Offizielle Amtssprache: Niederländisch, Französisch, Deutsch
| Flämische Region |
Seit der Verfassungsänderung 1993 ist Belgien ein Bundesstaat mit einem relativ komplizierten Aufbau. Der Aufbau ist mehrstufig. Es gibt drei Regionen: die Flämische, die Wallonische und die Hauptstadtregion Brüssel. Daneben gibt es drei Sprachgemeinschaften: die niederländischsprachige, die französischsprachige und die deutschsprachige. Brüssel gehört der niederländischen wie der französischen Gemeinschaft an, im übrigen ist die Flämische Region mit der Niederländischen Gemeinschaft identisch. Die Region Wallonien teilt sich zudem in die Französische und die Deutschsprachige Gemeinschaft auf. Daneben gibt es weiterhin die Provinzen, die bis 1970 die einzige Verwaltungsgliederung des damaligen Zentralstaats ausmachten. Allerdings ist die Provinz Brabant in eine wallonische und eine flämische aufgeteilt, und zwei Gemeinden haben die Provinzzugehörigkeit gewechselt und wurden damit Exklaven einer Provinz, um die Provinzen zu Untereinheiten der Regionen zu machen.
Einheimische Umgangssprache: Niederfränkisch, Französisch
Das Französische ist erst im 19. Jh. nach Brüssel gekommen. Davor war die Stadt rein brabantischsprachig. Es gab nur zeitweise, wie überall im burgundischen Raum, eine französischsprachige Oberschicht. Mit der Verwaltung des neuen belgischen Staates kamen aber Wallonen und Franzosen in größerem Stil nach Brüssel. So wurde Brüssel eine zweisprachige Stadt. Die Verwaltung Belgiens war im 19. Jh. rein französisch, also lernten auch die Wallonen kein Brabantisch oder Niederländisch. Im Gegenteil entstand unter den damals Alteingesessenen eine code-switching-Situation zwischen Brussels und Französisch. Diese Sprechweise ist weitgehend ausgestorben. Später sind Sprecher anderer niederfränkischer Dialekte nach Brüssel gezogen.
Heute sind nur 10% der Bevölkerung in Brüssel niederländischsprachig. Entsprechend ist Französisch die Sprache unter Unbekannten in der Stadt; dies wird noch durch den hohen Anteil von Ausländern, darunter viele Europa-Beamte und sonstige -bedienstete, verstärkt, die oft bis meist Französisch, aber selten Niederländisch beherrschen. Allerdings erhöht sich tagsüber der Anteil Niederländischsprecher, da viele "flämische" Pendler in die Stadt kommen. Es gibt Wallonisch-Sprecher unter den Mitgliedern der französischen Gemeinschaft in Brüssel, es herrscht aber ein Kontinuum zwischen (belgischem) Standard-Französisch und gering dialektal beeinflußtem Standard-Französisch vor. Allerdings ist das (von Einheimischen gesprochene) Brüsseler Französisch stark brabantisch beeinflußt.
Aufgrund der Zweisprachigkeit der Stadt zählt Brüssel neben "Flandern" bzw. der niederländischen Gemeinschaft und "Wallonien" bzw. der französischen Gemeinschaft sowie der deutschsprachigen Gemeinschaft als eigener Teil der Föderation.
Einwanderer stammen vor allem aus Nordafrika. Da sie schon in ihrer Heimat mit Französisch in Kontakt kamen, neigen sie im belgischen Sprachenstreit zum Französischen, zumindest, sofern sie nicht in rein "flämischen" Gegenden wohnen.