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Brandenburg (Deutschland)

Offizielle Amtssprache: Deutsch

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Einheimische Umgangssprachen: Ostmitteldeutsch/Berlinisch, Brandenburgisch, Niedersorbisch/(Mittelsorbisch)

Die aktuelle sprachliche Situation in Brandenburg sieht so aus, daß zwei bis zweieinhalb Sprachräume zu unterscheiden sind. In der östlichen Niederlausitz wird Standarddeutsch mit starkem Substrat seitens des rückläufigen lausitzischen Dialekts gesprochen. Im selben Raum finden sich noch allerletzte Reste des Niedersorbischen. Im Westen der Niederlausitz (einem Gebiet, das sich heute meist nicht mehr zur Lausitz rechnet) geht die Umgangssprache ins sächsisch beeinflußte Hochdeutsch über.

Im übrigen Brandenburg werden Dialekte bzw. wird ein Dialekt gesprochen, der getrost als Berlinisch bezeichnet werden kann. Er ist in Berlin entstanden und war der erste Dialekt, der (im 16. Jh.) auf der Grundlage des heutigen Standarddeutschen entstanden ist. Dabei gingen einige Elemente aus dem Süden in die Sprache mit ein; besonders stark aber ist das Substrat der Sprache, die vorher in Berlin und Brandenburg gesprochen wurde, das Ostniederdeutsche. Dieses Berlinische ist heute die allgemeine Umgangssprache in ganz Brandenburg nördlich der Lausitz. Nur im äußersten Norden, in Uckermark, Prignitz, dem Land Ruppin und vielleicht noch dem Havelland, gibt es auf dem Land noch vereinzelte ältere Sprecher des Ostniederdeutschen, die ihre Muttersprache allerdings nur noch selten einsetzen können. Im Gegensatz zu den übrigen Regionen sind aber passive Kenntnisse noch verbreitet. So sprechen z.B. in der Uckermark noch 5-15% regelmäßig Platt, passive Kenntnisse geben aber 50% an.

Vor dem Sprachwechsel, der zur jetzigen sprachlichen Situation führte, wurden in der Niederlausitz vornehmlich lausitzische Dialekte gesprochen. Daneben gab es eine bedeutende niedersorbische Minderheit.

Im Westen der Niederlausitz (die sich heute meist nicht mehr als Teil der Niederlausitz versteht) wurden südlich eine Linie Wittenberg - Finsterwalde - Beeskow mitteldeutsche Dialekte gesprochen.

Im gesamten übrigen Brandenburg sprach man ostniederdeutsche Dialekte. Die Dialekte in Brandenburg bildeten zusammen mit dem Mittelpommerschen die brandenburgische Dialektgruppe, die sich durch ein starkes niederländisches Element auszeichneten. Man teilt die brandenburgischen Dialekt in Nordbrandenburgisch, Zentralbrandenburgisch und Südbrandenburgisch. Das Flämingische wurde von Fontane durch sein starkes niederfränkisches, genauer flämisches Element gesondert betrachtet. Das Südbrandenburgische war schon seit der frühen Neuzeit so stark vom Mitteldeutschen beeinflußt, daß man es auch als Teil des Mitteldeutschen betrachten konnte. Es schlug einen Korridor vom mitteldeutschen Sprachgebiet nach Berlin, wo das Brandenburgische im 18. Jh. ausstarb.

Geschichte

Die frühesten Siedler, die wir sprachlich zuordnen können, bewohnten wohl seit dem 5. Jh.v.Chr. Brandenburg und waren entweder ostgermanische oder südgermanische Stämme. In der Völkerwanderung verließen diese Völker bis auf geringe Reste das heutige Brandenburg. Den fast verlassenen Raum besetzten Westslawen, denen sich wohl die letzten Reste der Germanen, soweit es sie gab, assimilierten.

Im 9. Jh. wurden die Slawen von deutschen Rittern erobert und dem Hl. Römischen Reich eingegliedert. In Brandenburg außer in der Lausitz gab es Ende des Jhs. einen Aufstand, der die deutsche Herrschaft zunächst wieder beendete. In der Lausitz bewahrten die Slawen trotz deutscher Herrschaft ihre slawische Kultur und Sprache, meistens sogar ihre Religion.

Im 12. Jh. wurden die im Slawenaufstand verlorenen Gebiete wieder "deutsch". Ab dem 12. Jh. (in der Lausitz um 1200) begann auch die deutsche Ostkolonisation. Nach Brandenburg strömten Siedler aus dem germanischsprachigen Westen des Reichs. In der Lausitz waren die Siedler überwiegend Ostfranken, teilweise auch Rheinländer und Rheinfranken, ins übrige heutige Brandenburg kamen sie vornehmlich aus Westfalen und den heutigen Niederlanden und Nord-Belgien (vor allem der Fläming ist vornehmlich flämisch besiedelt, neben Siedlern aus der Altmark, dem Harz und dem Niederrhein). Gegen Ende des 14. Jh. hörte die Einwanderung auf. Anfangs lebten Germanen und Slawen in getrennten Siedlungen. Mit der Zeit assimilierten sich aber die Slawen an die germanische Kultur. Nur in der Lausitz konnte sich das Slawische noch Jahrhunderte, in Resten sogar bis heute, halten.

Infolge der Germanisierung entstand eine Sprachgrenze nördlich der Niederlausitz. Während in der Niederlausitz die niederlausitzischen Dialekte entstanden, die zu den mitteldeutschen Kolonialdialekten, dem Ostmitteldeutschen, zählen und diese Dialekte neben dem Niedersorbischen gesprochen wurden, entstanden im ganzen übrigen Brandenburg ostniederdeutsche Dialekte, die brandenburgischen Dialekte. Diese waren Ausgleichsdialekte mit niedersächsischen und niederfränkischen Anteilen. Im Gegensatz zu der großen Nachbardialektgruppe des Ostniederdeutschen, dem Mecklenburgischen, war im Brandenburgischen die Rolle des Niederfränkischen (Niederländischen) besonders groß.

Schon bald nach der Germanisierung kam es zu neuen Verschiebungen. Im Süden hat sich die Sprachgrenze zum Mitteldeutschen seit der Germanisierung unaufhörlich nach Norden geschoben. Schon zum Ausgang des Mittelalters hatte es heute brandenburgisches Gebiet erreicht (das allerdings bis 1815 noch zum Kurfürstentum Sachsen gehörte). Dabei war das ostmitteldeutsche Gebiet ein Zentrum der Entwicklung der frühneuhochdeutschen Schriftsprache. Schon um 1500 begannen die Dialekte, die infolge der Besiedlung und slawischen Assimilierung zunächst entstanden waren, zu verschwinden. An ihre Stelle traten neue Dialekte auf Grundlage der Schriftsprache. Dieser Prozeß fand möglicherweise mehrmals statt, jedesmal mit größerer Nähe zum Standarddeutschen. Er betraf auch Gebiete, die einst niederdeutsch gewesen waren. Mit dem Sprachwechsel zum Mitteldeutschen kamen sie in die "Mühle" der häufigeren Annäherung an die Schriftsprache. Der jüngste Sprachwechsel fand in den Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg statt, so daß heute die Umgangssprache in den mitteldeutschen Gebieten sich nur unwesentlich, fast nur in der Aussprache, vom Mediendeutschen unterscheidet. Mediendeutsch bezeichnet dabei Hochdeutsch, wie es in Radio und Fernsehen gesprochen wird. Hochdeutsch hat an sich keine einheitliche Aussprachenorm. Erst durch die Sprechmedien entstand eine deutschlandweit anerkannte Aussprachenorm mit immer geringer werdender regionaler Varianz.

Innerhalb des Brandenburgischen kam es durch Bevölkerungsverschiebungen vor allem während der Pest und des 30jährigen Krieges zu einer Harmonisierung, bei der die sprachliche Situation des Dialektkontinuums, wie wir es bis vor wenigen Jahrzehnten beobachten konnte, vielleicht erst entstanden ist. Damals wurde das niedersächsische Element gegenüber dem niederfränkischen gestärkt. Gleichzeitig begann die Beeinflussung des Südbrandenburgischen durch das Mitteldeutsche und teilweise auch das Standarddeutsche.

Brandenburg war nach Berlin die erste Region, in der sich Standarddeutsch als Umgangssprache durchsetzte. Dabei entstand ein neuer Dialekt auf standarddeutscher Basis, der einerseits stark vom benachbarten Mitteldeutschen, fast noch mehr aber vom Brandenburgischen beeinflußt war. Diesen Dialekt kann man als Berlinisch bezeichnen, da Berlin das Zentrum und der Ausgangspunkt dieser sprachlichen Entwicklung war.

Vor allem war Brandenburg die erste nicht-urbane Region, in der der Sprachwechsel stattfand. Es gibt in Brandenburg kaum große Städte, daher lief die Entwicklung relativ gleichförmig ab. Nachdem Berlin schon länger hochdeutschsprachig war, begann auch in den ländlichen Regionen Brandenburgs der Sprachwechsel noch im 19. Jh. oder zur Jahrhundertwende zum 20. Jh. An Geschwindigkeit nahm die Entwicklung nach 1945 zu. Schon in den 60er Jahren war Berlinisch zur vorherrschenden Umgangssprache geworden. Seitdem ist Brandenburgisch Haussprache geworden, und neue Muttersprachler hat es wohl seit den 50er Jahren nicht mehr gewonnen. Der Sprachwechsel fand also rund dreißig Jahre früher statt als im niedersächsischen Raum.

Die schriftsprachliche Entwicklung lief relativ parallel ab, allerdings um Jahrhunderte verschoben. Nachdem die Slawen keine Schriftsprache entwickelt hatten, war Mittelniederdeutsch (neben Latein) die erste Schriftsprache der Region. Auch hier war aber Brandenburg einer der Vorreiter. Während des 16. Jhs. ging man zum Neuhochdeutschen über, im 17. Jh. gab es nirgendwo mehr niederdeutsches Schrifttum.

In der Niederlausitz waren es stattdessen neben Latein das Prager Deutsch, der Vorläufer des Neuhochdeutschen, sowie seit der Reformation in geringem Maße auch das Niedersorbische. Die meisten Sorben benutzten allerdings seit der Reformation Neuhochdeutsch, und die Zahl der niedersorbischen Schriftbenutzer sank parallel zur Zahl der Sprecher. Südlich der "heutigen" brandenburgisch-mitteldeutschen Sprachgrenze wurde nur sehr kurze Zeit Mittelniederdeutsch benutzt, man ging noch im 15. Jh. oder sogar vorher zum Neuhochdeutschen/Prager Deutsch über.


Eberhard Krienke (1996): Uns Uckermark: Sprache und mundartliche Literatur einer Region, Milow: Schibri.
Bernd Rudolph (1994): Kulturlandschaft Brandenburg, Freiburg i.Brsg.: Herder.
Wikipedia.
http://www.sorben.com/Sorbs/strony/deutsch/dt2frame.htm.
Peter Kosta/Madlena Norberg (Hrsg.)(2003): Reflexionen zur sorbischen/wendischen Sprache, Kultur und Literatur (Potsdamer Beiträge zur Sorabistik; 5), Potsdam: Institut für Slavistik der Univ. Potsdam.
Helmut Schönfeld (1990): East Low German, in: Charles V.J. Russ (Hrsg.): The Dialects of Modern German: A Linguistic Survey, London: Routledge.