Türkisch und Aserbaidschanisch

Schrift: Lateinisch (früher auch Kyrillisch (nur Aseri) und Arabisch (beide))

Türkisch ist eine Turksprache, die in Anatolien auf griechischem Substrat entstanden ist. Zusammen mit dem Aserbaidschanischen oder Aseri, das als eigene Sprache gilt, sich aber nur minimal vom Türkeitürkischen unterscheidet, ist Türkisch nur von Sprachen anderer Sprachfamilien umgeben. Früher war Türkisch unter dem Namen Osmanisch bekannt. Diese Sprache wies ein starkes arabisches und persisches Substrat auf. Die Schriftsprache wurde mit arabischen Buchstaben geschrieben. Nach 1928 wurde versucht, das Substrat durch türkische oder, in geringerem Maße, französische Einflüsse zu ersetzen. Die Schrift wurde auf lateinisch umgestellt, und auch in der Grammatik wurde Veränderungen vorgenommen (z.B. das Prinzip der Vokalharmonie ausgeweitet).

In vielen Ländern des ehemaligen osmanischen Reichs haben sich türkischsprachige Minderheiten erhalten. In osmanischer Zeit stellten sie die Oberschicht; die meisten von ihnen verließen die jeweiligen Länder aber, als diese die osmanische Herrschaft abschüttelten.

Seit dem 2. Weltkrieg sind viele Türken in andere Länder Europas ausgewandert. Die größte Gruppe mit fast 2 Mio. stellen die in Deutschland lebenden. Aufgrund ihrer Zahl bewahren sie meist ihre Muttersprache nicht nur als Haussprache, sondern auch im Kontakt mit anderen Türken. Sehr viele Einwanderer haben Deutsch nur unvollständig gelernt, und auch in der zweiten Generation gibt es, vor allem unter Frauen, viele mit schlechten Deutschkenntnissen. Von den übrigen Einwanderer der zweiten und dritten Generation üben sehr viele code-switching zwischen Standarddeutsch und Türkisch. In Baden-Württemberg und Bayern, kaum jedoch in anderen Bundesländern, gibt es auch dialektsprachige Türken. Die türkische Umgangssprache in Deutschland ist meist ein Kolonialdialekt, der vornehmlich auf osttürkischen Dialekten und dem Standard beruht.

Aserbaidschanisch oder Aseri wurde bis ins 20. Jh. nicht als Schriftsprache gebraucht. Statt dessen fanden Arabisch, Persisch und Tschagataiisch Anwendung. Seit dem frühen 20. Jh. gibt es eine eigene aserbaidschanische Schriftsprache, erst mit arabischen, seit den 30er Jahren mit lateinischen, seit den 40er Jahren mit kyrillischen, seit 1993 wieder mit lateinischen Buchstaben geschrieben. Im Iran wird Aserbaidschanisch als Schriftsprache kaum gebraucht, wenn, dann wird es mit arabischen Buchstaben geschrieben. Das iranische Aserbaidschanisch ist stark persisch beeinflußt, im Nordaserbaidschanischen kommt zum (etwas geringeren) persischen und arabischen Einfluß seit dem 20. Jh. ein russischer hinzu.

Türkzyprisch hat sich stark von den anderen Dialekten entfernt. Möglicherweise ist es zu einer eigenen Sprache geworden. Die Phonologie ist dem Aseri näher, im übrigen ist der griechische Einfluß stark. Bis 1974 waren Türkzyprer nur eine Minderheit in Zypern; erst durch die türkische Invasion wurden sie im Norden des Landes konzentriert und dort zur Mehrheit. Das Türkzyprische scheint laut Wikipedia sogar VO-Tendenzen zu haben; das wäre der einzige Fall einer Sprache mit tendentieller VO-Stellung in der ganzen altaiischen Sprachfamilie.

Dialektgruppen

Gesprochen in:

Wikipedia.


Zurück zur Startseite