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Bulgarien

Offizielle Amtssprache: Bulgarisch

Einheimische Umgangssprachen: Bulgarisch, Mazedonisch, Türkisch, Roma, Griechisch, Aromunisch, (Albanisch, Armenisch)

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Das Bulgarische läßt sich in eine ostbulgarische und eine westbulgarische Dialektgruppe einteilen. Die westbulgarische Dialektgruppe geht schrittweise in das Mazedonische über. Daher ist es schwierig, Bulgarisch und Mazedonisch voneinander zu trennen. Üblicherweise unterscheidet man heute das Westbulgarische vom Mazedonischen und zählt nur die Dialekte im Südwesten Bulgariens, das Pirin-Mazedonische, zum Mazedonischen. Nur mit einer weiteren slawischen Sprache hat das Bulgarische eine Sprachgrenze: mit dem Serbischen im Nordwesten. Während aber Übergangsdialekte vom Mazedonischen zum Serbischen existieren (in Südserbien), besteht vom Bulgarischen zum Serbischen eine klare Sprachgrenze, die weitgehend mit den politischen Grenzen übereinstimmt. Der heutige Standard basiert auf dem Ostbulgarischen. Einen besonderen Dialekt stellt der der Rhodopen dar, der besonders konservativ ist. Das Bulgarische des Alltags ist heute ein deutlich dialektal gefärbtes Standardbulgarisch.

Seit dem Mittelalter stellen Bulgaren die überwiegende Mehrheit im Land. Es gab aber bedeutende Minderheiten, vor allem nach den Bevölkerungsbewegungen, die durch den Beginn der osmanischen Herrschaft verursacht wurden. Bedeutend waren vor allem Türken, außerdem Griechen, letztere vor allem an der Schwarzmeerküste (übrigens unterscheidete die osmanische Verwaltung nicht zwischen Bulgaren und Griechen; man unterschied nur nach Religionszugehörigkeit). Nach Unabhängigkeit und Balkan-Krieg verließen viele Minderheiten Bulgarien, um in die nun für sie vorgesehenen Ländern auszuwandern: Griechen nach Griechenland, Türken in den Rest des Osmanischen Reiches, Albaner nach Albanien. Seit dem Zweiten Weltkrieg verließen noch einmal eine halbe Million Türken das Land, die Hälfte davon in den 50er, die andere Hälfte in den 80er Jahren. Dennoch sind Türken immer noch die zahlreichste Minderheit in Bulgarien (9,5%). Die Türken benutzen teilweise Türkisch als Schriftsprache; sie haben die türkische Schriftreform von 1928 mitgemacht, schreiben also seitdem mit lateinischen Buchstaben. Sie leben hauptsächlich im Nordosten des Landes, um die Städte Schumen und Rasgrad sowie in den Bergen im Süden um Kardschali. Die Gagausen sprechen zwar eine mit dem Türkischen nah verwandte Sprache, sind aber Christen. Sie leben an der Schwarzmeerküste. Die Pomaken im Rhodopen-Gebirge und Teilen Mittelbulgariens wiederum sind zwar Muslime, sprechen aber (eigene) bulgarische Dialekte.

Auch die Griechen, die an der Schwarzmeerküste eine ansehnliche Kolonie bildeten, sind inzwischen überwiegend nach Griechenland ausgewandert. Griechisch sprechen auch die Karakatschanen, deren Herkunft auf die Thraker zurückgeführt wird. Sie sind meist Wanderhirten. An weiteren Minderheiten gibt es Roma (4,6%), Armenier, im Westen auch einige Aromunen, im Norden auch einige wenige Rumänen, in den Großstädten seit neuestem auch Araber und Afrikaner. Der Ethnologue berichtet auch von einigen Tschechen, Russen, Albanern (Gegen) und Krimtürken (im Nordosten). Die Krimtürken sind nach der Eroberung der Krim durch Rußland in die Dobrudscha geflüchtet, unter der rumänischen Herrschaft teilweise weitergeflüchtet. Alle Minderheiten waren in der Zeit des Kommunismus großem Anpassungsdruck ausgesetzt, der bei vielen zur Übernahme des Bulgarischen führte. So gibt es viele bulgarischsprachige Roma, die allerdings weiterhin als Roma betrachtet werden und gesellschaftlicher Diskriminierung ausgesetzt sind. Es gibt auch viele türkischsprachige Roma. Die übrigen Roma sprechen verschiedene indoarische (Zigeuner-)Sprachen; sie teilen sich außer durch die Sprache in eine christliche und eine muslimische Gruppe. Ihr Zentrum ist heute vor allem in Sliwen, außerdem in Sofia (Fakultet-Viertel), Plowdiw, Ruse und Warna; sie sind aber über das ganze Land verstreut.

In Bulgarien gab es auch Juden, die trotz des Bündnisses mit Hitler nicht an Deutschland ausgeliefert wurden. Sie sprachen zu 90% Judezmo. Allerdings sind sie zum größten Teil nach dem Krieg nach Israel ausgewandert.

Zu Bulgarien gehört seit 1940 auch die Süddobrudscha. Hier lebten viele Völker, u.a. vom 19. Jh. bis 1940 die Dobrudschadeutschen. Die Dobrudschadeutschen sind nach Polen ausgesiedelt und teilten dort das Schicksal der Deutschen in Polen.

Geschichte
In Bulgarien siedelten in antiker Zeit die Thraker (in den Regionen Thrakien und Moesien); der äußerste Südwesten gehörte zu Makedonien. An den Küsten gab es griechische Kolonien. Die Thraker gerieten im 3. Jh. v.Chr. unter mazedonische Herrschaft (Alexanders des Großen), im 1. Jh.v.Chr. unter römische; die Thraker hellenisierten oder latinisierten sich zu einem großen Teil nach der Zeitenwende. Seit dem 5. Jh. siedelten sich Slawen an, verdrängten oder assimilierten die Thraker und verdrängten die romanischsprachigen, Wlachen genannt, in die Berge. Im 7. Jh. eroberten die "Protobulgaren" oder Wolgabulgaren das heutige Bulgarien. Die Wolgabulgaren sprachen eine Turksprache (von der es einen Nachfolger gibt, das Tschuwaschische in Rußland, gesprochen von den Wolgabulgaren, die nicht nach Bulgarien zogen), sie übernahmen aber mit der Zeit auch im Gefolge der in slawischer Sprache erfolgten Christianisierung die Sprache der slawischen Siedler.

Das bulgarische Reich wurde im 9. Jh. christianisiert, es entstand eine slawische Schriftsprache, heute meist Altkirchenslawisch genannt, auf westbulgarisch-mazedonischer Grundlage. Für dieses gab es zwei Schriften, die glagolitische und die kyrillische. Letztere setzte sich später durch. In den folgenden Jahrhunderten veränderte sich die Struktur des Bulgarischen, die Nominalflexion wurde aufgegeben. Da andererseits die Verbalflexion beibehalten wurde (bzw. noch durch das Aspektsystem ergänzt), erscheint das Bulgarische heute (zusammen mit dem Mazedonischen) strukturell quasi spiegelverkehrt zu den übrigen slawischen Sprachen: Es hat eine komplexe Verbalflexion, aber eine einfache Nominalflexion. Außerdem teilt es mit nicht-verwandten Sprachen des Balkanraumes heute einige Besonderheiten, die es zusammen mit dem Griechischen, Rumänischen und Albanischen sowie einigen serbischen Dialekten als Balkansprachbund zusammenfassen läßt: Sie haben z.B. keinen Infinitiv, drücken das Futur durch eine Partikel aus usw.

Im 14. Jh. wurde Bulgarien Teil des Osmanischen Reichs. In dieser Zeit kamen Einwanderer aus anderen Teilen des Reiches, vor allem Türken. Außerdem assimilierten sich viele Bulgaren an die türkische Kultur. Vor allem die Städte waren stark durch die islamisch-türkische Kultur geprägt. 1878 wurde Nord-Bulgarien ein autonomes Fürstentum, die bulgarische Kultur gewann wieder an Einfluß. Der Süden blieb unter dem Namen "Ostrumelien" osmanisch. 1908 wurde das faktisch bereits unabhängige (Nord-)Bulgarien zum offiziell unabhängigen Königreich (seit 1945 Republik), das im Balkankrieg 1912 auch Ostrumelien gewann. In den 20er Jahren wanderten viele Türken aus Bulgarien aus. Die Süddobrudscha gehörte 1918-1940 zu Rumänien. Durch Aus- und bulgarische Binnenwanderung wurde diese vielsprachige Region nach dem 2. Weltkrieg bulgarisiert.