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Johannes Reese

Textzusammenfassung · Internat. Layout · Übersetzungen · Aussprachetraining · Historische Recherche · Ghostwriting

Deutschland

Offizielle Amtssprache: Deutsch

Einheimische Sprachfamilien: Germanisch, Slawisch


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Rezente Einwanderung

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Allgemein gibt es eine Tendenz, daß sich Sprache in Deutschland an politischen Grenzen orientiert. Grenzen werden schnell zu Sprachgrenzen. So unterscheidet sich das Alemannische in Bayern von dem in Baden-Württemberg, das Hochdeutsch in Niedersachsen ist leicht verschieden von dem in Nordrhein-Westfalen. Dabei ist die Verschiedenheit etwas träge. Es läßt sich z.B. auch eine Sprachgrenze zwischen Baden und Württemberg beobachten. Eine allgemeine Nivellierungstendenz besteht zumindest seit den 50er Jahren durch die Binnenwanderung. Dadurch näherte sich in der alten Bundesrepublik außerhalb von Baden-Württemberg und Bayern die Sprache dem (im Nordwesten entstandenen) Mediendeutsch an. Unter Mediendeutsch ist Standarddeutsch (Hochdeutsch) zu verstehen; dieses hat aber über Jahrhunderte keine festgelegte Aussprache. Es galt lediglich die sächsische Aussprache als die beste. Mit der Annahme des Hochdeutschen als Umgangssprache (zunächst im Nordwesten) entstand eine neue Aussprache auf der Basis der Vermischung von sächsischen mit niedersächsischen und ripuarischen Elementen. Dies hat sich in den Jahrzehnten darauf noch weiter entwickelt und vereinheitlicht. In jüngster Zeit wird dieses Mediendeutsch ersetzt durch ein neues Mediendeutsch, das vornehmlich auf dem alten beruht, aber die niedersächsischen Einflüsse weitgehend durch rheinische, moselfränkische und rheinfränkische ersetzt, in allerjüngster Zeit auch mit berlinerischen Einflüssen. In der DDR entstand durch die politische Isolation vom Rest des "deutschen" Sprachgebiets in gewissem Maße ein eigenes Mediendeutsch durch Ersetzung eines Teils der niedersächsischen und ripuarischen Elemente durch berlinerische und sächsische. Letzteres weicht seit der Wende teilweise dem gesamtdeutschen Mediendeutsch. Die Unterschiede zwischen den beiden Varianten des Mediendeutsch waren immer sehr fein; dennoch geben sie einem großen Teil der Deutschsprecher die Möglichkeit, ehem. DDR-Bürger als solche an ihrer Sprache zu erkennen, auch wenn sie sich dieses Mediendeutsches bedienen. Sie betreffen aber auch den Wortschatz: So sprach man in der DDR eher von "Sonnabend" als von "Samstag" (allerdings ist auch in Ostniedersachsen und Schleswig-Holstein Sonnabend die vorherrschende Form). Ähnliches gilt für Bayern: Auch das dortige Mediendeutsch weicht einige Besonderheiten auf. In Bayern gibt es aber mehr Variation. Das bayerische Mediendeutsch wird von vielen nur in bayerischen Medien benutzt.

(Rezente) Einwanderer

Verbreitetste Umgangssprachen: Türkisch, Russisch, (Polnisch), Deutsch/[Ostmitteldeutsch], [Ostniederdeutsch/Niederpreußisch]

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Seit den Fünfziger Jahren hat es Einwanderung von Türken (größte Gruppe mit fast 2 Mio.), Griechen, Spaniern, Italienern, Portugiesen und Bewohnern des ehemaligen Jugoslawien gegeben. Die zweite und dritte Generation spricht entweder in der Regel nur Deutsch, beherrscht aber die Elternsprache, pflegt code switching zwischen Deutsch und der Elternsprache, oder spricht "Kanakisch". Deutsch heißt in diesem Fall in der Regel Mediendeutsch, nur in Dörfern und kleineren Städten Süddeutschlands auch ein Kontinuum zwischen dem Erbdialekt und moderner regionaler Umgangssprache, sehr selten reinen Erbdialekt.

Seit Ende des Zweiten Weltkrieges kamen außerdem Sprecher oder Nachkommen von Sprechern (süd-)germanischer Sprachen, also Niedersächsisch, Fränkisch oder Deutsch, die in früheren Jahrhunderten nach Osten ausgewandert sind, bzw. die Nachkommen von Menschen, die in den ehemaligen deutschen Ostgebieten vor einigen Jahrhunderten germanisiert wurden. Zu dieser Gruppe sind auch viele Menschen zu rechnen, die (noch) nicht germanisiert waren, sich aber "als Deutsche fühlten", wie Masuren, Nehrungskuren, Oberschlesier, Slowinzen. Von dieser Personengruppe gab es seit dem Zweiten Weltkrieg einen meist eher schwachen, in den Vierziger und Neunziger Jahren starken Einwandererstrom in das Deutschland der heutigen Grenzen, genauer meist in die ehem. Bundesrepublik. In den ersten Jahrzehnten sprachen diese Menschen zum Zeitpunkt der Einwanderung einen germanischen Dialekt (oder Masurisch, Nehrungskurisch usw.), in späteren Jahrzehnten kamen Menschen hinzu, die bereits Russisch oder Polnisch sprachen, in jüngster Zeit kommen fast nur noch Russisch- oder Polnischsprachige. Die Russisch- oder Polnischsprachigen verhalten sich oft wie die übrigen Einwanderer, die in größeren Gruppen im Land leben; es besteht eine Tendenz zur Ghettoisierung. Neben den Einwanderern deutscher Herkunft dürfen auch jüdischstämmige Ex-Sowjetbürger nach Deutschland einwandern. Auch ihre Sprache ist heute in aller Regel Russisch, ihre frühere Sprache, Jiddisch, ist in dieser Gruppe praktisch ausgestorben.

Die Germanischsprecher behalten teilweise ihren Dialekt, teilweise bemühten sie sich darum, Hochdeutsch oder den örtlichen Dialekt zu lernen, so sie nicht schon vorher hochdeutsch sprachen. Ihre Kinder übernahmen regelmäßig den örtlichen Dialekt bzw. das örtliche Hochdeutsch. Die Auswanderungsgebiete sind:

Die aus Polen kommenden Aussiedler kamen meist in den 40er Jahren sowie in den Jahrzehnte darauf, vor allem Oberschlesier kamen eher später. Die Hochphase der Auswanderung aus Rumänien und Ungarn waren die 70er und 80er Jahre, die der Aussiedlung aus Mittelasien die 90er. Die übrigen kamen unmittelbar nach Kriegsende.

Die aus Mittelasien stammenden sind die einzigen, die in ihrer überwiegenden Mehrheit keine germanische Sprache sprechen, sondern meist Russisch (außer den Mennoniten). So entstand eine russischsprachige Minderheit in Deutschland (und eine plautdietschsprachige). Ihr Zentrum sind Westniedersachsen und Westfalen. Hier bleibt auch zumindest die erste Generation nach der Einwanderung russischsprachig.

Sprachen der Aussiedler:

Insgesamt dürften aber inzwischen in Deutschland und in allen anderen westeuropäischen Ländern Einwanderer aus fast allen Ländern der Erde leben. Die übrigen Minderheiten konzentrieren sich vor allem in großen Städten, sind aber fast überall zu finden. Das Deutsch der Minderheiten ist in der Regel Standard-Deutsch, je nach Familie mit mehr oder weniger Substrat aus der ursprünglichen Sprache; lediglich im Süden finden sich auch ausländische Dialektsprecher. Zur Zeit wird in der Altersklasse der 10-20jährigen vor allem das türkische Substrat ausgebaut und teilweise auch von deutschstämmigen Gleichaltrigen aufgegriffen; das Ergebnis wird als »Kanak-Spraak« bezeichnet.

Seit deutlich längerer Zeit leben Sinti und Roma in Deutschland sowie in fast jedem anderen Land Europas. Sie sprechen neuindische Sprachen, die beeinflußt sind von den Sprachen der »Gastländer«.

Der Ethnologue listet noch folgende Sprachen auf: Abaza 80, Adyghe 2,000, Tosk Albanian 25,000, Algerian Spoken Arabic 26,000, Moroccan Spoken Arabic 44,200, Tunisian Spoken Arabic 26,000, Assyrian Neo-Aramaic, Behdini, Catalan-Valencian-Balear, Chaldean Neo-Aramaic 3,000, Chechen, Dimli, Dutch 101,000, English 110,000, Western Farsi 90,000, Western Frisian, Greek 314,000, Hausa, Hebrew, Hindi 24,500, Italian 548,000, Japanese 20,000, Jutish, Kabuverdianu 3,000, Kalmyk-Oirat, Kazakh, Kirmanjki, Korean 14,000, Kurmanji 480,000, Latvian 8,000, Laz 1,000, Osetin, Portuguese 78,000, Russian 360,000, Serbo-Croatian 652,000, Spanish 134,000, Tamil 35,000, Turkish 2,107,426, Turkmen, Turoyo 20,000, Urdu 23,000, Uyghur, Vietnamese 60,000, Chinese 40,000, people from Afghanistan 29,000, possibly Northern Uzbek.

Zur genaueren Information und geschichtlichem Hintergrund vgl. die Seiten zu den einzelnen Bundesländern.