sind die Dialekte noch recht stark. Ähnlich verhält es sich mit Mittelfinnland, das in einen tavastländischen und einen savoländischen Teil zerfällt; auch in Savo wird noch viel Dialekt gesprochen. Das Savoländische gehört schon zum Ostfinnischen.
Ostfinnland besteht aus Savo und Finnisch-Karelien. In beiden Gebieten wird ein Kontinuum zwischen "Umgangssprache" und savoländischen Dialekten gesprochen. In das Gebiet sind viele Zuwanderer aus den Gebieten, die 1940 an Rußland fielen, eingewandert. Sie sprachen aber auch savoländische Dialekte. Einige sprachen allerdings Karelisch; sie haben sich aber inzwischen sprachlich angepaßt.
Südfinnland besteht aus den Regionen Südkarelien, Päijat-Häme (Päijat-Tavastland), Neuland/Ost-Neuland und Kymenlaakso (Kymmenedalen). Es hat Anteil an den historischen Landschaften Neuland (Neuland liegt vollständig in Südfinnland), Karelien und Häme/Tavastland. 1997 wurde die Provinz aus den vormaligen Provinzen Neuland, Kymi und dem Süden von Häme geschaffen.
Neuland (finn.: Uusimaa, schwed.: Nyland) ist das Zentrum der "Umgangssprache". Der Schwund regionaler Dialekte wurde gefördert durch die massive Zuwanderung von Finnen aus der Region Kareliens, die 1940 an Rußland fiel. Um Helsinki ist neben Westfinnland das zweite Zentrum der Finnlandschweden. Die Gemeinden Grankulla (Kauniainen) und Ekenäs (Tammisaari) sind überwiegend schwedischsprachig, in weiteren Gemeinden sind sie in der Minderheit. Ihre Umgangssprache ist Schwedisch, allerdings nur untereinander. Im Kontakt mit Finnen sprechen sie die finnische Koine. Im neuländischen Teil von Kymenedalen ist Pyttis/Pyhtää die einzige Gemeinde mit schwedischer Minderheit.
In Päijät-Häme wird ein Kontinuum zwischen "Umgangssprache" und tavastländischen Dialekten gesprochen.
In Südkarelien wird noch vornehmlich Ost-Savoländisch gesprochen, teilweise fälschlich als Karelisch bezeichnet. Oft ist es aber auch ein Kontinuum zwischen "Umgangssprache" und Ost-Savoländisch; auch hier hat die Einwanderung aus Ostkarelien die Zunahme der "Umgangssprache" gefördert.
Finnland wurde um 5000v.Chr. von finnischen Völkern in zwei Wellen besiedelt; die Westfinnen kamen über Estland, die Ostfinnen über Karelien. Mit diesen vermischten sich indogermanischen Völker, die ab 3200v.Chr. einwanderten; diese assimilierten sich an die finnische Kultur. Ab dem 12. Jh. kam Finnland allmählich unter schwedische Herrschaft. Schweden siedelten allerdings schon seit dem 9. (?) Jh. sporadisch an der Westküste (Graham-Campbell 1980). In den Jahrhunderten der schwedischen Herrschaft war Schwedisch die Sprache der Oberschicht. Im 16. Jh. wurde die Reformation eingeführt, damit begann auch in Ansätzen finnisches Schrifttum; es blieb aber gegenüber der schwedischen marginal. 1809 fiel Finnland an Rußland. Es wurde ein halb-autonomes Großfürstentum innerhalb des russischen Reichs. Sprachlich änderte dies zunächst nichts. Nur wenige Russen wanderten ein. In der zweiten Hälfte des 19. Jhs. wurde Finnisch zweite Amtssprache. Kurz darauf begann allerdings in Rußland eine Russifizierungspolitik, beide Amtssprachen wurden durch das Russische ersetzt. Dies blieb aber Episode. Wenige Jahrzehnte später traten wieder Schwedisch und Finnisch an seine Stelle. 1918 wurde Finnland unabhängig. Finnisch wurde jetzt primäre Schriftsprache. Seitdem geht die Zahl der Schwedischsprecher, die jetzt nur noch eine geschützte Minderheit sind, kontinuierlich zurück. Inzwischen sind es nur noch 10%. Allerdings ist Schwedisch offiziell bis heute zweite Amtssprache. Allerdings gehen die Schwedischkenntnisse der finnischsprachigen Finnen ebenso kontinuierlich zurück, auch wenn sie es alle als erste Fremdsprache in den Schulen lernen. 1940/44 verlor Finnland weite Teile seines Territoriums im Osten. Die dortige Bevölkerung floh geschlossen nach Finnland, darunter viele Karelisch-, Wotisch-, Ischorisch- und Wepsisch-Sprecher. Sie siedelten sich vor allem im Osten an und assimilierten sich. Östlich an diese verlorenen Gebieten schließt sich das Ingermanland an, das 1617-1721 schwedisch war. In dieser Zeit waren viele Finnen nach Ingermanland ein, die auch nach 1721 dort blieben. Da Finnland wie Deutschland eine Einwanderungspolitik nach Abstammung betreibt, konnten diese "Ingrischen Finnen" nach 1991 nach Finnland übersiedeln, obwohl sie aufgrund der Russifizierungspolitik in der Sowjetzeit in aller Regel nur Russisch beherrschen.
Wikipedia.
James Graham-Campbell (1980): Das Leben der Wikinger: Krieger, Händler und
Entdecker, Berlin; Hamburg: Kristall-Verlag.