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Johannes Reese

Textzusammenfassung · Internat. Layout · Übersetzungen · Aussprachetraining · Historische Recherche · Ghostwriting

Berlin (Deutschland)

Offizielle Amtssprache: Deutsch

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Einheimische Umgangssprachen: Berlinerisch/Hochdeutsch, [Brandenburgisch]

Das Land Berlin teilt sich historisch in zwei "Großregionen": den Stadtbezirk Berlin-Mitte und die übrigen Stadtbezirke. Letztere sind erst 1920 nach Berlin gekommen.

Die Teilung der Stadt ist sprachlich trotz gegenläufiger Tendenzen noch zu spüren. Die Nachfahren der "Gastarbeiter" siedeln weiterhin hauptsächlich im Westen. Unter den "Deutschen" gibt es ein Kontinuum zwischen Berlinerisch und Mediendeutsch. Das Hochdeutsche ist weiter verbreitet als im Osten. Im Osten ist das Berlinerische zudem stärker vom umliegenden Brandenburgischen beeinflußt, es gibt ein Kontinuum zwischen Berlinisch bzw. Berlinisch-Brandenburgisch und der östlichen Variante des Mediendeutschen - das sich allerdings nur in wenigen (vor allem Aussprache-)Nuancen vom übrigen Mediendeutsch unterscheidet.

Geschichte

In Altertum und Mittelalter teilte Berlin sprachlich das Schicksal Brandenburgs.

Berlin (Mitte) war die erste Region, die das Niedersächsische als Schriftsprache aufgab (1500). In späterer Zeit starb auch die niedersächsische Umgangssprache aus und machte einem stark niedersächsisch beeinflußten Hoch- bzw. Mitteldeutsch Platz, das heute als Berlinisch bezeichnet wird. Dieser Prozeß war zu Beginn des 18. Jhs. abgeschlossen.

Berlin (Mitte) hat immer starke Einwanderung gekannt. Nach der niederdeutschen Einwanderung im Mittelalter kamen später eingewanderte Minderheiten hinzu: z.B. im 17. Jh. die französischen Hugenotten, die ihre Sprache noch einige Jahrzehnte bewahrten, später vor allem Einwanderer aus dem übrigen Preußen, vor allem dem weiter östlich gelegenen (Schlesien, Ostpreußen - sie assimilierten sich schnell). Bis 1881 war Berlin Teil der Prov. Brandenburg.

Die "äußeren" Bezirke teilten bis 1920 sprachlich (und politisch) das Schicksal Brandenburgs. Das Niederdeutsche ging hier erst seit dem 19., frühestens seit dem 18., als Umgangssprache zurück. Ausgestorben sind die Dialekte erst im 20. Jh. Seit 1945 haben die Bezirke, die als West-Berlin zusammengefaßt wurden, eine eigene Entwicklung durchgemacht, auch durch Einwanderung aus West-Deutschland. Es gab einen Dualismus zwischen Berlinerisch, dem die Einflüsse aus anderen Teilen der DDR weitgehend fehlten und das sich dadurch (minimal) peu à peu vom Ost-Berlinerischen zu unterscheiden begann, und einem manchmal berlinerisch gefärbten Hochdeutsch. Die Wahl einer der beiden Sprachformen war durch Herkunft und auch sozial bestimmt, doch nicht nur; die Verhältnisse sind komplizierter und noch nicht genügend erforscht. Seit 1990 gleichen sich die sprachlichen Verhältnissen in den Bezirken Berlins einander an.

Seit dem Zweiten Weltkrieg kamen Einwanderer aus Südeuropa und Anatolien nach Westberlin - sie beherrschen heute ganze Stadtviertel. Meistens sind sie heute zweisprachig; es gibt aber auch viele, die sich nur mühsam auf Deutsch verständigen können, da sie in ihren Stadtvierteln auf eine vollständige soziale Infrastruktur zurückgreifen können. Auch aus dem übrigen Deutschland gab es Einwanderer (sie sprechen in Berlin in aller Regel Hochdeutsch, gegebenenfalls mit dem Akzent ihrer Heimat). Der Ostteil der Stadt kannte zwischen 1945-1990 fast nur Einwanderer aus der übrigen DDR und wenige Vietnamesen. Diese verließen die DDR nach ihrem Ende. Nach 1990 kamen Einwanderer aus Osteuropa.

Helmut Schönefeld/Ruth Reiher/Sabine Grünert (2001): Berlinisch heute: Kompetenz - Verwendung - Bewertung (Sprache - System - Tätigkeit; 36), Frankfurt/Main u.a.: Lang.