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Johannes Reese

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Baden-Württemberg (Deutschland)

Offizielle Amtssprache: Deutsch

Einheimische Umgangssprachen: Alemannisch/Südbadisch/Schwäbisch, Fränkisch/Nordbadisch/Pfälzisch, ·Mitteldeutsch (Hochdeutsch)

Baden
WürttembergHohenzollern
Büsingen Geschichte
[Ich habe versucht, in die Karte die Landesgrenzen, die von 1815-1945 galten, einzutragen, da sie sprachlich oder in bezug auf Identität noch relevant sind, vor allem im badischen Landesteil. Die rote Linie markiert die Grenzen zwischen Baden, Württemberg und Hohenzollern. Die hellblaue Linie markiert die Grenze zwischen Württemberg-Baden und dem Land Baden, wie sie von 1945-1952 bestanden. Die Darstellung wird im folgenden nach Baden, Württemberg und Hohenzollern differenziert.]

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Vor allem im badischen Landesteil, in geringerem Maße auch in Hohenzollern, besteht unter der Mehrheit der einheimischen Bevölkerung noch eine starke Identifikation mit dem Land, wie es 1815-1945 bestand. Dies hat in zweierlei Hinsicht sprachliche Auswirkungen: 1) Zum einen in der Benennung der einheimischen Sprache; diese ist in Baden fast immer "badisch", sowie dem Gefühl von sprachlicher Verschiedenheit (auf wenn eine solche gar nicht besteht bzw. zumindest früher nicht bestand); 2) sprachliche Konvergenzen finden innerhalb der alten Länder statt; so wandert die schwäbisch-fränkische Sprachgrenze in Württemberg seit den 50er Jahren nach Norden, in Baden tendentiell nach Süden. Daher behandele ich die drei alten Länder einzeln: Baden, Württemberg und Hohenzollern. Es gibt aber auch gesamt-baden-württembergische Entwicklungen. Sie finden sich auf dieser Seite.

Traditionell ist Baden-Württemberg ein sprachlich stark differenziertes Gebiet. Es werden fränkische und fast alle alemannischen Dialektgruppen gesprochen. In den letzten Jahrzehnten gibt es allerdings Konvergenzphänomene zwischen den verschiedenen baden-württembergischen Dialekten. Vor allem in der Aussprache gleichen sie sich zunehmend in einem Maße einander an, daß sie für Außenstehende ähnlich klingen und erste Tendenzen zu Sprachgrenzen zu anderen Bundesländern zu entstehen scheinen (die dann außerhalb des Landes fälschlich als "Schwäbisch" bezeichnet werden). Lediglich die Kurpfalz fällt hier etwas heraus durch ihre traditionell starken Verbindungen zur linksrheinischen Pfalz.

Man unterscheidet klassisch für Baden-Württemberg als große Dialektgruppen das Kurpfälzische in der Kurpfalz, das zu den vorderpfälzischen Dialekten gehört, das (Nord-)Badische, auch Südfränkisch genannt (in der Nordhälfte des ehem. Baden), das Hohenlohische, das zum Ostfränkischen gehört (im Nordosten), das Schwäbische sowie das Nieder- und das Hochalemannische. Dabei gehören sprachwissenschaftlich Schwäbisch, Nieder- und Hochalemannisch zur gleichen Sprache, die man als Alemannisch zusammenfaßt. Schwäbisch wird vornehmlich im ehem. Württemberg gesprochen, Niederalemannisch in der Südhälfte des ehem. Baden, Hochalemannisch am äußersten südwestl. Rand des ehem. Baden. In der Baar wird ein Übergangsdialekt zwischen dem Schwäbischen und dem Niederalemannischen gesprochen.

Die Bezeichnungen der Dialekte hängen stark mit denen der Ländergrenzen, wie sie 1815-1945 bestanden, zusammen. Dabei wird schwäbisch mit Württemberg assoziiert (Ruoff 1992). Im ehem. Baden wird nur der Gegend um Bretten und in der Baar tlw. schwäbisch bzw. ein Übergangsdialekt zwischen Schwäbisch und Niederalemannisch gesprochen. Südfränkische Dialekte in Württemberg werden oft fränkisch genannt, solche in Baden badisch. Zwischen alemannischem und fränkischem Sprachgebiet besteht ein breiter Streifen, in dem Ausgleichsdialekte gesprochen werden. Teilweise wird aufgrund der ehemaligen Zugehörigkeit zu Baden auch das Nieder- und Hochalemannische als Badisch bezeichnet; damit fallen dann (süd-)fränkische und alemannische Dialekte in einer Bezeichnung zusammen. Manche unterscheiden auch zwischen "badisch" und "alemannisch", wobei mit "badisch" sowohl die südfränkischen als auch die niederalemannischen gemeint sind. Selten gibt es auch die Bezeichnung "badisch" für südfränkisch neben "alemannisch" für nieder- und hochalemannisch - dabei wäre diese Terminologie die vergleichsweise sinnvollste. Behelfen kann man sich, wenn man die wissenschaftlichen Bezeichnungen nicht möchte, mit "Nordbadisch" für Südfränkisch, "Südbadisch" für Niederalemannisch und "Alemannisch" für Hochalemannisch - wobei diese Terminologie vor Mißverständnissen nicht schützt, weil es Leute gibt, die mit "Südbadisch" Hochalemannisch meinen und "Nordbadisch" für Niederalemannisch und Südfränkisch verwenden.

Hinzu kommt, daß seit der Vereinigung Badens und Württembergs zwischen beiden ehem. Ländern eine Sprachgrenze entsteht, vor allem im Norden, wo in Württemberg fränkische Formen "nach Norden wandern", in Baden "schwäbische" nach Süden.

In jüngster Zeit bewegt sich die Dialektgrenze des Niederalemannischen nach Süden und hat teilweise schon die Schweizer Grenze erreicht; zumindest bewegen sich einige Kennzeichen des Niederalemannischen nach Süden, wie k statt ch, so daß Chilbi (fast immer so geschrieben) `Kirchweih, Kirmes' wie Kilbi ausgesprochen wird. Die Städte im ursprünglich hochalemannischen Gebiet sind heute vornehmlich niederalemannischsprachig bzw. Domäne badischen Hochdeutschs. Das bedeutet, es wird ein Kontinuum zwischen Hochdeutsch und Niederalemannisch gesprochen. Das "alemannische Badisch" und das "fränkische Badisch" bewegen sich zudem zumindest in der Aussprache aufeinander zu, in geringerem Maße auch das Schwäbische und die "beiden Badisch". Das Hochdeutsche (mit "badischem" Substrat) ist vor allem in den Städten Badens stark (die "nationalen" Identitäten in Baden-Württemberg beziehen sich meist auf die beiden Staaten in den Grenzen von 1815-1945).

Nach Abzug der Römer war ganz Baden-Württemberg alemannisch besiedelt. Nach der fränkischen Eroberung siedelten sich jedoch im Norden viele Franken an, sodaß die Sprache "frankisiert" wurde.

Geschichte
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Die früheste Besiedlung, die wir zuordnen können, waren Kelten. Nach Herodot lag sogar das Zentrum der Kelten in Südbaden, an der Donauquelle. Im Norden wanderten um die Zeitenwende außerdem einige germanische Stämme ein. Ab dem 1. Jh.n.Chr. gehörten weite Teile Baden-Württembergs zum Römischen Reich. Der Limes, der das Reich von den nicht-eroberten Gebieten trennte, verlief durch das heutige Bundesland. Im römischen Teil gab es daraufhin römische Einwanderer, die keltische Bevölkerung wurde langsam romanisiert.

Wohl schon bald danach wurden die nicht-römischen Teile des Landes von Germanen, die von der Elbregion einwanderten, besiedelt. Diese fanden sich in der neuen Heimat zu einem Großstamm zusammen, den sog. Alemannen. Im 3. Jh. überrannten sie den Limes und eroberten das gesamte Gebiet rechts des Rheins, also alle heute zu Baden-Württemberg gehörenden Teile des späteren alemannischen Gebiets. Der Rhein bildete längere Zeit die Grenze zwischen Alemannien und dem Römischen Reich. Die keltische Bevölkerung, die zu dieser Zeit bereits weitgehend, aber noch nicht vollständig romanisiert war, assimilierte sich den alemannischen Eroberern. Ende des 5. Jhs. wurden Alemannien Teil des fränkischen Reichs, konnte aber eine Autonomie bewahren. Allerdings ging das Gebiet nördlich der heutigen fränkisch-alemannischen Sprachgrenze ganz an Franken und wurde "frankisiert" (außerdem wanderten viele Franken ein). Die alemannische Autonomie schwand im 8. Jh., einige Franken wanderten auch hier ein. Auch das Alemannische geriet unter fränkischen Einfluß, behielt aber seinen Charakter als eigene Sprache (oder zumindest besondere Dialektgruppe). Im Hochmittelalter war der alemannische Raum (der jetzt meist schwäbisch genannt wurde) das wichtigste Zentrum der mittelhochdeutschen Literatur, das Mittelhochdeutsche war deutlich alemannisch geprägt. Es wurde daher teilweise auch im fränkischen Raum als Schriftsprache genutzt. Selbst in Norddeutschland wurde zumindest die Gattung Minnelied auch mittelhochdeutsch (also quasi alemannisch) gedichtet. Daneben blieb Latein bis ins 18. Jh. wichtige Schriftsprache, vor allem in den lutherisch gewordenen Gebieten (vor allem im Norden des heutigen Bundeslandes). Mit der Einführung des mitteldeutsch geprägten Neuhochdeutschen wurde das Alemannische zu einer rein mündlichen Sprache. Sie blieb aber bis ins 20. Jh. hauptsächliche Umgangssprache. 1815-1945 bzw. 1952 war das heutige Bundesland zwischen die Länder Baden, Württemberg und Hohenzollern bzw. Preußen geteilt. In dieser Zeit entstand die heutige Verwirrung in den Bezeichnungen. "Schwäbisch" wird seitdem auf Württemberg (und Hohenzollern) bezogen, während sich in Baden ein die Stammesgrenzen übergreifendes Staatsgefühl ausbreitete und in der Folge (bis heute) alle in Baden gesprochenen Dialekte als "badisch" bezeichnet werden, seien sie alemannisch oder fränkisch. Lediglich "Pfälzisch" für die Dialekte der Kurpfalz (der bis 1803 zum Kurfürstentum Pfalz gehörenden Gebiete) ist noch gebräuchlich, während "alemannisch" neben "(Süd-)Badisch" meist die hochalemannischen Dialekte in Südschwarzwald und Hochrheinregion bezeichnet, seltener auch die niederalemannischen. In Württemberg gesprochenes Fränkisch heißt "Fränkisch" oder "Hohenlohisch" (nur Ostfränkisch).

Erst nach dem 2. Weltkrieg begann das Hochdeutsche, als Umgangssprache gleichberechtigt neben das Fränkische und Alemannische zu treten. In der zweiten Hälfte des 20. Jhs. entstand unter den Alemannisch- wie unter den Fränkisch-Sprechern ein Kontinuum zwischen alemannisch/fränkisch beeinflußtem Hochdeutsch und dem ererbten Dialekt als Umgangssprache. Man kann auch von code switching zwischen Hochdeutsch und Dialekt sprechen. Durch die Entstehung des Kontinuums entstand eine Sprachgrenze zu den übrigen alemannischsprachigen Gebieten. Dies liegt an zwei Phänomenen: Zum einen fehlt im Elsaß (soweit dort Alemannisch noch gesprochen wird) und in der Schweiz das Kontinuum bzw. code switching (oder findet im Falle des Elsasses mit dem Französischen statt). Außerdem haben Konvergenzprozesse zwischen den baden-württembergischen Dialekten begonnen, die erste Tendenzen für eine Art Sprachgrenze zwischen Baden-Württemberg und übrigen Bundesländern begründet (in denen zudem ähnliche Konvergenzen entstehen, vor allem in Bayern). Beispiele für die Konvergenzprozesse sind das postuvulare R und die Ausbreitung der Wörter schwätzen für `sprechen' und des für `das'. Zentrum der Konvergenzprozesse ist das schwäbische Kernland, obwohl gerade dieses Zentralschwäbische zusammen mit dem Kurpfälzischen (das starke Kontakte zur linksrheinischen Pfalz aufweist) am wenigsten an den Konvergenzprozessen Anteil hat. Das Kontinuum ist heute allgemeine Umgangssprache, lediglich rezente Einwanderer aus anderen Teilen Deutschlands sprechen in der Regel nur Hochdeutsch, meist auch in der zweiten Generation (dort gibt es allerdings in der Aussprache dialektale Einflüsse).

In Büsingen gelten die obigen Anmerkungen nicht, hier hat die Sprache die schweizerischen Koinisierungstendenzen mitgemacht. Es besteht daher auch kein Kontinuum zum Hochdeutschen, sondern eine Diglossie. Hochdeutsch ist nur Schriftsprache. Allerdings gibt es auch hier Einwanderer aus anderen Teilen Deutschlands, die in der Regel Hochdeutsch oder ihre Heimatsprachform sprechen.

Wikipedia.
Ruoff, Arno (Hrsg.)(1992): Die fränkisch-alemannische Sprachgrenze. Statik und Dynamik eines Übergangsgebiets, untersucht und dargestellt in einem Projekt des Ludwig-Uhland-Instituts der Universität Tübingen, Tübingen: Niemeyer.
Arno Ruoff (2003): Sprache in Baden-Württemberg - Dialekte und Umgangssprachen, in: Martin Blümcke (Hrsg.): Alltagskultur in Baden-Württemberg (Schriften zur politischen Landeskunde Baden-Württembergs; Bd. 30); Stuttgart: Landeszentrale für politische Bildung.
Hans-Georg Wehling (Hrsg.)(1995): Oberschwaben (Schriften zur politischen Landeskunde Baden-Württembergs; 24), Stuttgart: Kohlhammer.
Noth 2002: http://www.noth.net/m11_kurzgrammatik.htm.
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Karl Moersch (1992): Geschichte der Pfalz, von den Anfängen bis ins 19. Jahrhundert, Landau: Pfälzische Verlagsanstalt.
Otto Bauschert (Hrsg.)(1993): Hohenlohe (Schriften zur politischen Landeskunde Baden- Württembergs; Bd 21), Stuttgart: Kohlhammer.
Alexander Schweickert (1997): Kurpfalz (Schriften zur politischen Landeskunde Baden-Württembergs; Bd. 25); Stuttgart: Kohlhammer.