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Afghanistan

Offizielle Amtssprache: Paschtu, Dari

Sprachfamilien: Iranisch, Dardisch, Turksprachen, Mongolisch, Drawidisch, Indoarisch, Semitisch

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Badachschan Badghis Baghlan Balch Bamiyan
Daikondi Farah Faryab Ghazni Ghor
Helmand Herat Dschuzdschan Kabul Kandahar
Kapisa Chost Kunar Kunduz Laghman
Lugar Nangarhar Nimrus Nuristan Uruzgan
Paktia Paktika Pandschschir Parwan Samangan
Sar-e Pul Tachar Wardak Zabul Geschichte

Die folgende Darstellung ist unter Umständen mit Vorsicht zu behandeln. Sie beschreibt möglicherweise mehr die Situation vor 1979. Seitdem herrscht Krieg in Afghanistan, der zu großen Bevölkerungsverschiebungen geführt hat. Die heutige Situation und ob und inwieweit sie sich von der Darstellung unterscheidet, ist zur Zeit schlecht herauszufinden.

Zwei Sprachen beherrschen die sprachliche Situation im Land: Paschtu im Südosten und Osten, Persisch im übrigen Teil des Landes. Persisch wird in Afghanistan meist Dari genannt. Genaugenommen bezeichnet aber Dari nur die afghanische Variante der Hochsprache. Das Persische in Afghanistan ist auf ostiranischem Substrat entstanden. Man faßt die Nachfahren der Ostiraner, die zum Persischen gewechselt sind, als Tadschiken zusammen; sich selbst als Tadschiken bezeichnen sich allerdings nur die Tadschiken in Tadschikistan. Die afghanischen Tadschiken bezeichnen sich meist als Dari-Sprecher. Umgangssprache ist ein persischer Kolonialdialekt, den man als Ostpersisch bezeichnen kann, der das afghanische Umgangspersisch (also "Dari" nach der Eigenbezeichnung) und Tadschikisch umfaßt und der der Hochsprache ähnlicher ist als die meisten Umgangssprachen im Iran. Es gibt weitere Kolonialdialekte, die von anderen Völkern gesprochen werden; so die Dialekte der Aimak und der Hazara, beide mongolischer (und teilweise türkischer) Herkunft. Es gibt auch eine Volksgruppe, die sich als Farsiwan bezeichnet.

Dschat sind Zigeunervölker; sie sprechen verschiedene Zigeunersprachen, beherrschen aber meist auch Dari und Paschtu.

Die Usbeken sprechen Afghanisch-Usbekisch; die Verständlichkeit mit dem übrigen Usbekischen ist etwas eingeschränkt. Viele sind zweisprachig mit Dari.

Die Juden des Landes, die inzwischen nach Israel ausgewandert sind, sprachen Judenpersisch.

Im Osten des Landes leben zeitweise Radschasthani-sprachige Nomaden.

Badachschan
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Umgangssprachen: Dari/Tadschikisch, Wakhi, Sangletschi, Ischkaschimi, Schughni, Ruschani, Mogol, Uigurisch, Tangschewi, Kirgisisch, Mundschi, ...

Der größte Teil des Landes ist tadschikischsprachig. Zu der Provinz gehören aber auch die Gebiete Afghanistans, in denen Pamir-Sprachen gesprochen werden - vor allem im Wakhan-Distrikt; dort wird Wakhi gesprochen. Wakhi ist dort vorherrschende Umgangssprache, sie wird auch im Verkehr mit Anderssprachigen benutzt. Die Wakhi beherrschen allerdings meist auch Dari.

Im Wardudsch-Tal wird Sangletschi gesprochen. Im Verkehr mit Anderssprachigen bedient man sich des Dari, auch als Schriftsprache. Das Sangletschi unterscheidet drei voneinander deutlich unterschiedene soziolinguistische Sprachniveaus. Neben dem Sangletschi-Siedlungsgebiet leben Ischkaschimi.

Die wichtigste Pamir-Sprache ist Schughni. Als Schriftsprache dient ihnen Dari.

In der Region Ruschan beiderseits der afghanisch-tadschikischen Grenze wird Ruschani gesprochen. Schriftsprache ist Dari.

Auch Nuristani-Sprachen gibt es im Land. In der Provinz gibt es auch Gruppen von Mogol-Sprechern. Es gibt auch Uiguren. Es wird auch Tangschewi gesprochen, dessen Zuordnung noch unsicher ist, das aber wahrscheinlich zu den ostiranischen Sprachen zählt.

Etwa 500 Kirgisen leben an der Grenze zu Tadschikistan. Sie sprechen Südkirgisisch. Die meisten von ihnen, vielleicht auch alle, sind aber 1982 in die Türkei ausgewandert.

Im Mundschan-Tal wird Mundschi gesprochen. Die Mundschi sind zweisprachig im örtlichen Dialekt des Dari. Dari dient ihnen auch als Schriftsprache.

Badghis
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Umgangssprachen: Persisch/Dari, Paschtu, Usbekisch, Turkmenisch

Die Bevölkerung besteht aus Usbeken, "Tadschiken" und Paschtunen. Letztere sind Ende des 19. Jhs. als Grenzwächter in die Provinz gekommen. Die "Tadschiken" stellen die Bevölkerungsmehrheit. Für sie gilt wohl das unter Farah und Herat Gesagte, daß sie sich mindestens kulturell als Perser fühlen (und als solche bezeichnen) und persisch-chorasanische Dialekte sprechen. Auch Badghis war einst Teil Chorasans. Es gibt auch Aimak (sprechen Dari) und Turkmenen (die Provinz grenzt an Turkmenistan).

Die Provinz entstand 1964 aus Teilen von Herat und Mejmane.

Baghlan
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Die Bevölkerung besteht aus Tadschiken, Kirgisen, Turkmenen und Paschtunen.

Balch
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Die Bevölkerung besteht aus Usbeken, Tadschiken, Turkmenen, Hazara und Paschtunen. Es gibt auch eine karakalpakische Minderheit. In den Dörfern Choschalabad und Jachdan gibt es eine arabische Minderheit. Der Dialekt ist verschieden von anderen, er zeigt chorasan-arabische und turkestan-arabische Einflüsse.

Bruce Ingham (2006): Afghanistan Arabic, in Kees Versteegh (Hrsg.): Encyclopedia of Arabic Language and Linguistics, Leiden: Brill, S. 28-35.

Bamiyan
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Bamiyan ist das Zentrum der Hazara. Außerdem gibt es Qizilbasch, Tadschiken, Usbeken und nuristanische Völker. Die Qizilbasch sprechen einen persischen Dialekt.

Farah
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Umgangssprachen: Persisch, Paschtu, Belutschi

Farah ist traditionell dünn besiedelt. Bis vor einiger Zeit bestand die Bevölkerung hauptsächlich aus Tadschiken und Belutschen. In den letzten Jahrzehnten (?) hat aber eine bedeutende Einwanderung von Paschtunen stattgefunden, so daß die Region nicht mehr so dünn besiedelt ist. Die heutige Bevölkerung besteht zu 70% aus Paschtunen, 20% "Tadschiken" und 5% Belutschen. Die Region liegt an der Grenze zum Iran. Die Persischsprecher haben enge Beziehungen dorthin (teilweise wohnen Familien beiderseits der Grenze) und bezeichnen sich selbst eher als Perser als als "Tadschiken". Sie sind auch in aller Regel Schiiten. Bis zum Beginn des 20. Jhs. gehörte die Provinz zu Herat, bis 1857 zu Persien. Persisch, genauer der Herati-Dialekt, ist die allgemeine lingua franca. Als Schriftsprache dient meist Standard-Persisch wie im Iran. Paschtunen benutzen allerdings Paschtu und Dari, den afghanischen Standard des Persischen.

Faryab
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Die Bevölkerung besteht aus Usbeken, Turkmenen, Paschtunen und Tadschiken.

Ghazni
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Die Bevölkerung besteht aus Paschtunen, Hazara und Farsiwan.

Ghor
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Die Bevölkerung besteht aus Aimak und Hazara.

Helmand
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Die Bevölkerung besteht aus Paschtunen, Belutschi und Tadschiken. Es gibt eine kleine Brahui-Minderheit.

Herat
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Die Bevölkerung Herats fühlt sich nur bedingt als Afghanistan zugehörig. Früher war Herat Hauptstadt von Chorassan. Herat ist das Zentrum der persisch- bzw. dari-sprachigen Kultur in Afghanistan. Die Persischsprachigen setzen sich aus vier Völkern zusammen: Tadschiken, Farsiwan, Aimak und Hazara; sie sprechen jeweils verschiedene Dialekte und "Hoch-Dari". Daneben gibt es Paschtunen. In zwei Dörfern bei Herat wird Mogol gesprochen.

Dschuzdschan
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Die Bevölkerung besteht aus Usbeken, Turkmenen, Hazara, Tadschiken und Paschtunen. In den Dörfern Sulflan Ariq und Hasanabad gibt es eine arabische Minderheit. Der Dialekt ist verschieden von anderen, er zeigt chorasan-arabische und turkestan-arabische Einflüsse.

Bruce Ingham (2006): Afghanistan Arabic, in Kees Versteegh (Hrsg.): Encyclopedia of Arabic Language and Linguistics, Leiden: Brill, S. 28-35.

Kabul
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Man spricht Kabuli, einen (ost-)persischen Dialekt. In Kabul wohnen Menschen aus allen Teilen des Landes. Neben Kabuli sprechen sie ihre jeweilige Herkunftssprache als Haussprache. Daneben gibt es auch Minderheiten, die sonst in Afghanistan nicht vorkommen, wie Aseri und die Dschakati, die einen Lahnda-Dialekt sprechen. Am Südhang des Hindukusch und bis Kabul wird auch Patschati gesprochen.

Kandahar
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Kandahar ist das Zentrum der Paschtu-Kultur in Afghanistan. Außerdem gibt es Farsiwan.

Kapisa und Pandschschir
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Man spricht Ostpersisch. Am Südhang des Hindukusch wird auch Paratschi gesprochen.

Chost
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Man spricht Paschtu. (?)

Kunar
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Man spricht Paschtu und Nuristani-Sprachen.

Kunduz
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Die Bevölkerung besteht aus Tadschiken und Usbeken. Es gibt eine kleine kasachische Minderheit.

Laghman
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Die Bevölkerung besteht aus Paschtunen und Dschat.

Lugar
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Nangarhar
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Die Bevölkerung besteht aus Paschtunen, Tadschiken und Dschat.

Nimrus
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Man spricht vornehmlich Belutschi. Es gibt eine Brahui-Minderheit und einige Pahlawani, die eine ostiranische Sprache sprechen (?). Der Norden gehört zum Ghirzai-Paschtu-Stammesgebiet.

Nuristan
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In Nuristan werden die verschiedenen Nuristani-Sprachen gesprochen.

Uruzgan und Daikondi
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Paktia
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Man spricht Paschtu.

Paktika
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Man spricht Paschtu (?).

Parwan
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Die Bevölkerung besteht aus Paschtunen, Tadschiken und Hazara.

Samangan
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Sar-e Pul
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Tachar
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Wardak
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Man spricht Paschtu.

Zabul
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Man spricht Paschtu.

Geschichte

In der Antike wurde das heutige Land in die Landschaften Baktrien, Arachosien, Gedrosien, Dragianien und .... aufgeteilt. In diesen Landschaften lebten jeweils mehrere Völker; die meisten von ihnen waren wohl im 1. Jt.v.Chr. bereits iranisch. So sieht man meist in den Pakthas Nordwestarachosiens die Vorfahren der Paschtunen.

Das ganze Gebiet des heutigen Afghanistans kam im 6. Jh. v.Chr. unter persische Herrschaft. Mit dem Persischen Reich kam das Gebiet um 4. Jh. v.Chr. unter die Herrschaft Alexanders und seiner Nachfolger, der Diadochen. Das Gebiet lag im seleukidischen Teil. In dieser Zeit verbreitete sich die griechische Kultur in Afghanistan, allgemeine Schriftsprache war Griechisch. Im 3. Jh. v.Chr. teilte das Partherreich das seleukidische Reich in zwei Teile, sodaß der östliche Teil unabhängig wurde. Zentrum des Reichs war der Norden, die Region Baktrien. Daher ist das Reich als gräko-baktrisches bekannt. Schriftsprache war Griechisch und die (mittel)iranische Sprache Baktrisch, die mit griechischen Buchstaben (mit einigen Zusatzbuchstaben) geschrieben wurde. Das Gebiet südlich des Hindukusch wurde während der seleukidischen Zeit vom indischen Maurya-Reich erobert, das gräko-baktrische eroberte sie aber im 2. Jh. v.Chr. zurück. Bald darauf bildete sich aber um Gandhara ein eigenes Reich mit einer griechisch-buddhistischen Mischkultur.

Gegen Ende des 2. Jhs. v.Chr. eroberten die nomadischen Skythen, auch Saken genannt, aus dem Norden das heutige Afghanistan. Schon nach kurzer Zeit wurden sie von den Tocharern abgelöst. Es bildete sich das Reich von Kuschan, berühmt durch seine Verbindung verschiedener Kulturen und Religionen. Schriftsprache blieb meist das griechisch geschriebene Baktrisch. Nachdem der Westen im 4. Jh. unter sassanidische Herrschaft geriet, endete Kuschan durch die Eroberung der Kidariten (Hunnen), die bald darauf im 5. Jh. von den Hephthaliten abgelöst wurden.

Im 7. Jh. wurde der Norden von Arabern erobert, der Süden im 9. Jh. Schriftsprache wurde Arabisch, seit dem 9. Jh. Persisch. So blieb es in den folgenden Jahrhunderten, während Mongolen im 13., Timuriden im 14./15., die persischen Safawiden im 17. Jh. das Land unter ihre Herrschaft brachten. Seit dem 18. Jh. konnten vor allem paschtunische Kräfte aus der Mittelstellung Afghanistans zwischen Persien und Indien Nutzen ziehen und das Land unabhängig machen. Die Paschtunen sind möglicherweise erst in safawidischer Zeit von Osten her eingewandert. Heute sind sie die größte Ethnie Afghanistans.

Abgesehen von der wechselnden Herrschaftsschicht lebten wohl seit der Antike hauptsächlich iranische Völker in Afghanistan, im äußersten Nordosten dardische. Bei den meisten können wir nicht mehr feststellen, ob sie auf antike Völker, die an gleicher Stelle lebten, zurückgehen oder später zuwanderten. Neben den Iranern lebten einst möglicherweise im äußersten Süden auch drawidische Völker, von denen eine winzige Brahui-Minderheit in der Provinz Helmand den letzten Rest darstellen könnte. Die ursprünglich mongolischen, inzwischen persischsprachigen Hazara und Aimak sowie die immer noch eine mongolische Sprache sprechenden Mogol kamen mit den Truppen Dschingis Khans ins Land. Usbeken, Turkmenen, Kasachen und Kirgisen sind in jüngerer Zeit eingewandert.

Ethnologue.
Wikipedia.
http://www.afghanistan-seiten.de/.
Conrad Schetter (2004): Kleine Geschichte Afghanistans (Beck'sche Reihe), München: Beck.