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Bolivien

Offizielle Amtssprache: Spanisch, Quechua, Aymara

Einheimische Sprachfamilien: Jaqi, Quechua, Chipaya-Uru, Arawak, Makro-Gê, Waicuru, Mosetenisch, Panoanisch, Tacanisch, Tupi-Guarani, Zamukoanisch, Itonama, Leco, Movima, Yuracare, Canichana, Cayuvava

Beni Chuquisaca Cochabamba La Paz
Oruro Pando Potosí Santa Cruz
Tarija

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Die heutigen Grenzen Boliviens sind erst seit 1938 in dieser Form. Zu Beginn der Unabhängigkeit Anfang des 19. Jhs. war der Staat doppelt so groß. Er verlor aber in diversen Kriegen große Gebiete an Brasilien, Peru, Paraguay und Chile. Vor allem letzteren sind mit ihrem Zugang zum Pazifik bis heute von keiner bolivianischen Regierung akzeptiert.

Bolivien teilt sich in folgenden Großregionen: die Anden mit Cordillera Occidental, Altiplano oder Puna, Cordillera Real, die Yungas, Cordillera Oriental, außerdem Subpuna, Frente Subandino, die Llanuras, das Chaco und die Región Chiquitana. Die Westkordillere (Cordillera Occidental) ist wüstenähnlich und unbewohnt, ebenso die Hochgebirgsregionen Cordillera Real und Oriental. Zwischen den drei Kordilleren liegen die Hochebene Altiplano (auf gut 3800m ü.NN), die dichtstbevölkerte Region Bolivien, und östlich davon die tiefer gelegene Subpuna. Am Osthang der Cordillera Real liegen die Yungas, fruchtbare, für bolivianische Verhältnisse tief gelegene Täler. Jenseits von Yungas und Cordillera Oriental zieht sich der Frente Subandino, (für bolivianische Verhältnisse) flache Gebirge, von Nordwesten nach Südosten. Jenseits davon sind die Llanuras, die zum Teil aus Regenwald bestehen, zum größeren Teil aber aus Savannen. Sie gehen in den dünn besiedelten steppenartigen Chaco über, der nach Paraguay hinüberreicht und von der fruchtbareren Región Chiquitana unterbrochen wird.

Beni
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Umgangssprachen: Spanisch, ..., (Baure)

Das Dep. liegt im Amazonas-Becken und ist von tropischem Regenwald bedeckt. Es lag bis ins 19. Jh. weitgehend außerhalb des Interesses Boliviens. Die Regenwald-Indianer konnten ihr traditionelles Leben führen. Im 19. Jh. begann der Kautschuk-Boom, später die Rinderzucht. In der Folge wurden viele Indianer versklavt oder als Arbeiter angeworben. In den neuen Siedlungen nahmen sie meist das Spanische an. Auch Mestizen und Weiße wanderten ein bzw. bildeten sich. Bis heute haben sich aber Gruppen von Ese'ejja, Tacana, Baure, Cavineña, Chaácobo, Ignaciano, Itonama, Movima, Pacahuara und Trinitario erhalten. In vielen dieser Gemeinschaften wird aber die Sprache nur noch von den Älteren beherrscht, aber nicht mehr im Alltag gesprochen. Sie sind also wohl zum Aussterben "verurteilt".

Chuquisaca
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Umgangssprachen: Quechua, Guarani, Spanisch, (Aymara)

Der Westen gehört zum Altiplano. Hier wird meist Quechua gesprochen. Es herrscht hier die Doppelkultur wie überall im Hochland. In Sucre leben dementsprechend viele Spanischsprecher. Der Osten ist Tiefland, man spricht Guarani und Spanisch. In letzter Zeit wandern aber zunehmend Quechua und auch Aymara und Mestizen in den Osten ein.

Cochabamba
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Umgangssprachen: Quechua, Yuqui, Yuracare, Trinitario, Spanisch, (Aymara)

Die Besiedlung konzentriert sich in dem zum Altiplano gehörenden Teil des Dep., das etwa 10% seiner Landfläche ausmacht. Es handelt sich um das Cochabamba-Tal, das vor allem von Quechua besiedelt ist (seit dem 15. Jh., s. Geschichte). Um das Tal herum liegen unbewohnbare Gebirgslandschaften. Im Nordosten liegt der tropische Teil des Dep., das Chapare. Das Chapare war früher (bis vor etwa 30 Jahren) Regenwald, in dem nomadische Tieflandindianer lebten. Heute leben hier Bauern (die meist Koka anbauen). Viele von ihnen stammen aus dem Hochland und sprechen Quechua, manchmal auch Aymara oder Spanisch. An Tieflandindianern haben sich kleinere Gruppen von Yuqui, Yuracare und Trinitario erhalten.

La Paz
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Umgangssprachen: Aymara, Spanisch, Quechua, Tacana, Ese'ejja, Leco, Tsimané, Araona

Der Süden des Dep. gehört zum Altiplano. Hier wird vornehmlich Aymara gesprochen, weiter nördlich auch Quechua. In den Städten, vor allem La Paz, wohnen die Nachfahren der spanischen Eroberer und Einwanderer. Sie sprechen Spanisch.

Der Südosten liegt etwas tiefer. Hier liegen die Yungas. Man spricht meist Spanisch. "Traditionell" leben hier viele Afro-Bolivianer. In jüngster Zeit sind aber viele Quechua und Aymara in die Yungas gezogen.

Der Norden ist unzugängliches (Regen-)Waldland. In den wenigen Siedlungen, die wenig Kontakt miteinander haben, spricht man hauptsächlich tacanische Sprachen, weiter südlich auch Leco und Tsimané. Die Bewohner sind meist erst Ende des 19. Jhs. mit Europäischstämmigen in Berührung gekommen und dann bald versklavt worden. Die Überlebenden leben zurückgezogen in den Wäldern.

Oruro
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Umgangssprachen: Aymara, Quechua, Spanisch, Chipaya, (Uru),...

Das Dep. Oruro gehört zum Altiplano.

Pando
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Umgangssprachen: Spanisch, Yaminahua, Ese'ejja, Tacana

Das Dep. besteht erst seit 1938. Davor bildete es das Territorio de Colonias del Noroeste. Criollos und Mestizen leben praktisch nur in der einzigen richtigen Stadt der Region, in Cobija an der Grenze zu Brasilien (die aber auch unter 10000 Einwohner hat). Damit ist auch die Verbreitung des Spanischen praktisch auf diese Stadt beschränkt. Im übrigen ist das Departamento extrem dünn besiedelt. Die wenigen Bewohner sind meist traditionell lebende Tieflandindianer in dem Gebiet, das als Teil des Amazonasbeckens Regenwaldcharakter hat. Obwohl sie traditionell leben, sind sie in Kontakt mit criollos gekommen, und die Bevölkerung ist seit dem Kontakt erheblich dezimiert worden. Im 19. und 20. Jh. lebten auch Arbeiter aus anderen Teilen Boliviens, vor allem Chiquitanos dun Guarayos, in der Region. Sie sind zum großen Teil wieder ausgewandert. Die traditionellen Völker sind: die Yaminahua, die Ese'ejja und die Tacana.

Potosí
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Umgangssprachen: Quechua, Spanisch, Aymara

Potosí gehört zum Hochland. Der Süden ist dank Gebirgsketten und Salzseen unbewohnbar. Im übrigen wird Quechua, an der Grenze zu Oruro auch Aymara gesprochen, in den Städten und den Minengebieten daneben Spanisch.

Santa Cruz
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Umgangssprachen: Spanisch, Chiquitano, Ayoreo, Guarayu, Guarani, Sirionó, Trinitario, (Aymara, Quechua), Einwanderersprachen

Santa Cruz besteht aus vier großen Regionen: den Norden, die Región Chiquitana (östliches Tiefland), den Chaco im Süden und die an die Anden grenzenden Täler.

Die Chiquitania ist noch heute vornehmlich von Urwald bedeckt. Hier leben hauptsächlich Chiquitanos. Auch hier wurden aber durch den Kautschukboom die Strukturen in vielen Teilen der Region zerschlagen, eine spanischsprachige Oberschicht wanderte ein, die Chiquitanos wurden zu Zwangsarbeit herangezogen und gaben ihre Sprache vielfach auf.

Im Norden und den Andentälern wohnen heute vor allem Mestizen. Die Spanischsprecher Santa Cruzens werden Cambas, Orientales or Cruceños genannt. Außer Chiquitanos leben Minderheiten von Ayoreo, Guarayu, Trinitario, Sirionó und Guarani in dem Dep.

In den letzten Jahren ziehen zunehmend Hochlandindianer in das Dep. Sie sprechen meist Aymara oder Quechua, manche auch Spanisch.

Neben innerbolivianischen gibt es auch Einwanderer aus dem Rest der Welt. So leben hier Gruppen von Mennoniten, Japaner, Chinesen, Koreaner, Inder, Russen, Libanesen, Deutsche, Italiener, Juden, Argentiniern, Chilenen, Brasilianer u.a.

Tarija
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Umgangssprachen: Spanisch, Guarani, Toba, Wichi Lhamtes Nocten, Tapieté, Yaminahua, Chorote, Aymara

Allgemeine Umgangssprache ist Spanisch. Der örtliche Dialekt weist schon zum Rio-de-la-Plata-Spanischen, der Kontakt mit Argentinien ist eng. Daneben haben sich aber noch Minderheiten bewahrt: Toba, Wichi Lhamtes Nocten, Tapieté, Yaminahua, Chorote. Im Norden ragt das (Chiriguano-)Guarani-Gebiet nach Tarija hinein.

Sprachenkarte Boliviens (Ethnologue)

Geschichte
Menschliche Besiedlung läßt sich in Bolivien seit 9000v.Chr. nachweisen. Seit 5000v.Chr. gibt es Landwirtschaft. An den drei südamerikanischen Hochkulturen (Chavín, Tiwanaku, Inka) hatte Bolivien Anteil, an Chavín und Inka aber nur am Rande. Dagegen war das Altiplano das Zentrum der Tiwanaku-Kultur, die von ca. 100-1200 dauerte. Nach Ende des Tiwanaku-Reiches entstanden mehrere Aymara-Fürstentümer im Altiplano, die auch Kolonien im Subpuna und den Yungas hatten. Die Fürstentümer herrschten auch über die Uru, die damals die zweitgrößte Volksgruppe im Altiplano stellten. Ende des 14. Jhs. wurden die Fürstentümer Teil des Inka-Reichs. Quechua wurden im Cochabamba-Tal angesiedelt. Mit dem übrigen Inka-Reich wurde das Hochland im 16. Jh. spanisch. Spanier wanderten ein. In der Folge entstand das Nebeneinander zweier Kulturen, das das Hochland noch heute prägt. Auf der einen Seite gab es weiterhin die indianische Kultur, wobei die meisten Hochlandvölker sich den Aymara und Quechua assimilierten. Auf der anderen Seite entstand eine spanisch geprägte Kultur unter eingewanderten Spaniern, criollos (d.s. in Amerika geborene Spanier bzw. deren Nachfahren) und Mestizen. Die beiden Kulturen leben im wesentlichen nebeneinander her. Allerdings liegt die Macht auf Seiten der Spanischsprecher, die Indianer sind in vielem benachteiligt, und einige haben versucht (viele auch "erfolgreich"), sich an die spanische Kultur zu assimilieren. Allerdings wurden sie von den criollos und Mestizen nicht als vollwertige Mitglieder dieser Gesellschaft anerkannt. Daher gab es eine Gegenbewegung, so daß die Trennung der beiden Kulturen heute wieder stabiler ist. Als Ergebnis gibt es aber trotzdem quasi "Mestizen zweiter Klasse", also Indianer, die die spanische Kultur und Sprache angenommen haben, aber weiterhin als sozial unter den Mestizen angesehen werden. Im Hochland leben die Angehörigen der spanischen Kultur vor allem in den Städten. (Sehr) viele Indianer beherrschen aber auch Spanisch, vor allem unter den Aymara können viele auch Quechua.

Das Tiefland konnte sich gegen die Eroberung durch die Inka wehren. Auch die Spanier begannen sich erst im 17. Jh. für die Region zu interessieren. In dieser Zeit entstanden die reducciones, die Missionssiedlungen der Jesuiten, in denen die Umgangssprache die Sprache des Indianervolkes war, das hauptsächlich in der Siedlung lebte. Daneben gab es spanische, auch einige portugiesische (brasilianische) Einwanderer. Ende des 18. Jhs. endeten die reducciones mit der Aufhebung des Jesuitenordens. Die Missionssiedlungen blieben aber teilweise bestehen. Die meisten Bewohner des Tieflands blieben aber bis ins 19. oder 20. Jh. von Spaniern und criollos (also in Amerika geborenen Spaniern) unbehelligt. Dann allerdings begannen stellenweise Versklavungen und Völkermord, Mitte des 20. Jhs. kam Einwanderung im großen Stil aus dem Altiplano hinzu, so daß inzwischen Mestizen, "weiße" Bolivianer und auch Aymara und Quechua einen wichtigen Bestandteil der tiefländischen Bevölkerung ausmachen.

Ethnologue.
Dirk Bruns (Hrsg.)(1994): Bolivien (Express-Reisehandbuch), Köln: Mundo-Verlag.
Miloslav Stingl (1982): Das Reich der Inka. Ruhm und Tod der "Sonnensöhne", Wien/Düsseldorf: ECON.